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Was macht der Kinderbeauftragte?

Greifswald Was macht der Kinderbeauftragte?

Seit fünf Jahren gibt es dieses Ehrenamt in Greifswald. Bringt es was? Der Kinderschutzbund ist enttäuscht.

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Wer Fragen, Vorschläge oder Sorgen im Blick auf Kinder hat, kann sich an Bengt Jacobs wenden.

Quelle: Sybille Marx

Greifswald. Kahle Wände, ein langer Tisch, viele Stühle: So sieht der Beratungsraum im Greifswalder Stadthaus aus, in dem Bengt Jacobs jeden zweiten Dienstag für zwei Stunden sitzt. Als ehrenamtlicher Kinderbeauftragter der Stadt bietet er hier Sprechstunden an: für Eltern, Kinder, Vereinsleute, Lehrer und andere, die Themen oder Probleme rund um Kinder besprechen wollen.

Sprechstunde

Jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat von 16 bis 18 Uhr bietet Bengt Jacobs als Kinderbeauftragter eine Sprechstunde im Stadthaus an.

• Kontakt:

☎ 03834 / 85 36 11 01

oberbuergermeister@greifswald.de

Allerdings: „Die Nachfrage ist verhalten“, sagt Jacobs, ausgebildeter Sozialarbeiter. Manchmal blieben alle Stühle leer, vor allem Vereine nutzten sein Angebot bisher kaum.

Kein Wunder, meint man beim Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes. Vor fünf Jahren hatte dieser Verein den neuen Posten angestoßen, heute ist Chef Klaus-Peter Glimm enttäuscht. „Man merkt gar nichts von einem Kinderbeauftragten“, sagt er, öffentlich trete Bengt Jacobs nie in Erscheinung. „Wir hatten uns jemanden vorgestellt, der Visionen hat, der in der Bürgerschaft Berichte zur Lage der Nation abgibt, bezogen auf Kinder.“ Jemanden, der den Politikern auch mal auf die Füße trete, Probleme wie die Kinderarmut in den Fokus rücke, ebenso die vollen Horte oder die hohen Mieten für manche Vereine.

Auch ein Kinderparlament einzurichten, wäre wichtig, meint Klaus-Peter Glimm; damit Kinder ihre Sicht auf Schule, Spielplätze oder Freizeitangebote darlegen und das Leben in der Stadt mitgestalten könnten. Nichts davon sei passiert. „Nur zu warten, dass Leute in die Sprechstunde kommen — das ist zu wenig“, findet er. „Aber im Grunde braucht man dafür auch einen Hauptamtlichen.“

Die CDU-Fraktion, die damals die Forderung nach einem Kinderbeauftragten in die Bürgerschaft eingebracht hatte, scheint den Posten gar nicht mehr auf dem Schirm zu haben. Was Jacobs seit fünf Jahren tut, welche Visionen oder Forderungen er hat — Fraktionschef Axel Hochschild sagt, das wisse er gar nicht. „Ich denke, wir als Bürgerschaft sollten ihn mal einladen.“ Auch SPD-Fraktionsschef Andreas Kerath gibt zu, sich mit der Arbeit des Kinderbeauftragten noch nie beschäftigt zu haben: „Aber da man nichts von ihm hört, wird wohl alles gut laufen!“

Bengt Jacobs selbst sagt, er mache den Job gern, aber die Sprechstunden seien schon viel. Eine volle Stelle als Berater bei der Caritas hat der 48-Jährige, außerdem zwei eigene Kinder. Seine Zeit ist darum eher knapp, sein Erfahrungsschatz groß: Schon von Berufs wegen weiß Jacobs, dass nicht alle Kinder in der Stadt es leicht haben. Fast 15 Jahre hat er als Sozialarbeiter im Kinder- und Jugendhaus Labyrinth gearbeitet, in Schönwalde II. Heute berät er getrennte und geschiedene Eltern, die um den Umgang mit ihren Kindern streiten.

Dass auch Kinderarmut in Greifswald ein Thema ist, „ist mir natürlich bewusst“, sagt er. Aber auf politischer Bühne dagegen ankämpfen?. „Erstens habe ich dafür gar nicht die Zeit, zweitens können wir an der Tatsache, dass auch bei uns Kinder in Hartz-IV-Familien aufwachsen, ja nichts ändern“, meint er. Den Ausschuss für Sport, Jugend und Soziales besuche er aber, um auf dem Laufenden zu sein und auch mal Themen einzubringen.

Konkrete Einzelfälle aus seinen Sprechstunden will Jacobs aus Rücksicht auf die Ratsuchenden lieber nicht schildern,nur so viel verrät er: Nach der Kreisgebietsreform waren viele Eltern verunsichert, weil nicht mehr die Stadt, sondern der Kreis das Jugendamt trägt. „Die wollten dann wissen, wer für welche Anliegen zuständig ist.“ Inzwischen kämen Menschen meist mit anderen Fragen zu ihm. Etwa, wenn ein Spielplatz in schlechtem Zustand sei oder „wenn sie beim Nachbarsjungen Kindswohlgefährung vermuten und damit nicht gleich zum Jugendamt gehen wollen.“ Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Bengt Jacobs so vielleicht schon manche Katastrophe entschärft.

 



Sybille Marx

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