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Greifswald In Gristow bei Greifswald lebt der Dorfladen weiter
Vorpommern Greifswald In Gristow bei Greifswald lebt der Dorfladen weiter
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12:36 11.01.2019
Heike Heimert (hier mit Bürgermeister Geert-Christoph Seidlein) hat viele Pläne für den Dorfladen in Gristow. Quelle: foto: Eckhard Oberdörfer
Gristow

Wachwechsel in Gristow. Am 31. Dezember ist Erika Ahrns mit 76 Jahren in Ruhestand gegangen. Aber es gibt weiter Brötchen, Butter oder Zeitungen im früheren Feuerwehrhaus nahe der Bushaltestelle an der Gristower Ortsdurchfahrt. Heike Heimert hat den Staffelstab im Gemischtwarenladen von Erika Ahrns übernommen. „Ich möchte ihr Lebenswerk weiterführen und entwickeln“, sagt die 49-Jährige.

Erika Ahrns hat am 26. November 1977 im zum Dorfkonsum umgebauten Laden der Konsumgenossenschaft der DDR angefangen, erzählt Bürgermeister Geert-Christoph Seidlein. Vorher arbeitete sie in Mesekenhagen. Nach der Wende habe Erika Ahrns das Geschäft weitergeführt und das Grundstück mit Laden erworben. „Es ist ihr schwergefallen, aufzuhören“, sagt der Bürgermeister. Er freut sich, dass es weitergeht. Dorfläden sind heute selten. Der im benachbarten Reinberg ist zum Jahresende geschlossen worden.

Erika Ahrns Nachfolgerin stammt aus Dresden. Dass sie nunmehr in Gristow wohnt und arbeitet, ist ihrem Partner Olaf Reich zu verdanken, der in Dranske auf Rügen geboren wurde und immer gern wieder zurück in den Norden wollte. „Ich kam 2007 auf einer Radtour nach Gristow und habe mich in das Dorf verliebt“, erzählt er. Damals lebte er noch im Taunus in Hessen. Olaf Reich erwarb ein Ferienhaus und machte mit den Kindern in Gristow Urlaub. Heike Heimert und er kennen sich schon über 30 Jahre, hatten sich aber aus den Augen verloren. Vor fünf Jahren trafen sie sich wieder, und so kam Heike Heimert 2013 erstmals nach Gristow. Der Dorfladen hat ihr von Anfang an gefallen. Im Januar 2018 zog das Paar nach Gristow, baute das Ferienhaus um. Kurz vor dem Jahreswechsel wurde der Mietvertrag für die Gristower Immobilie unterzeichnet. Ein Erwerb mit anschließenden Investitionen in die Immobilie ist geplant.

Heike Heimert hat schon ein ziemlich bewegtes Berufsleben hinter sich. Die gelernte Straßenbahnfahrerin arbeitete nach der Wende für Autohäuser und baute dann in Dresden in 15 Jahren ein kleines Imperium im Dienste der Schönheit mit acht Niederlassungen auf. Nach dem dem Verkauf dieses Unternehmens behandelte sie Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten. Zuletzt arbeitete sie in Hessen.

Mit dem Laden hat Heike Heimert schon länger geliebäugelt. „Als wir hörten, dass Frau Ahrns abgeben will, haben wir das Projekt vorangetrieben und Ideen entwickelt“, sagt die Geschäftsfrau. „Wir wollen das Lebenswerk von Erika Ahrns fortführen und weiterentwickeln. Ein Dorf braucht einen Dorfladen als Kommunikationszentrum.“

Wir bauen beide gern, erzählt Heike Heimert. „In Hessen haben wir ein altes Fachwerkhaus ausgebaut.“ Der Gemischtwarenladen soll zum richtigen Dorfladen für alle Waren des täglichen Bedarfs werden. Ein Vorbild sei Island, ein Lieblingsferienort ihres Mannes, in dem es in den Dörfern ein Zentrum für alles gebe.

„Ich denke auch an ein Café und einen Versammlungsraum, in dem Interessierte zum Beispiel Skat oder Rommé spielen können. „Das könnte auch für den Keramikzirkel oder die Gesangsfreunde interessant sein, die sich jetzt privat treffen“, schätzt der Bürgermeister ein. Auch ihm gefällt die Idee eines Mittelpunktes fürs ganze Dorf. Als Einkaufsmöglichkeit sollte der Dorfladen Gristow, wie er künftig heißen wird, auch für die Bürger des Greifswalder Stadtteils Riems interessante sein – und für die Menschen, die in die betreuten Wohnungen der früheren Gaststätte „Waldeslust“ ziehen. Heike Heimert denkt auch an einen Lieferservice und die Möglichkeit, bestellte Waren im Laden abzuholen. Künftig soll es deutlich mehr frische Produkte geben. „Ich will ein breites Publikum erreichen“, sagt die Unternehmerin.

„Es ist aber eine Herausforderung, Lieferanten zu finden, mit denen wir den Kunden ein akzeptables Preisniveau bieten können“, schildert sie. Momentan komme die Ware aus Berlin, was von außen betrachtet schon ziemlich seltsam sei. Heike Heimert spricht darum regionale Produzenten an. „Wir fahren gern nach Poseritz zum Frühstück“, erzählt sie. Dort gibt es Hofladen und Café, ein anregendes Beispiel für Gristow.

Eckhard Oberdörfer