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Greifswald Versteigerung von Pfandgütern nützt Schuldnern wenig
Vorpommern Greifswald Versteigerung von Pfandgütern nützt Schuldnern wenig
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04:46 07.03.2013
Auktionator und Vollstreckungsbeamter: Uwe Hagemann versteigerte Sachen, die im Auftrag von Stadt und Kreis gepfändet wurden. Quelle: kl

Im Publikum — keine Reaktion.

Bei der gestrigen Versteigerung von Pfandsachen in der Stadtkasse Am Gorzberg warteten aber auch Selbstläufer wie Fernseher und Laptops auf neue Besitzer. Beinahe hektisch wird es, als das erste Netbook versteigert wird, ein besonders kleiner, tragbarer Computer. 75. . . 80 . . . 85 Euro. . . Hagemann freut sich sichtlich über das Interesse. „Verkauft für 110 Euro“, ruft er, nachdem sich die Bieter einig geworden sind. Den höchsten Betrag an diesem Vormittag bringt aber ein wuchtiger 3D-Fernseher — Schätzwert 535 Euro, der Hammer fällt bei 300 Euro.

Die gepfändeten Dinge sind stumme Zeugen des wirtschaftlichen Scheiterns ihrer Vorbesitzer. Obwohl für die meisten Gegenstände niemand etwas bietet, kommen bei der Auktion dennoch 700 Euro zusammen.

Den Schuldnern wird das in den meisten Fällen aber nur wenig helfen, wie Uwe Hagemann weiß. Ihre roten Zahlen verringern sich durch die Erlöse nur minimal, sagt er.

Uwe Hagemann ist eigentlich Vollstreckungsbeamter. Er kennt die Schicksale hinter den DVD-Playern, Stereoanlagen und dem Kinderfahrrad, für das niemand im Publikum bereit war, 39 Euro oder mehr zu bieten. „Das Rad haben wir aus einer mehr oder weniger leeren Wohnung geholt“, berichtet er. Die Mutter war abgehauen, die Kinder im Heim. Nur die Schulden seien geblieben. Oder der 3D-Fernseher:

Dessen Vorbesitzer konnte seine Rechnungen nicht mehr bezahlen, erzählt Hagemann. Doch sechs TV-Geräte standen in seiner Wohnung.

Hagemann sagt, dass er nie wisse, was ihn eigentlich erwarte, wenn er an der Tür eines Schuldners klingelt. In diesem Jahr war das in Greifswald schon 30 Mal der Fall. „Es hat zugenommen“, so sein Eindruck.

Dabei ist es bis zur Pfändung ein weiter Weg. Wer seine Grund-, Gewerbe- oder Hundesteuer, seine Elternbeiträge, Rundfunkgebühren oder Bußgelder nicht zahlt, bekommt zunächst einmal eine Aufforderung. Einige Zeit später liegt eine Mahnung im Briefkasten. Weitere Schritte sind die Konto- und Lohnpfändung. Dann erhält der Schuldner eine Ankündigung, dass bald die Gegenstände in der Wohnung an der Reihe sind. Und erst dann rückt Hagemann aus.

Zu jeder Zeit kann der Betroffene mit der Stadt oder dem Landkreis eine Ratenzahlung — auch mit geringen Beträgen — vereinbaren, so dass er seine Sachen behalten kann. Selbst Tiere sind vor einer Pfändung nicht sicher, beispielsweise bei überschuldeten Landwirten. Gewisse Dinge, die zu einer „bescheidenen Lebensführung“ gehören, dürfen Schuldner behalten. Aber: Jedes Gericht entscheidet anders, was das genau bedeutet.

• Was nicht versteigert wurde, wird auf

www.zoll-auktion.de
angeboten

Die Zahl der Pfändungen hat zugenommen.“Uwe Hagemann

Kai Lachmann

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