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Warnschuss für Jäger: Kreis droht wegen hoher Wildbestände

Insel Usedom Warnschuss für Jäger: Kreis droht wegen hoher Wildbestände

In Usedoms Wald und Flur soll es künftig viel häufiger knallen als bisher. Andernfalls will die Untere Jagdbehörde des Landkreises Vorpommern-Greifswald gegen die ...

Insel Usedom. In Usedoms Wald und Flur soll es künftig viel häufiger knallen als bisher. Andernfalls will die Untere Jagdbehörde des Landkreises Vorpommern-Greifswald gegen die Waidmänner jagdrechtliche Anordnungen erlassen und bei Zuwiderhandlungen Bußgelder verhängen; damit dürften bei den Mitgliederversammlungen des Hegerings Usedom am Mittwoch und der Hegegemeinschaft Usedom-Süd am Freitag kommender Woche heftige Diskussionen sicher sein.

Denn nicht nur Wildschweine gelten auf Usedom als Plage, weil sie immer größere Schäden auf Landwirtschaftsflächen anrichten und regelmäßig sogar die Promenaden verwüsten — inzwischen hat sich auch der Rotwildbestand auf das Vierfache der als vertretbar geltenden Zahlen erhöht.

Das geht aus einer Studie von Forstzoologen der Technischen Universität Dresden hervor, die ihre Ergebnisse in der zu Ende gehenden Woche vorgelegt haben: Im November und Dezember vorigen Jahres hatten sie das Rotwild auf Usedom gezählt und waren im Durchschnitt auf mehr als acht Tiere je 100 Hektar Fläche gekommen; normal seien zwei. Bei den Rehen fanden die Zoologen sogar fast zwölf Tiere je 100 Hektar, wobei sie eine Fläche von rund 11000 Hektar im Süden und in der Mitte der Insel untersucht haben. Das Schweriner Agrar- und Umweltministerium hat die Studie mit mehr als 30000 Euro finanziert; immerhin haben sich die Usedomer Probleme mit den Wildtierzahlen bis Schwerin herumgesprochen, wie Florian Tessenow, Referent von Minister Till Backhaus (SPD), bestätigt.

Von den Ergebnissen der Bestandsaufnahme wiederum fühlt sich die Untere Jagdbehörde des Kreises bestätigt: Seit Jahren bereits fordere man die Jäger auf, neben den Schwarz- auch die Rotwildbestände zu dezimieren, betont Verwaltungssprecher Achim Froitzheim. Nun gebe man den Waidmännern letztmals die Gelegenheit, das Problem in eigener Verantwortung zu lösen. „Wir sind mit unserer Geduld am Ende“ — seit vier Jahren schon gebe es trotz wiederholter Mahnungen keine „auf signifikante Bestandsreduzierung ausgelegten Abschusspläne“ mehr.Für Gerd Lemke, den Leiter des Hegerings Usedom, sind die Konsequenzen klar: Die Jäger müssten über revierübergreifende Jagden sprechen und mehr Treibjagden veranstalten.Das von einigen Waidmännern gegenüber der OZ geltend gemachte Argument, dass für eine intensivere Rotwildjagd angesichts der verstärkten Pirsch auf Wildschweine weder personelle noch zeitliche Kapazitäten vorhanden seien, lässt Lemke nicht gelten. Zwar liege das Durchschnittsalter der Jägerschaft bei 58 Jahren — und damit sei tatsächlich nicht mehr jeder Grünrock körperlich zu verstärkten Aktivitäten im Revier in der Lage. Doch das Eindämmen der Bestände lasse sich organisieren, ist er überzeugt.

Hinter vorgehaltener Hand nennen einige Jäger aber auch andere als körperliche Gründe für das seit Jahren vernachlässigte Schießen von Rotwild: In einigen Revieren finanzieren Jagdgäste den Waidmännern ihr Hobby — und je mehr ausgewachsene Trophäenträger vor Kimme und Korn laufen, desto mehr zahlungswillige Gäste gehen mit auf die Pirsch.

Als „hochemotionales Thema“ bezeichnet denn auch Forstamtsleiter Felix Adolphi aus Neu Pudagla das Ergebnis der Zählung. Ungeachtet dessen setzt er neben kurzfristig zu steigernden Abschussplänen auf die unter Wildschäden leidenden Agrarbetriebe: „Es wäre schön, wenn sich die Landnutzer in die Diskussion einschalten würden.“ Und bei der Neuverpachtung von Revieren sollte nicht mehr „blind das Höchstgebot zum Zuge kommen“; entscheidend müsse sein, ob ein Bewerber dem Ziel eines „gesunden, vielfältigen Wildbestands verpflichtet“ sei.

Von Siegfried Denzel

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