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Greifswald Waldohreule nimmt Kurs auf die Freiheit
Vorpommern Greifswald Waldohreule nimmt Kurs auf die Freiheit
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10:13 12.06.2018
Die beiden kleinen Federfortsätze am Kopf deuten schon auf die späteren „Federohren“ hin, die für die Waldohreulen charakteristisch sind. Quelle: Foto: A. Ziebarth
Greifswald

Unbeweglich sitzt die kleine Waldohreule auf ihrem Baumstumpf im Gehege der Wildvogelstation. Nur das gelegentliche Klimpern mit den großen orangefarbenen Augen deutet darauf hin, dass es sich nicht um ein besonders lebensechtes Plüschtier handelt. Als allerdings der 17-jährige Nico Schröder die Voliere betritt, regt sich Protest bei dem Vogel. Energisches Schnabelklappern und Flügelschlagen machen deutlich, dass das Tier durchaus wehrhaft und keineswegs damit einverstanden ist, dass der künftige Tierpfleger in ihrem Gehege nach dem rechten sieht.

„Die Eule ist etwa zwei Wochen alt“, informiert Cheftierpfleger Frank Tetzlaff. „Sie ist ein sogenannter Ästling und kann noch nicht fliegen.“ Das sei für Waldohreulen auch völlig normal. Die Jungen verlassen als nicht flugfähige Tiere das Nest, klettern aber gewandt auf Bäumen und Ästen umher und werden außerhalb des Nestes von den Eltern gefüttert, informiert Tetzlaff. „Dieses Tier wurde uns gemeldet, weil es wohl sehr früh das Nest verlassen hat oder herausgefallen ist und nur auf dem Boden hockte“, so der Tierpfleger, „Wenn die Eule nicht von alleine klettert, besteht die Gefahr, dass sie von Füchsen gefressen wird. In diesem Fall war es also richtig, uns Bescheid zu sagen.“ Nun wird die kleine Eule mit Eintagsküken gefüttert, bis sie kräftig genug ist, sich selbstständig an Ästen emporzuziehen.

Die Waldohreule ist nur ein Vogel von mehreren, die derzeit in der Wildvogelstation im Tierpark betreut werden. „Hier nebenan sitzen zwei junge Silbermöwen“, sagt Tetzlaff und deutet auf eine andere Voliere in der sich zwei braungepunktete Vögel aneinanderkuscheln. „Sie saßen in einer Regenrinne fest und wurden durch die Feuerwehr befreit.“ Auch ein rund einwöchiges Schwanenküken, das auf der Ladebower Chaussee liegend gefunden wurde, wird in der Station wieder fit für die Freiheit gemacht, eine junge Elster wurde vor wenigen Tagen in die Freiheit entlassen. „Wir versuchen hier, den Tieren eine zweite Chance zu geben“, sagt Tetzlaff. „Ziel ist es immer, die Vögel wieder auszuwildern.“ Deswegen ist der Kontakt der Tierpfleger zu den Wildvögeln auch auf ein Minimum begrenzt, verhätscheln ist tabu. „Zahm dürfen die Vögel auf gar keinen Fall werden, sie sollen ja in der Natur überleben können“, so Tetzlaff.

Die Chancen für Fundvögel, das Leben in freier Wildbahn zu meistern, seien dabei nicht schlecht. Ein im Tierpark aufgezogener Waldkauz zum Beispiel konnte drei Jahre später anhand seines Ringes identifiziert werden.

Die Arbeit, die das Team des Tierparks in die Versorgung der Notfall-Tiere steckt, ist beträchtlich. „Wenn ein Storchenküken Hunger hat, beginnt der Tag eben um fünf Uhr morgens“, sagt der Tierpfleger. „UnserHauptaufgabenfeld ist aber nach wie vor der Tierpark.“ Ein Extrabudget oder Förderung gibt es für die Wildvogelhilfe nicht. „Wir müssen mit dem auskommen, was wir haben“, so Tetzlaff. „Zu Buche schlagen dabei vor allem Fahrt- und Tierarztkosten.“ Allein 23 Großvögel hat die Wildtierstation in über 250 Arbeitsstunden im Jahr 2017 versorgt, darunter Mäusebussarde, Turmfalken und Störche. Unzählige kleinere Singvögel wie Meisen, Mauersegler oder Elstern „laufen so mit“, wie Tetzlaff sagt, und sind nicht in der Liste aufgeführt.

Die meisten Tiere, die in der Station landen, sind Opfer des Straßenverkehrs geworden und landen mit Flügelbrüchen oder Schock bei den Tierpflegern. „Zum Glück haben wir ein sehr erfahrenes Tierarztteam in Greifswald, das sich auch mit Wildtieren auskennt“, erzählt Tetzlaff. „Es gehört einiges dazu, den Bruch eines Waldkauzbeines zu nageln und anschließend weiter zu versorgen.“ Nicht immer nehmen die Geschichten allerdings ein glückliches Ende. Viele Tiere überleben trotz medizinischer Versorgung nicht. „Seeadler zum Beispiel überstehen eine bei ihnen leider häufige Bleivergiftung nur selten.“ Seeadler sind Opportunisten und fressen auch von Jägern geschossene Tiere. Die Magensäure der Adler ist so aggressiv, das sie die Bleimunition in den Kadavern zersetzt und die Adler schließlich daran verenden.

Für das weitere Leben der kleinen Waldohreule ist Tetzlaff aber optimistisch. „Ich schätze, dass die kleine Eule noch in dieser Woche zurück an ihren Fundort kann. Die Eltern kommunizieren mit ihren Jungen über Rufe“, so Tetzlaff. „Es ist davon auszugehen, dass sie ihr Junges wiedererkennen und weiterhin versorgen.“

Wildvogelstation

Wer einen Wildvogel in Not sieht, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer ☎ 03834/88 49754 zu melden. Außerhalb der Öffnungszeiten, sollte die Leitstelle der Feuerwehr unter ☎ 112 verständigt werden. Bitte beachten: Nicht in allen Fällen ist eine Gefahrensituation für das Tier tatsächlich gegeben. Bitte erst anrufen und das Tier nicht gleich einpacken.

Unterstützung für die Vogelstation: IBAN: DE86 1505 0500 0232 0067 17 BIC: NOLADE21GRW

Anne Ziebarth

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