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Videotheken: Zwei trotzen dem Trend

Greifswald Videotheken: Zwei trotzen dem Trend

Erotikecken und ein großes Angebot an Filmen und Spielen sind das Rezept gegen die Konkurrenz im Internet

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Mitarbeiterin Kerstin Arndt in der Videothek „Movies and More“ im Dienstleistungszentrum Greifswald.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Wer heute einen Film oder eine Serie sehen möchte, wartet selten vor dem Fernseher auf die Ausstrahlung oder kauft eine DVD. Die meisten suchen im Internet und werden auf diversen Portalen fündig. Ab 7,99 Euro monatlich können die Benutzer so viele Filme und Serien schauen, wie sie möchten.

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Erotikecken und ein großes Angebot an Filmen und Spielen sind das Rezept gegen die Konkurrenz im Internet

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Am besten läuft die Erotikecke. Wenn ich die nicht hätte, hätte ich die Videothek schon vor fünf Jahren dichtmachen können.“ Thomas Kierski, Videothekenbesitzer

Geschichte der Videotheken

1975 wurde laut Guinnessbuch der Rekorde in Kassel die mittlerweile älteste Videothek der Welt eröffnet — von Eckhard Baum. Als Gründungsvater der Videotheken indes gilt der US-Amerikaner George Atkinson, der 1977 in Los Angeles einen Verleih eröffnete. Ein Film kostete damals ca. 50 Dollar, wurde von Atkinson für 10 Dollar verliehen.

Wer geht da noch in eine der Videotheken, die hierzulande vor 25 Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen? In jüngster Vergangenheit immer weniger Menschen. Deshalb schlossen einige Filmverleihe, die digitale Konkurrenz ist einfach zu groß. In Greifswald gab es noch bis Anfang März zwei Videotheken. Doch die Betreiber in der Brandteichstraße legten das Geschäft aus gesundheitlichen Gründen still.

Ein Schild verweist die Kunden auf eine Filiale in Stralsund. Damit besitzt „Movies and More“ in der Hans-Beimler-Straße nun die Monopolstellung.

„Wir sind seit Juli vergangenen Jahres hier in der Hansestadt. Als es aber noch zwei Videotheken in Greifswald gab, war es nicht einfach. Nach der Schließung kam ein Großteil der Kunden zu uns“, erzählt Kerstin Arndt, Mitarbeiterin des Betriebs. Doch was bewegt Kunden, heute noch einen Film auszuleihen? „Wir haben in unserem Geschäft nicht nur DVDs, sondern auch Blurays und Spiele von Konsolen jeglicher Art“, sagt Arndt. „Des Weiteren schätzen die Kunden die persönliche Beratung sehr. Im Internet müssen die Leute sich selbst über die Filme informieren.“ Dabei sei bei den Kunden jede Altersklasse vertreten: „Es kommen Jugendliche ab 16 Jahren, Studenten, Familien und Rentner. Vermutlich kann nicht jeder etwas mit den Streamingdiensten im Internet anfangen. Viele haben auch schlechte Erfahrungen damit gemacht“, so Arndt. „Movies and More“ beschäftige aktuell sechs Mitarbeiter, darunter seien auch studentische Aushilfen. Auf einer Facebookseite präsentiert das Geschäft die Trailer neuer Spiele und Filme. „Für die Zukunft erwarten wir keine Luftsprünge, aber ein komplettes Aus sehen wir nicht“, so Arndt. Bei Thomas Kierski sieht es in seiner Videothek in Bansin auf Usedom etwas anders aus. Er betreibt den Filmverleih seit 1992, musste aber bereits zweimal umziehen. Zuletzt hatte er sein Geschäft bei einer Zahnarztpraxis und zahlte 500 Euro monatlich für Miete und Nebenkosten. Deswegen hat er seine Videothek jetzt bei sich im Elternhaus, dort muss er nur für die Nebenkosten aufkommen. „Ich finanziere mich durch Stammkunden, aktuell habe ich zwischen 40 und 50 Personen. Von dem Geschäft wird man nicht reich, deswegen lege ich einmal im Monat im ‘Hühnerstall‘ als DJ auf“, erzählt Kierski. Er verleihe ausschließlich DVDs. Blurays habe er vor vier Jahren ausprobiert, doch es lohne sich nicht: „Da muss ich die Filme doppelt kaufen“, so Kierski.

Sein Geheimrezept ist die Erotikecke: „Hätte ich die nicht, hätte ich den Laden vor fünf Jahren dichtmachen können.“ Seine Kundschaft bestünde hauptsächlich aus über 50-Jährigen, Jugendliche kämen kaum. „Die Nähe zu Polen ist ein weiteres Problem. Für fünf Euro bekommt man da einen Film in schlechter Qualität, aber viele nehmen das in Kauf“, ärgert sich der 61-Jährige. Es sei vor allem schwierig, alle Genres im Laden zu haben und ständig neue Filme zu beschaffen.

Eine DVD koste bei ihm pro Tag 2,50 Euro, „Movies and More“ verlangt 2,75 Euro für zwei Tage. „Die Zukunft ist nicht rosig, aber ich mache das noch ein paar Jahre. Es ist auf jeden Fall wichtig, monatlich viele Filme zu kaufen, und das werde ich tun“, resümiert Kierski.

Von Laura Weigele

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