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Greifswald Vor 70 Jahren wurde die SED gegründet
Vorpommern Greifswald Vor 70 Jahren wurde die SED gegründet
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00:00 02.05.2016
Greifswald

Am 21. und 22. April vereinigten sich die SPD und die KPD der sowjetischen Besatzungszone und der damals von UdSSR, Großbritannien, Frankreich und den USA regierten Stadt Berlin in der Deutschen Staatsoper zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands.

Ob das ausschließlich eine Zwangsvereinigung unter dem Druck der UdSSR war oder ob Freiwilligkeit in gewissem Umfang eine Rolle spielte, da sind sich die Historiker bis heute nicht völlig einig. Die Sozialdemokraten der westlichen Besatzungszonen hatten sich in Abstimmungen gegen die Vereinigung entschieden, es waren aber einige Delegierte dieser Regionen in Berlin dabei.

In der DDR wurde die Vereinigung der beiden Parteien als Lehre aus der deutschen Geschichte gepriesen. Eine „Aktionseinheit der Arbeiterklasse“ hätte womöglich den Nationalsozialismus verhindern können, so eine immer wieder genannte Argumentationslinie. Das hätten Kommunisten und Sozialdemokraten jetzt begriffen.

In der Chronik der Greifswalder Kreisparteiorganisation der SED werden indes alle Konflikte auf dem Weg zur Einheitspartei ausgeblendet. Gegenstimmen kommen dort nicht zu Wort. Die zeitliche Abfolge lässt sich aber gut nachvollziehen.

Am 11. Juni 1945 beantragten Hugo Pfeiffer (ein wichtiger Akteur bei der kampflosen Übergabe der Stadt am 30. April und zeitweise Greifswalder Bürgermeister), Wilhelm Hoppach, Julius Schröder, Paula und Herriet Pfeiffer sowie Hermann Lindgreen die Zulassung der KPD des Kreises Greifswald bei der Stadtkommandantur. Einen Tag später folgte der Antrag der SPD.

Hermann Lindgreen, nach dem zu DDR-Zeiten eine Greifswalder Schule benannt wurde, war vor 1933 KPD-Stadtverordneter in Greifswald. Als Polizeichef nach Kriegsende soll er willkürliche Verhaftungen veranlasst haben. Lindgreen war ab 1. Juli 1945 politischer Leiter des KPD-Ortsverbandes und dann hinter dem nach Greifswald geschickten Otto Sepke 2. Sekretär der KPD-Kreisleitung.

Ab dem Herbst 1945 wurde in Greifswald und Umgebung für die Vereinigung der Sozialdemokraten und Kommunisten getrommelt. Es gab Schulungen, Kundgebungen und Arbeitsgemeinschaften zur Vorbereitung. Am 12. Januar 1946 fand eine gemeinsame Kreiskonferenz von KPD und SPD „Der Weg zur einheitlichen Arbeiterpartei“ statt. „In einer einstimmig angenommenen Resolution geloben die Teilnehmer der Konferenz in allen Orten des Kreises kameradschaftlich zusammenzuarbeiten und alles zu tun, damit der Kreis Greifswald bei der Schaffung einer einheitlichen Arbeiterpartei an der Spitze steht“, heißt es. Anfang Februar 1946 wurde zur Beschleunigung des Fusionsprozesses sogar ein Organisationsbüro im Haus der Einheit (Bahnhofstraße 2/3, heute Internationales Begegnungszentrum der Universität) eingerichtet.

Im März 1946 wählten die jeweils letzten Kreiskonferenzen der SPD und der KPD ihre Mitglieder für den Kreisvorstand der SED, und am 31. März tagten die Vertreter der beiden Parteien in den Hansahallen (Lange Reihe, in der DDR als Haus der Jugend und Sportler bekannt und nach der Wende abgerissen). An dieses Ereignis erinnerte an der Außenwand eine Gedenktafel. Die Delegierten beschlossen am 31. März 1946 die Vereinigung. Otto Sepke (KPD) und Walter Freese (SPD) wurden gleichberechtigte Kreisvorsitzende.

Die Mitgliederzahl der Kommunisten wird in der Chronik der Kreisparteiorganisation mit 3628 angegeben, die der Sozialdemokraten mit 3817. Freese und der Kommunist Franz Wohlgemuth (wurde noch 1946 Kurator der Universitäten Greifswald und Rostock) wurden kurz darauf Mitglieder des Landesvorstandes der SED.

Der Kenner der Greifswalder Nachkriegsgeschichte, Helge Matthiesen, hält die genannten Zahlen für die Parteimitgliedschaften für deutlich zu hoch.

Walter Freese hatte sich zuvor stark dem ausgeübten Druck zur Vereinigung widersetzt, schreibt Matthiesen, wovon in der SED-Chronik keine Rede ist.

„Die SPD-Genossen wussten 1946 genau, dass die Einheit der Arbeiterklasse Traum und Legende war und kaum die Grundlage konkreter Gemeinsamkeiten.“ Die vor 1933 erfolgte Beschimpfung als Sozialfaschisten sei nicht vergessen gewesen, so Matthiesen. Schon bald habe es wieder Streit gegeben sagt er unter Berufung auf von ihm eingesehene Archivalien.

Von Eckhard Oberdörfer

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