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Greifswald Waldohreule nimmt Kurs auf die Freiheit
Vorpommern Greifswald Waldohreule nimmt Kurs auf die Freiheit
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00:12 12.06.2018
Eine kleine Waldohreule wird derzeit in der Wildvogelstation im Tierpark aufgepäppelt. In wenigen Tagen wird sie wieder in die Freiheit entlassen. Quelle: Anne Ziebarth
Greifswald

Mit großen, orangefarbenen Augen schaut die Waldohreule die Besucher an. Sie ist einer der Neuzugänge in der Wildvogelauffangstation im Tierpark Greifswald. Hier werden jährlich mehrere Dutzend verletzte oder geschwächte Wildvögel versorgt und wieder in die Freiheit entlassen. Auch untergewichtige Igel und Feldhasen sind häufiger Gäste bei Cheftierpfleger Frank Tetzlaff und seinem Team. „Diese Eule ist etwa zwei Wochen alt“, informiert Cheftierpfleger Frank Tetzlaff. „Sie ist ein sogenannter Ästling und kann noch nicht fliegen.“ Das sei für Waldohreulen auch völlig normal. Die Jungen verlassen als nicht flugfähige Tiere das Nest, klettern aber gewandt auf Bäumen und Ästen umher und werden außerhalb des Nestes von den Eltern gefüttert, informiert Tetzlaff. „Dieses Tier wurde uns gemeldet, weil es wohl sehr früh das Nest verlassen hat oder herausgefallen ist und nur auf dem Boden hockte“, so der Tierpfleger, „Wenn die Eule nicht von alleine klettert, besteht die Gefahr, dass sie von Füchsen gefressen wird. In diesem Fall war es also richtig, uns Bescheid zu sagen.“ Nun wird die kleine Eule mit Eintagsküken gefüttert, bis sie kräftig genug ist, sich selbstständig an Ästen emporzuziehen.

Außerhalb der Öffnungszeiten, sollte die Leitstelle der Feuerwehr unter der Nummer 112 verständigt werden. Bitte beachten: Nicht in allen Fällen ist eine Gefahrensituation für das Tier tatsächlich gegeben. Bitte erst anrufen und das Tier nicht gleich einpacken.

Unterstützung für die Vogelstation: IBAN: DE86 1505 0500 0232 0067 17 BIC: NOLADE21GRW

Wer einen Wildvogel in Not sieht, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer 03834/88 49754 zu melden.

Infos zur Wildvogelhilfe

Von der Silbermöwe bis zum Schwan: Bunte Mischung auf der Station

Die Waldohreule ist nur ein Vogel von mehreren, die derzeit in der Wildvogelstation im Tierpark betreut werden. „Hier nebenan sitzen zwei junge Silbermöwen“, sagt Tetzlaff und deutet auf eine andere Voliere in der sich zwei braungepunktete Vögel aneinanderkuscheln. „Sie saßen in einer Regenrinne fest und wurden durch die Feuerwehr befreit.“ Auch ein rund einwöchiges Schwanenküken, das auf der Ladebower Chaussee liegend gefunden wurde, wird in der Station wieder fit für die Freiheit gemacht, eine junge Elster wurde vor wenigen Tagen gesund entlassen. „Wir versuchen hier, den Tieren eine zweite Chance zu geben“, sagt Tetzlaff. „Ziel ist es immer, die Vögel wieder auszuwildern.“ Deswegen ist der Kontakt der Tierpfleger zu den Wildvögeln auch auf ein Minimum begrenzt, verhätscheln ist tabu. „Zahm dürfen die Vögel auf gar keinen Fall werden, sie sollen ja in der Natur überleben können“, so Tetzlaff.

Keine finanzielle Förderung für Wildvogelhilfe

Die Chancen, für die Fundvögel das Leben in freier Wildbahn zu meistern, seien dabei nicht schlecht. Ein im Tierpark aufgezogener Waldkauz zum Beispiel konnte drei Jahre später anhand seines Ringes identifiziert werden. Die Arbeit, die das Team des Tierparks in die Versorgung der Notfall-Tiere steckt, ist beträchtlich. „Wenn ein Storchenküken Hunger hat, beginnt der Tag eben um fünf Uhr morgens“, sagt der Tierpfleger. „Unsere Hauptaufgabenfeld ist aber nach wie vor der Tierpark.“ Ein Extrabudget oder finanzielle Förderung gibt es für die Wildvogelhilfe nicht. „Wir müssen mit dem Auskommen, was wir haben“, so Tetzlaff. „Zu Buche schlagen dabei vor allem Fahrt- und Tierarztkosten.“ Allein 23 Großvögel hat die Wildtierstation in über 250 Arbeitsstunden im Jahr 2017 versorgt, darunter Mäusebussarde, Turmfalken und Störche. Unzählige kleinere Singvögel wie Meisen, Mauersegler oder Elstern „laufen so mit“, wie Tetzlaff sagt, und sind nicht in der Liste aufgeführt.

Cheftierpfleger: Waldohreule hat gute Chancen

Für das weitere Leben der kleinen Waldohreule ist Tetzlaff optimistisch. „Ich schätze, dass die kleine Eule noch in dieser Woche zurück an ihren Fundort kann. Die Eltern kommunizieren mit ihren Jungen über Rufe“, so Tetzlaff. „Es ist davon auszugehen, dass sie ihr Junges wiedererkennen und weiter versorgen.“

Ziebarth Anne Friederike

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