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Greifswald Vom Glanz des Kulturbundes

In besten Zeiten hatte die „kulturelle Massenorganisation“ in Greifswald 1200 Mitglieder

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Der exzellente Kenner der Greifswalder Geschichte Otto Peters (links) und Kurt Wulf waren auch nach der Wende im Kulturbund aktiv.

Quelle: Foto: Archiv Wulf

Greifswald. Der Kulturbund war zu DDR-Zeiten nicht aus Greifswald wegzudenken. Die kulturelle Massenorganisation, wie das im DDR-Deutsch hieß, gab es seit dem 8. August 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone. Erster Vorsitzender des „Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“, später „Kulturbund der DDR“, war der Schriftsteller Johannes R. Becher.

In Greifswald war die Organisation außerordentlich erfolgreich. Kurt Wulf war 63 Jahre im Kulturbund und an die 30 Jahre Vorsitzender der Greifswalder Organisation. Es gab alleedings Unterbrechungen, da war Wulf Stellvertreter des Germanistikprofessors. „Ich war ebenfalls Mitbegründer der Ortsgruppe in Reinkenhagen im Kreis Grimmen“, erzählt Wulf.

Als die Geschichte des Greifswalder Kulturbundes 2008 endete, hatte der Kulturbund e.V. noch etwa 30 Mitglieder. Dieser Verein führte ab 1990 die Arbeit fort. In besten Zeiten gehörten dem Kulturbund bis zu 1200 Hansestädter an. Sie engagierten sich 1989 in 36 Arbeitsgruppen, Gesellschaften und Freundeskreisen. Die Spanne reichte von Aquarianern über Denkmalpfleger bis zu Numismatikern und Philatelisten. Dank der Publizierung alter Stadtansichten durch Willi Möhr in der OZ waren die Ansichtskartensammler sehr öffentlichkeitswirksam, erzählt Wulf. „Die Plattdeutschen um Hilde Schacht sorgten mit dafür, dass die niederdeutsche Tradition lebendig blieb.“

In der Interessengemeinschaft Heimatgeschichte mit dem Vorsitzenden Jörg Scheffelke wurden bereits in den 1980er Jahren Weichen zur Vorbereitung der 750-Jahre-Feier gestellt. Annelise Pflugbeil, die mit ihrem Mann Hans die Bachwoche ins Leben rief, engagierte sich im Kulturbund für Musik. Kurt Wulf war für die Literatur aktiv und organisierte Filmgespräche. Er trug auch eigene Texte vor. Bis heute ist der Lehrer im Ruhestand ein gefragter niederdeutscher Autor. Foren zur Diskussion über aktuelle Tagesereignisse fanden statt. „Der Kulturbund war immer meine geistige Heimat“, sagt Kurt Wulf. Ihm sei es darum gegangen, Menschen mit Kultur vertraut zu machen.

In der Universitätsstadt bestand neben dem Kulturbund ein Intelligenzklub. Er trug den Namen des Greifswalder Bürgermeisters und ersten Unirektors Heinrich Rubenow. „Wir luden uns zu den Hauptversammlungen ein“, erinnert sich Wulf. Er saß dann neben Prof. Hanns Schwarz, dem ersten Vorsitzenden des Rubenowclubs. „Am Klavier improvisierte Prof. Krauß. Er spielte sehr lange. Hanns Schwarz wurde ungeduldig und kommentierte: ,Allzu krauß ist ungesund.‘“ Worauf Kurt Wulf erwiderte: „Man sollte nicht zu schwarz sehen.“ Was den Professor amüsierte, der zwar gern austeilte, aber auch einstecken konnte.

Der Kulturbund bekam zunächst Räume im Obergeschoss des Logenhauses Am Mühlentor (damals Teil der Straße der Freundschaft, heute Gaststätte „Humboldt“). Das Gebäude war zugleich Clubhaus der Universität (CdU), bevor es in das Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft umfunktioniert wurde. Anfang der 1980er zog der Kulturbund in die Fischstraße 11. Nach der Wende gestattete die Treuhand die weitere Nutzung unter einer Bedingung: Es mussten Einnahmen erwirtschaftet werden. „Das gelang durch Vermietung an einen Bildungsträger“, erzählt Kurt Wulf. Kultursenator Jürgen Drenckhahn sorgte für die Aufnahme eines Nießbrauchrechts (unveräußerliches, nicht vererbliches Nutzungsrecht) in den Vertrag für den Kulturbund. 2008 war Schluss. Der Kulturbund wurde im Vereinsregister gelöscht.

2000 Euro der noch vorhandenen Mittel wurden nach dem Ende dem Pommerschen Landesmuseum für die Restaurierung einer Zeichnung von Caspar David Friedrich gestiftet.

Eckhard Oberdörfer

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