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Viele Meinungen und eine Bitte um Nachsicht

Viele Meinungen und eine Bitte um Nachsicht

Leserbriefschreiber teilen ihre Haltung und Einschätzung zur Arndt-Debatte mit

Infoveranstaltung ist keine Anhörung Ich bin als Fachkrankenpfleger an der Universitätsmedizin Greifswald auf der chirurgischen und kardiologischen Wacheinheit beschäftigt. Wie viele meiner Kollegen bin ich noch immer fassungslos darüber, wie die Namensablegung und Umbenennung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität zustande gekommen ist. Dieses Mal gab es keine Urabstimmung unter den Studenten. Stattdessen wurde eine Namenskommission eingesetzt und eine (!) hochschulöffentliche Informationsveranstaltung durchgeführt. Eine Woche später votierten genau die mindestens erforderlichen 24 der 36 Senatoren für die Umbenennung der Greifswalder Universität und die damit verbundene Streichung von Arndt aus dem Namen unserer Hochschule. Dieser Abstimmung im erweiterten Senat hätte eine Aussprache und Abstimmung im engeren Senat vorausgehen müssen. Eine Anhörung im engeren Senat ist nicht gleichzusetzen mit einer „Informations- und Diskussionsveranstaltung“, zu der auch die nicht-universitäre Öffentlichkeit zugelassen wurde und das Wort erhielt. Mir gehen viele Fragen durch den Kopf. Warum hat der Senat so gehandelt? Rainer Gis Vom Regen in die Traufe Unter dem „real existierenden Sozialismus“ erlebten die DDR-Bürger den Übergang von der befreienden Vision einer sozialen Gemeinschaft zum Alltag unter der Losung: „Die Partei, die Partei, die hat immer recht!“ Der Übergang in die „real existierende Demokratie“ (= Volksherrschaft) weckte neue Hoffnungen, denn laut Verfassung geht „alle Macht vom Volke aus“. Es war zu schön!

Denn schleichend, aber national und international deutlich erkennbar, entwickelt sich bereits der „real existierende Populismus“. Kleine, aber sendungsbewusste politische Gruppen verschiedener Färbung setzen sich gegen die Mehrheit politisch Andersdenkender unter Verwendung vernichtender Schlagworte wie Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus u.a. durch. Sollte man etwa eine Verfassungsänderung in „alle Ohnmacht geht vom Volke aus“ fürchten?

„Die Mehrheit der Bürger ist schon mitgenommen genug“

Entscheidungen in Greifswald folgen seit Jahren diesem Trend. Auf diese Weise kann man sich eines „unwürdigen antisemitischen Patrons“ entledigen und auf die in demokratischer Abstimmung erreichte Mehrheit verweisen. Unser Wahlsystem lässt das sogar zu: Wenn von 100 Wahlberechtigten nur zehn Personen zur Wahl gehen und von diesen wiederum sechs Wähler eine bestimmte Person (siehe oben) abwählen, dann haben sie die „Wahlmehrheit“ von 60 Prozent. Selbst die Parteien erkennen diese Fehlentwicklung und möchten ab jetzt „die Bürger mitnehmen“. Bitte nicht: die Mehrheit der Bürger ist schon mitgenommen genug! Darum sollten alle, die mit den auf populistischer Basis erreichten Abstimmungsergebnissen unzufrieden sind, bei künftigen Wahlen für glaubwürdige demokratische Mehrheiten sorgen.

Dr. Uwe Kerstan, Greifswald Der Universität wird Schaden zugefügt

Fast 40 Jahre – davon 26 Jahre als Hochschullehrer – habe ich für die Universität gearbeitet, bin seit 1995 Rentner und nun fassungslos, welche Wertschätzung Ernst Moritz Arndt durch die Philosophische Fakultät in der Festschrift zur 550-Jahrfeier – leider erst am 28. Januar 2017 gelesen – erfahren hat. Von den vielen zu würdigenden Facetten und den wenigen kritikwürdigen Seiten des gesellschaftlich so aktiven Ernst Moritz Arndt fand der Autor des Beitrages in der Festschrift nur eine einzige Aussage für mitteilenswert, die man unschwer nur so deuten kann: Ernst Moritz Arndt war der Prophet des Nationalsozialismus. Eine derartige „Wertschätzung“ von Ernst Moritz Arndt bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Meinungsbildung und Verhalten von Studenten, Professoren und Mitarbeitern, die sich nicht umfassend über Ernst Moritz Arndt informiert haben.

Laut Beitz könne die Uni auf Arndt stolz sein

Zwischen 1982 und 1987 hatte ich mehrfach Gelegenheit zu Gesprächen mit Berthold Beitz, dem Ehrendoktor und späteren Ehrensenator und Förderer unserer Universität. Bei Gesprächen vor dem Rubenow-Denkmal betonte er immer wieder, wie stolz die Universität auf solche Persönlichkeiten wie Johannes Bugenhagen und Ernst Moritz Arndt sein kann.

Unsere Universität genießt national, international und in der Region hohes Ansehen. Man denke auch an die weltweit anerkannten und gewürdigten Leistungen der Forschungsgruppen um Prof. Dr. Michael Hecker und um Prof. Dr. Michael Succow sowie die Grundlagenforschung der Plasmaphysiker.

Gegenwärtig wird dem Ansehen der Universität durch den angezettelten Streit um Ernst Moritz Arndt Schaden zugefügt. Das Zustandekommen des Senatsbeschlusses vom 18. Januar 2017 muss tiefgründig hinterfragt werden.

Ich bitte Frau Prof. Dr. Johanna Weber: Setzen Sie sich als Rektorin unserer traditionsreichen Universität dafür ein, dass die Namensänderung verhindert und dem Ansehen unserer Universität kein weiterer Schaden zugefügt wird.

Prof. Dr. Günter Wegner, Greifswald Werden Traditionen ignoriert?

Als langjähriger Greifswalder und jetziger Rentner, der zu DDR-Zeiten in der Stadt am Bodden an der  „Ernst-Moritz-Arndt-Universität” studierte und den akademischen Grad eines Diplom-Historikers erwarb, muss ich mich ebenfalls zu Wort melden. Ich bin auf mein Studium an der hiesigen Hochschule stolz, denn ich hatte hervorragende Hochschuldozenten, die als Geschichtswissenschaftler nationale und internationale Anerkennung besaßen. Dabei erinnere ich mich gern an die Professoren Johannes Schildhauer, Konrad Fritze, Manfred Menger oder Martin Richter. Mir ist nicht in Erinnerung, dass wir jemals während unseres Studiums in Seminaren und anderen Lehrveranstaltungen derart unsinnige Debatten geführt beziehungsweise uns bei strittiger Thematik so infam hochgeschaukelt hätten, wie das derzeit beim Namenspatron unserer Universität der Fall ist.

Es erhebt sich bei mir die Frage, ob unsere heutigen Studentinnen und Studenten, insbesondere ihr Studierendenparlament, regelrecht Streit um des Streites willen  suchen und stur wie Alpenböcke  vehement geschichtliche Traditionen Greifswalds und Vorpommerns ignorieren? Wie anmaßend kann man noch sein oder ist es heute rechthaberischer Ausdruck einer neuen Streitkultur angehender Akademiker?

Es ist an der Zeit, vom hohen Ross herabzusteigen und die Persönlichkeit Ernst Moritz Arndt als Namenspatron in der heutigen Zeit so zu nehmen, wie sie ist. Lutz Mohr  Oberflächliches Denken ist unerwünscht Nun haben sie es endlich geschafft – diese wenigen „Kurzzeit-Greifswalder“, wenig geschichtskundig, ohne Herz für die Region, sie haben per Handstreich eine ganze Stadt gegen sich aufgebracht. Der Proteststurm kommt auch von auswärts, von Rügen und aus anderen Gebieten, ja deutschlandweit. Glückwunsch, eine grandiose Leistung!

Und es finden sich keine mit Vernunft gesegneten Verantwortlichen, die diesem unsinnigen Treiben Einhalt gebieten, einen Konsens suchen. Haben diese „Bilderstürmer“ keine anderen Sorgen als hoch anerkannte Namen auszulöschen?

77 Prozent stimmten für Beibehaltung des Namens

Die vielen OZ-Leserbriefe, die sich für den Erhalt des Namens Ernst Moritz Arndt aussprechen, zeigen die Stimmung der aufgebrachten Bürger. Die Texte sind historisch gut fundiert, klug und überzeugend geschrieben, sie bringen die Volksmeinung auf den Punkt. Alle Aspekte „Pro-Arndt" wurden mit viel Wissen und Heimatgefühl beleuchtet, und ich kann jedem einzelnen Brief für Arndt nur uneingeschränkt zustimmen. Ausgezeichnet – die besten Leserbriefe seit langem! Übrigens: Laut einer OZ-Online-Umfrage sind 77 Prozent der Abstimmenden für die Beibehaltung des Namens Ernst Moritz Arndt für unsere Universität. In unserer Bevölkerung ist ein oberflächliches, nur vom fehlinterpretierten Zeitgeist bestimmtes Denken nicht erwünscht. Die Menschen hier möchten nicht fremdbestimmt etwas hinnehmen, was sie nicht akzeptieren. Sie haben Achtung vor der Geschichte ihrer Region, ihrer Heimat, und sie erwarten diese Achtung auch von den „Gästen" unserer Stadt. Dazu noch etwas Satire – seit Böhmermann ist ja alles erlaubt – fürs Stammbuch der „Abschaffer“ des Namens EMA: Ein kluger Mann hat sinngemäß gesagt: Schon immer hatten Besetzende den Drang, den anderen Kultur beizubringen. Leider erwies sich das als großer Irrtum!

Und dann habe ich ja noch eine Befürchtung: Der bekannte Schriftsteller und Dramatiker Rolf Hochhuth (West) schrieb nach der Wende „Wessis in Weimar – Szenen aus einem besetzten Land“. Sehr lesenswert übrigens. Vielleicht kommt Hochhuth nun auf die Idee, die Fortsetzung zu diesem Werk über Greifswald und seine Provinzposse(n) zu schreiben?!

Ich sage nur – Vorsicht!

 

Dr. Annerose Schulz

Das Manöver ist eine Ablenkung Die Wogen schlagen hoch – und das berechtigt. Eine Gruppe der Leitung der Ernst-Moritz-Arndt- Universität Greifswald – voran die Senatsvorsitzende und die Rektorin – berufen sich auf eine Stimmenmehrheit in dem Bemühen, den Namen Ernst-Moritz Arndt aus dem „Titelbild“ der Universität Greifwald zu tilgen. Die Begründung ist unverantwortlich, absolut undemokratisch und beruht auf einer völlig falschen und einseitigen Geschichtsbetrachtung.

Die Mehrheit hat sich zuletzt 2009/10 demokratisch für die Beibehaltung des Namens entschieden. Die jetzige „Initiative“ ist also eine absolute Respektlosigkeit gegenüber der demokratischen Mehrheit.

Ablenkung von der Unfähigkeit, Leistung zu erbringen.

Und nun wird laut Presse von den Initiatoren der Namenstilgung – voran sowohl die Rektorin als auch die Senatspräsidentin – argumentiert, der Name Ernst-Moritz Arndt erschwere „die Anwerbung internationaler Studenten und Wissenschaftler sowie die Vermarktung der Universität als Ort fortschrittlicher Wissenschaft“. Das ist eine Tonart, wie wir sie aus zwei vorausgegangenen Diktaturen kennen – Ablenkung von der eigenen Unfähigkeit, Leistung zu erbringen. Nur Spitzenleistungen in Lehre und Forschung sowie in der medizinischen Versorgung ziehen Studenten und Wissenschaftler an und nicht eine schwatzhafte Universitätsleitung. Sollte ausgerechnet Arthur Koestler der Leitung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität eine Lektion wie einst erteilen: „Der Intellektuelle in unserer Zeit ist ein politischer Neurotiker. Er trägt einen Eisernen Vorhang in seinem Schädel.“

Kleingeist und Dogmatismus charakterisieren wieder das Leben an der Universität. Das ganze Manöver ist eine Ablenkung vom Hauptproblem. Die wirtschaftliche Lage der Universität ist prekär.

Ernst Moritz Arndt ist in seiner Zeit zu sehen. Traditionspflege bedeutet nicht Aufbewahren der Asche, sondern Forttragen der Flamme (Ursprung des viel zitierten Satzes bei T. Morus). Arndt hat ein wenig Asche hinterlassen, mehr jedoch ein deutliches Signal der Flamme gesetzt – und darauf kann auch die Universität Greifswald noch stolz sein und sollte seinen Namen mit Würde tragen. Die Lektüre des Vortrages von Prof. Dr. J. Lege vom 11. Januar des Jahres sowie die Stellungsnahmen ehemaliger Amtsträger (Prof. Dr. J. Kohler, ehemals Rektor, Prof. Dr. O. A. Festge, ehemals Prorektor für Medizin und Prof. Dr. M. J. Matschke, Vorgänger der jetzigen Senatspräsidentin), seien den Initiatoren der Namenstilgung empfohlen.

Und studieren sollten die Initiatoren auch einmal Martin Luther. Wollen sie die Reformation ebenfalls abschaffen und zur katholischen Kirche des Mittelalters zurückkehren als es demokratische Regeln noch gar nicht gab? Und bewerten sie auch Goethe in jedem seiner Sätze? Die Initiative der Arndt-Gegner ist verantwortungslos gegenüber der Geschichte und hinterlässt einen Imageschaden. Extrem linkes und extrem rechtes Gedankengut ist rein populistisch und schadet der akademischen Freiheit.

Prof. Dr. Dr. Karl O. Kagel, Lübeck Arndt muss weiter leuchten Zu dem Pommer Ernst Moritz Arndt haben wir hier in Greifswald und Vorpommern eine besonders emotionale und enge Bindung. Er war uns als Patriot und Freiheitskämpfer eine Identifikationsperson von hoher Symbolkraft und nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen der Menschen verankert. Diese lobenswerte Haltung wird von einigen nicht immer gleich erkannt und noch weniger verstanden. Den Fanatismus, mit dem gegen Arndt protestiert wird, kann ich nur als Spätfolge der Ideologie der 1968er Bewegung verstehen. Prof. Kohler gab eine kurze, plausible Erklärung für die starren Fronten: Kulturcrash.

In West und Ost gibt es eine unterschiedliche Arndt-Rezeption (vergl. zahlreiche Beiträge in der gesellschafts- und sprachwissenschaftlichen Reihe der EMAU). Man hat sich hier mit Arndt immer wieder befasst, ihn zu verstehen versucht und nicht einfach verteufelt. Im Westen wurden sein Juden- und Franzosenhass betont, der aber seine Wurzeln in bestimmten historischen Konstellationen hatte. Auch Rabbiner William Wolff (Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der EMAU seit dem 25.Oktober 2006) sieht keinen Grund zur Ablegung des Namens der Uni. Im Osten war Arndt ein Kämpfer für Demokratie, Freiheit und vor allem auch für die Einheit Deutschlands („das ganze Teutschland soll es sein“, 1813) Mit diesen hohen Zielen war er für uns in dunklen Zeiten ein heller Stern, den man nicht so einfach untergehen lassen darf. Arndt muss weiter leuchten!

Reinhold Butter, Greifswald Übt Nachsicht

Übt Nachtsicht, ihr jungen Leute von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, und lasst uns Alten mit Ernst Moritz Arndt etwas von dem Wenigen, was uns von Pommern geblieben ist.

Karl-Heinz Schultz, z. Zt. in Bergen

OZ

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