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Verzweifelte Kitaplatz-Suche: Mutter bekommt 17 Absagen

Greifswald Verzweifelte Kitaplatz-Suche: Mutter bekommt 17 Absagen

Etliche Eltern finden keine Betreuung für den Nachwuchs / Der Kreis rät, online zu suchen / Das Portal funktioniert jedoch nicht so recht

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Die Suche nach einem Krippen- oder Kitaplatz kostet viele Eltern Nerven. Es gibt zu wenig Plätze.

Quelle: Julian Stratenschulte

Greifswald. Auf eine solche Odyssee war Bettina Karls nicht vorbereitet. Sie hat sich bei etlichen Kitas persönlich vorgestellt, um einen Krippenplatz zu bekommen, hat angerufen, sich über das Kita-Onlineportal angemeldet und insgesamt 17 Absagen kassiert. Ihren richtigen Namen will sie nicht nennen, weil sie ihren jetzigen Platz nur unter der Hand bekommen hat und in Sorge ist, dass das nachträglich für Ärger sorgen könnte. 

In Greifswald fehlen mehr als 100 Krippen- und Kitaplätze. Es könnten auch weit über 300 sein. So genau weiß das niemand, denn der Kreis als zuständige Behörde führt keine Statistik. 

Direkt nach der Geburt ihres Sohnes im Mai 2016 rief Bettina Karls bei Einrichtungen an, stellte sich vor, registrierte sich über das Online-Portal des Kreises für einen Platz. Ohne Erfolg. Immer wieder trafen automatische Absagen in ihrem Mailpostfach ein. 

Als das Ende der Elternzeit nahte, entschied sie sich schließlich für eine Tagesmutter, obwohl von Anfang an klar war, dass das Probleme mit sich bringt. Das geht schon damit los, dass die Tagesmutter mehr Jahresurlaub hat als sie selbst mit ihren 26 Tagen. Außerdem beginnt die Tagesmutter erst um 7 Uhr mit der Betreuung, Bettina Karls muss um diese Zeit eigentlich schon am Arbeitsplatz sein. Dann die vielen verlängerten Wochenenden, die die Tagesmutter für sich reserviert hatte. Diese passen nicht zum Dienstplan der Mutter. Ihr Mann arbeitet außerhalb, muss jeden Tag pendeln, kann deswegen beim Bringen und Abholen kaum helfen. Jedes Mal, wenn die Tagesmutter anruft, sie sei krank oder könne nicht so lange arbeiten, weil sie zum Arzt muss, weiß Bettina Karls nicht, wohin mit ihrem Sohn. Die Eltern leben zwar in Greifswald, sind jedoch stark mit einem Pflegefall in der Familie eingebunden. Eigentlich wollte das Ehepaar noch ein zweites Kind. Heute schüttelt Bettina Karls nur noch den Kopf. 

Sie sucht weiter nach einem Krippenplatz, registriert sich in verschiedenen Einrichtungen und für mehrere Monate. Doch Achtung! Von diesem Vorgehen rät Achim Lerm, Geschäftsführer des Eigenbetriebes Hansekinder, dringend ab. Alle elf Einrichtungen in seiner Trägerschaft arbeiten mit dem Online-Kita-Planer. „Die Kitaleiterinnen sehen, wie oft sich jemand registriert hat“, so Lerm. Zu viele Anmeldungen würden den Eindruck der Beliebigkeit erwecken. „Jemandem, der bei zehn Einrichtungen registriert ist, schickt man schneller eine Ablehnung“, sagt Lerm. „Wir wünschen uns Eltern, die sich für die Einrichtung und das pädagogische Profil interessieren.“ Die Online-Registrierung ersetze auch keineswegs den direkten Kontakt. Lerm empfiehlt allen Eltern, die einen Platz suchen, unmittelbar nach der Anmeldung bei der Einrichtung anzurufen und einen Termin für ein persönliches Kennenlernen zu vereinbaren. Es sei sinnvoll, sich bei drei bis vier Einrichtungen zu registrieren. 

Dirk Scheer, Sozialdezernent des Kreises (parteilos), räumt ein, dass das Online-Portal Kitaplaner längst noch nicht so effizient funktioniere wie erhofft, weil bislang nur 70 Prozent der Einrichtungen teilnehmen. Erst wenn jede Krippe, Kita und Tagesmutter die offenen Plätze einpflegt und täglich aktualisiert, bietet das Portal einen realistischen Überblick. Achim Lerm versteht, dass vor allem kleinere Kindertagesstätten den hohen Aufwand scheuen. „Das ist ein doppelter Verwaltungsaufwand. Ursprünglich sollte das Onlineportal die Exceltabelle ablösen, in der jede Einrichtung alle Daten erfasst, um die Landes- und Kreismittel zu beantragen“, erklärt Lerm. Die Programmschnittstelle funktioniere jedoch bis heute nicht. 

Wie Bettina Karls ihren jetzigen Platz bekommen hat? „Als ich in der Einrichtung anrief, hieß es, dass nichts frei ist. Später bin ich vorbeigegangen mit einer persönlichen Empfehlung im Gepäck. Auf einmal war ein Platz frei.“

Degrassi Katharina

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