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Greifswald Vom Wunderkind zum Macher: Hansegeschichtler geht von Bord
Vorpommern Greifswald Vom Wunderkind zum Macher: Hansegeschichtler geht von Bord
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00:05 01.09.2016

Horst Wernicke ist in Greifswald geboren und Pommern bis heute treu geblieben. Gestern wurde der Professor für mittelalterliche Geschichte und Hansegeschichte an der Universität Greifswald 65 Jahre alt. Hier hatte er 1970 bis 1974 Geschichte und Geographie auf Lehramt studiert, hier schrieb er seine Doktorarbeit, habilitierte sich und wurde 1992 schließlich zum Professor berufen.

Freunde, Weggefährten und Schüler ehrten den vierfachen Vater in einem akademischen Festakt. Wernicke gilt als einer der Heroen der aktuellen Hanse-, Landes- und Regionalgeschichtsforschung in MV.

Davon zeugen zahlreiche Funktionen.

Der heute in Wackerow lebende Hochschullehrer ist seit 2013 Vorsitzender der Historischen Kommission für Pommern. Er sitzt im Vorstand des Hansischen Geschichtsvereins und ist Herausgeber der Greifswalder Historischen Studien. Ihm sei auch maßgeblich die Einrichtung und Gestaltung der ständigen Kommission der Historiker des Ostseeraums zu verdanken, stellte der Stettiner Universitätsrektor Edward Wlodarcyk in seinem Grußwort fest. 2000 gab Wernicke zudem die Festschrift zum 750. Jahrestag der Verleihung des Stadtrechts an Greifswald heraus, um ein weiteres Beispiel seines umfangreichen Wirkens zu nennen. Und mehrere Jahre war er Vorsitzender des Landesheimatverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

Nach dem Wintersemester 2016/17 wird Horst Wernicke emeritiert. Nach ihm wird es keinen professoralen Hansehistoriker mehr geben. Die Weichenstellung dafür erfolgte schon vor zehn Jahren. Das Historische Institut verlor ferner die Lehrstühle für pommersche Landesgeschichte und Ur- und Frühgeschichte. Der Lehrstuhl für Allgemeine Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften ist seit 2014 nicht besetzt. Die neue Frau/der neue Mann soll die Hansegeschichtsforschung fortführen, erklärte der Dekan der Philosophischen Fakultät, der Professor für Geschichte der neuesten Zeit Thomas Stamm-Kuhlmann. Er sei sicher, dass das gelinge. Die Ostseeraumforschung bleibe ein Markenzeichen der Fakultät.

Der Direktor des Historischen Instituts, der Neuzeithistoriker Michael North, lernte Wernicke vor über 30 Jahren bei der Arbeit an einer Bibliographie kennen. 1989 trafen sie sich bei einer Konferenz erstmals persönlich. Als langjähriger Direktor habe Wernicke dafür gesorgt, dass der „Übergang vom Sozialismus zum Kapitalismus vergleichsweise gut gelungen“ sei. Die Fehlentwickungen im Bereich der pommerschen Geschichte habe dieser nicht zu verantworten. Vielmehr habe Wernicke dafür gesorgt, dass die Pommerngeschichtsforscher stets betreut wurden.

Die Laudatio auf Wernicke hielt Nils Jörn, einer der fünf Herausgeber der über 700 Seiten starken Festschrift. Er rühmte das Greifswalder Institut, an dem er selbst 1986 sein Studium begonnen hatte, als Forschungsstätte von internationalem Rang. „Für die wacheren Studenten von uns öffnete sich in Greifswald ein Fenster in die Welt“, sagte er. Nach 1990 sei Wernicke Ideengeber, intellektueller Antreiber, Geldbeschaffer und Verwaltungsprofi gewesen. Aus dem Wunderkind, das er 1986 kennengelernt hatte, war der Macher geworden.

Eckhard Oberdörfer

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