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Von Wutbürgern, Wissenschaft und Ossi-Wessi-Diskussionen

Von Wutbürgern, Wissenschaft und Ossi-Wessi-Diskussionen

Die Entscheidung der Universität zu Ernst Moritz Arndt bewegt die OZ-Leser

Arndtdebatte – ein zweifelhaftes Lehrstück Kein vernünftiger Mensch kann Ernst Moritz Arndt in Bausch und Bogen ablehnen. Das tun selbst die Arndtgegner nicht. Sein Bekennermut ist ja beispielgebend! Für eigne Vorstellungen bis zur physischen und materiellen Benachteiligung einzutreten, verdient uneingeschränkt höchste Anerkennung! Eine derartige Facette von Edelmut darf einen würdigen Platz im großen Moralbuch der Menschheit beanspruchen und gehört zu ihrem Weltkulturerbe. Aus welcher Ideologie speisen die Gegner ihre Hybris, bei Arndt in Geringschätzung des historischen Kontextes den moralischen Holzhammer aus heutiger Sicht auf seine Schwächen niedergehen zu lassen? Sollen doch diejenigen, die sich jetzt wegen Arndt schämen, einen eigenen Bekennermut aufbringen und sich von der Alma Mater Gryphis Waldensis Ernst-Moritz-Arndt zurückziehen!

Man schiebt vor, dass Arndt ein Sudelname sei, der das Einwerben von Studenten und Wissenschaftlern aus dem Ausland behindere und gegen einen Anspruch von Weltoffenheit stehe. Zeige man einen Studenten oder Wissenschaftler, der bisher dadurch abgeschreckt war. Das fällt wohl sehr schwer! Solche braucht man auch nicht, weil sie ja ohne ernsthaftes Nachdenken und der Wissenschaft verpflichtete Analyse ein oberflächliches Urteil gefällt hätten. Windige Gesellen hat man schon im Übermaß! Für die vermeintliche Arndtsche Negativbilanz hinsichtlich der Zustimmung zu unserer Hochschule ist das Gegenteil belegbar, zumindest in Sachen des Franzosenhasses und des Kampfes gegen die Leibeigenschaft!

Die Universitätsleitung hätte die studentische Initiative zum erneuten Versuch, den Namen Arndt loszuwerden, damit begleiten müssen, an einer wissenschaftlichen Einrichtung zu allererst dafür wissenschaftliche Standards für notwendige Erhebungen einzufordern. Die Erhebungen müssten für die tiefgreifende Veränderung eine Bilanz des Nutzens und des Schadens vorlegen. Das beträfe sowohl die finanzielle Seite als auch die gesellschaftlichen Wirkungen. Hier hätte Besonnenheit hergehört! Welche Schritte sind von der Universitätsleitung diesbezüglich erfolgt? Man beklagt die eingetretene Unruhe, die über den Universitätsrahmen hinaus auch die Stadt erfasst. Ist die Unruhe verwunderlich? Man schmückt sich doch mit dem Attribut „Universitäts- und Hansestadt“. Es heißt weiter: Der Name spaltet! Wer hat den Samen der Spaltung und des Aufputschens gesät? Das sind nicht die Arndtbefürworter, es sind eindeutig die Arndtgegner. Man lobt den Mut der studentischen Heißsporne für ihr demokratisches Verlangen. Sie tilgen angeblich eine Altlast. Sie bürden aber zumindest eine Junglast auf. Und wen nehmen sie dabei in Haftung? „Sie lernen uns jetzt Moritz“, um dieser Tragödie eine satirische Note beizugeben. Die Rektorin hat zur Besonnenheit aufgerufen. Dieser Appell verdient allseitige Zustimmung! Er hätte schon eher vor dem bloßen Gewährenlassen einsetzen müssen. Außerdem haftet dem ganzen Verfahren ein Geschmäckle von Pseudodemokratie an! Ist ein brandeiliges Weiterreichen des Senatsbeschlusses an das Kultusministerium ohne sorgsame Prüfung auf eventuelle juristische Hürden ein Zeichen für Besonnenheit?

Prof. Jürgen Flachsmeyer Viele Fragen zur Namensdebatte Die ironische Bemerkung eines Angehörigen der Luther-Universität Halle über die kleinkarierte Provinz-Universität Greifswald, die von einer Minderheit diktiert werde, gibt mir Anlass, nochmals die Verfahrensweise kritisch infrage zu stellen. Gibt es an der Universität Greifswald eine gültige und eine ungültige, eine genehme oder unangenehme Demokratie? Warum werden nach kurzer Zeit die auf größerer Basis beruhenden Abstimmungen und Beschlüsse der Vorjahre ignoriert? Es erhebt sich weiterhin die Frage, warum die Arndt-Gegner bei ihrem Unwillen gegen den Namen in Greifswald lehren bzw.

studieren, wo es doch viele andere Universitäten gibt.

Mit angeheizt haben die Arndt-Debatte und die Senatsabstimmung bestimmt studentische Senatoren, deren lächerlich geringes (unter zehn Prozent liegendes) Wahlergebnis ihre Legitimation, für die Studentenschaft zu sprechen, infrage stellt.

Offiziell debattiert wurde 2017 nur einmal im „stillen Kämmerlein“. Eine so weitreichende Entscheidung muss von der Mehrheit der Universität getragen werden, alle leben und arbeiten unter dem Namen.

Warum keine Befragung aller Universitätsangehörigen? Die Universität ist zutiefst mit der Stadt Greifswald verbunden. Warum steht sie nicht zu der mit der Bürgerschaft geschlossenen Vereinbarung? Die weitreichenden Reaktionen zeigen die Bedeutung der Namensentledigung für Stadt und Region.

Passiv verhält sich die Rektorin, die unbeeindruckt von der Protestflut (und auch von der Kritik der Bundeskanzlerin) sich hinter Regularien „versteckt“. Sie darf und kann sich bei dem abgelaufenen pseudodemokratischen Vorgehen nicht um ihre Verantwortung für die gesamte Universität drücken und sollte die Schädigung des Betriebsklimas verhindern. Für ein Veto und ein Überdenken ist es noch nicht zu spät. Das trifft auch für die Kultusministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu.

Hartmut Schmidt, Greifswald Patriotisches

Engagement Ich selbst habe von 1967 bis 1972 in Greifswald Biologie studiert und die EMAU für mich als eine „alma mater“ im wahrsten Sinne dieses Begriffes erlebt, der ich neben meiner fachwissenschaftlichen Ausbildung ganz wesentliche kulturelle und geistige Impulse für mein ganzes späteres Leben verdanke.

Entscheidend dafür war aus heutiger Sicht neben der fast familiären, überschaubaren, sehr gut in die Region eingebundenen Situation noch bis 1989 eine Atmosphäre, durch die sich die EMAU von anderen, als „rote Unis“ bezeichneten Universitäten ( z. B. Leipzig, Berlin, Rostock ) auf dem Gebiet der DDR deutlich abhob und deshalb Anziehungspunkt für viele um ihre geistige Selbstständigkeit bemühte, freiheitlich denkende Studenten aus der DDR war.

Der Namenspatron Ernst Moritz Arndt war wegen seines patriotischen Engagements gegen Fremdherrschaft, Staatswillkür und Ausbeutung zur Zeit der antinapoleonischen Befreiungskriege ein wichtiges, diese Freigeistigkeit repräsentierendes Identifikationssymbol für die Studenten, die Angehörigen des Lehrkörpers und die Mitarbeiter der Universität, die „mit der Faust in der Tasche“ die alltägliche Konfrontation mit den hinreichend bekannten Verhältnissen in der DDR für sich zu verarbeiten hatten.

Die besonders innige Verbundenheit zu i h r e r alma mater hatte darin eine wesentliche Grundlage, denn die vielen Parallelen zwischen dem patriotischen Werk von Ernst Moritz Arndt zu den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen in der DDR unter sowjetischer Besatzung lagen auf der Hand.

Dass die gewiss nicht zimperlichen Zensoren der DDR, denen diese Zusammenhänge nicht verborgen blieben, hier nicht schon mit eisernem Besen gekehrt haben, erklärt sich vor dem Hintergrund seiner bis heute nachwirkenden und unumstrittenen Gesamtlebensleistung (u. a. maßgebliche Mitwirkung im Umfeld des Freiherrn v. Stein an den Agrarreformen, die zur Abschaffung der Leibeigenschaft Landbevölkerung führten).

Gerd Schumann So schafft man Wutbürger Meine eigene wütende Fassungslosigkeit über die sogenannte „demokratische Abwahl“ von Arndt sehe ich in allen Gesprächen mit ehemaligen EMAU-Studienkollegen, meinen Freunden und auch meinen Patienten bestätigt. Eine Handvoll zugereister Studenten und Professoren zerstört mit ihrem linkspopulistischen Aktionismus die in Jahrzehnten gewachsene, bisher sehr enge Verbundenheit der Bevölkerung in Vorpommern mit ihrer Ernst-Moritz-Arndt-Universität. So spaltet man und schafft Wutbürger! Daneben hat die für das Zusammenwachsen Deutschlands und den sozialen Frieden so schädliche Ossi-Wessi-Diskussion wieder Auftrieb erhalten, und zwar einen ganz gewaltigen! Versuchen wir gemeinsam, die Ablegung des Namens unserer EMAU doch noch zu verhindern!

Dr. Angela Krüger, Greifswald Widerspruch gegen die Umbenennung Nach vorherigen erfolglosen Versuchen konnte der Senat der Uni Greifswald nun mit geeigneter personeller Zusammensetzung beschließen, den traditionellen Namen „Ernst Moritz Arndt“ für die Universität Greifswald abzulegen. Ich möchte mich sehr entschieden gegen dieses grundlose Vorhaben aussprechen.

Horst-Günter Rottenbacher, Hamburg Votum von 2010 war basisdemokratisch Es ist unglaublich, was sich da derzeit in meiner früheren Heimatstadt abspielt! Noch steht ja auf der Internetseite der Uni „Ernst Moritz Arndt Universität“, aber es hat sich auch bis hier an den Hochrhein, 1100 Kilometer entfernt, herumgesprochen, wie in Greifswald Demokratie gelebt wird: Man stimmt so lange ab, bis das angestrebte Ziel einiger intoleranter Dogmatiker erreicht wird.

Jetzt verlangt man, das „demokratische“ Votum anzuerkennen, dachte aber selbst nicht daran, eben genau dies zu tun und das basisdemokratische Ergebnis von 2010 für den Namen „Ernst Moritz Arndt“ zu akzeptieren.

Auf ihrer Internetseite appelliert die Uni gegen Fremdenfeindlichkeit, das ist gut so, aber warum ist der Senat dann mehrheitlich inländerfeindlich und hetzt gegen einen Deutschen, einen pommerschen Landsmann aus der Region, der sich zu seiner Zeit bei allen Fehlern und Schwächen sehr verdient gemacht hat, zum Beispiel für die deutsche Einheit, für die Aufhebung der Leibeigenschaft, für die Pressefreiheit und gegen die französische Besatzung? Wo bleibt da die Toleranz, die sonst immer so lautstark gefordert wird?

Dr. Hartmut Venz, Küssaberg Rosen schmückten Grabstein von Rütz In der OZ wurde berichtet, dass die am Rubenowdenkmal abgelegten Blumen nach wenigen Stunden verschwunden waren. Diesbezüglich kann ich nichts sagen. Mir ist aber am Dienstag morgen auf meinem Arbeitsweg aufgefallen, dass sehr viele einzelne Rosen auf der Gedenkplatte für Herrn Rütz an der Mensa liegen. Immer wenn ich seitdem vorbeigekommen bin, sind mir die vielen Blumen erneut aufgefallen. Nachdem ich Ihre Info und das Foto gesehen habe, bin ich mir über die Herkunft der Blumen ziemlich sicher. Ich finde das sehr geschmacklos. Gunnar Wiedemer Entscheidung des Senats war richtig Nachdem ich diese „Debatte“ sowohl online wie offline in den verschiedensten Medien zur Meinungsäußerung verfolgt habe, kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass die Entscheidung des Senats der Universität Greifswald richtig war. Diesen Eindruck untermauern alle, die sich für den ehemaligen Patron aussprechen und dabei die Grundregeln jeder respektvollen und demokratischen Diskussionskultur vermissen lassen. In genau diesem antidemokratischen Geiste wurde Ernst Moritz Arndt zweimal zum Namenspatron erhoben. Gut, dass diese unsägliche Tradition nun ein Ende gefunden hat, auch wenn die letzten Zuckungen der Ewiggestrigen uns noch einige Wochen begleiten werden. Immer wieder wird von den Gegner der Umbenennung der Universität der historische Kontext als Argument für Arndt angebracht. Der Kontext der Namensgebung sind zwei Unrechtsregime, die Arndt jeweils für ihre menschenverachtenden Ziele instrumentalisierten. Gut, dass diese unsägliche Tradition nun ein Ende gefunden hat.

Peter Harz, Greifswald

Hohn für Millionen im Weltkrieg Gestorbene „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte“ (Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich um ein Zitat des jüdischen Malers Max Liebermann) – nutzte in der OZ ein Befürworter des Namenspatrons EMA. Das ist der blanke Hohn und eine bodenlose Ungerechtigkeit den Millionen von Toten gegenüber, die durch den von Deutschland ausgegangenen Weltkrieg und die industrielle Massenvernichtung gestorben sind. Der historische Kontext, der für Arndt immer wieder bemüht wird, wird hier derart missachtet, dass die Vorzeichen des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte umgedeutet und so verdreht werden, dass einem wirklich schlecht werden kann. Schämen Sie sich!

Wenzel Hackrdoch, Greifswald Demokratische

Entwicklung bewahren Ernst Moritz Arndt gehört zu den Leitfiguren der über 200-jährigen Bewegung für die Einheit Deutschlands. Deshalb ist die Diskussion über die Persönlichkeit weder verantwortungsvoll noch zeitgemäß.

Diese Bewegung, die damals zur Überwindung des kleinstaatlichen Denkens und der unvorstellbaren Rückständigkeit in den circa 39 Kleinstaaten in diesem Land entstand, hat einen langen und schwierigen Weg hinter sich. Sie hat bis heute keinen zufriedenstellenden Abschluss gefunden.

In diesem bis 1990 gespaltenen Land mit seinen 16 Bundesländern fehlen weiterhin eine einheitliche Bildung, soziale Gerechtigkeit einschließlich einer Bürgerversicherung und nun besonders auch eine einheitliche Sicherheitspolitik. Nur der Weg des einheitlichen Deutschlands kann ein Segen für dieses Land, besonders aber auch für Europa sein. Wer diese demokratische Entwicklung in unserem Land nicht weiterhin beschädigen will, sollte endlich die Angriffe auf die Väter dieser Entwicklung unterlassen.

C. D. Sabadil Wem nützt diese Entscheidung?

Jede Generation versucht sich ein Denkmal zu setzen, das ist legitim. Die Entscheidung der Namensstreichung finde ich persönlich nicht gut. Es geht die Identität einer Stadt, ihrer Menschen und derer, die dort gearbeitet oder studiert haben, verloren. Sentimental? Das muss jeder für sich entscheiden! Wem nützt diese Entscheidung? Rudolf Petershagen war beteiligt an der Besetzung der Tschechoslowakei. Er kämpfte auf dem Balkan, nahm am Russlandfeldzug teil. In Greifswald gibt es eine Straße seines Namens. Hoffentlich weiß das keiner derer, die sich an dem Namen „Ernst Moritz Arndt“ gestört haben. Stefan Schulz

OZ

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Bergen
Katharina Venz-Weiße leitet das Arndt-Museum in Garz. Dort will man möglichst viele Facetten aus dem Leben des Insel-Sohns zeigen.

Auf Rügen werden Straßen und Einrichtungen auch weiterhin den Namen Ernst Moritz Arndts tragen. Eine Debatte über eine Umbenennung - wie sie derzeit in Greifswald an der dortigen Universität geplant ist - gibt es auf der Insel nicht.

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