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Greifswald Wassermusik im Kulturbahnhof

Das Greifswalder Blasorchester feiert sein 45-Jähriges mit großem Festkonzert

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Die Musiker probten bereits im noch nicht fertig gestellten Saal des Kulturbahnhofs. Bis zum 20. Mai sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Quelle: Foto: P. Baranyai

Greifswald. „Viel ruhiger an dieser Stelle!“, ruft Klaus Listemann erregt. „Gerne ein, zwei Gänge runterschalten. Und nochmal!“ Gerade probt das Greifswalder Blasorchester für das Festkonzert am 20. Mai. Die Stimmung ist angespannt, immer wieder wird leidenschaftlich diskutiert. Dennoch sind alle voll bei der Sache, denn zum großen Auftritt soll alles perfekt sein. Als musikalischer Leiter sorgt Listemann dafür, dass die Musiker zusammen harmonieren. Auch für die Auswahl der Stücke ist er verantwortlich. „Dabei habe ich jedes Jahr ein Thema“, verrät der 59-Jährige. „2017 dreht sich alles um das Wasser. Beim Festkonzert haben wir dann Stücke wie Händels Wassermusik, den Klassiker „Beyond the Sea“ oder auch die Filmmusik von „Das Boot“ im Repertoire. Mehr wird aber nicht verraten!“

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Das Greifswalder Blasorchester feiert sein 45-Jähriges mit großem Festkonzert

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Wer beim Blasorchester also an altbackene Schützenfestmusik denkt, unterschätzt die Experimentierfreudigkeit der Truppe. „Obwohl wir natürlich ebenfalls traditionellere Melodien auf Lager haben“, versichert Torsten Lüth, das dienstälteste Mitglied und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit. Vor nunmehr 35 Jahren kam er als Schüler in das seit 1972 bestehende Orchester. Dort lernte er, Trompete und Tuba zu spielen, „mit allen Höhen und Tiefen“, wie Lüth heute sagt. Doch er blieb am Ball und meisterte die Instrumente. Die neu geschlossenen Freundschaften trugen ihren Teil dazu bei.

„In den 45 Jahren sind schon etliche Ehen entstanden“ ergänzt Lüth schmunzelnd. Er selbst lernte hier seine Frau kennen. Seit der Gründung des Orchesters hätten sich die gesellschaftlichen Umstände verändert. Als auf einem Konzert zu DDR-Zeiten die Titelmelodie der Trickfilmserie Heidi gespielt wurde, war das Publikum begeistert, jeder konnte mitsingen – doch die Parteioberen fragten sogleich nach der Herkunft des Notensatzes. „Mit der Wende hat sich viel verändert. Allein das Angebot an Noten ist heute immens“, resümmiert der Musiker.

Für die Vertiefung des deutsch-deutschen Austauschs sorgte die Partnerschaft mit dem Blasorchester Osnabrück. Im Mai 1990 konnten die Greifswalder erstmals die Musikerkollegen in Niedersachsen besuchen, gemeinsame Konzerttouren nach Spanien, Frankreich und in die Niederlande sollten folgen. Ein besonderes Erlebnis sei auch der Auftritt mit der Prinzengarde während des Kölner Karnevals gewesen, erinnert sich Lüth. „Das war eine völlig abgefahrene Stimmung. Der Marsch durch die jubelnde Menge war wie das Eintauchen in eine Geräuschwolke.“ In allen Zeiten gleich geblieben sei die Freude am gemeinsamen Musizieren und dem regen Vereinsleben: „Der Zusammenhalt in der Gruppe ist wirklich toll!“.

Durch die vielen Neuzugänge und die alten Hasen ist inzwischen jedes Alter zwischen 9 und 59 vertreten. Deswegen erhielt das frühere „Jugendblasorchester“ auch seinen heutigen Namen. „Jeder kann mitmachen, ob Neugierige oder Wiedereinsteiger“, sagt Peter Hingst (59), seit wenigen Wochen Vorstandsvorsitzender. Eine seiner derzeit wichtigsten Aufgaben ist das Einstellen neuer Dozenten für die wöchentlichen Registerproben. Dort werden die einzelnen Musiker gezielt ausgebildet, damit dann jeden Freitag um 18 Uhr in der gemeinsamen Orchesterprobe alles klappt. Nach qualifizierten Lehrern – die natürlich entlohnt werden sollen – sucht der Verein nun händeringend.

Dass zumindest bei den Musikern zur Zeit kein Mangel besteht, ist zu weiten Teilen Anne Gaschlers Verdienst. Die gelernte Mediengestalterin brachte den Internetauftritt des Orchesters auf Vordermann – und besonders Studenten wurden plötzlich auf den Verein aufmerksam. „Man muss immer am Puls der Zeit bleiben viel Neues wagen“, sagt die 31-Jährige. „So konnten wir letztes Jahr mit einer Spendenkampagne im Internet die Produktion eines Kalenders realisieren.“, berichtet sie stolz. Und auch in Zukunft seien ungewöhnliche Werbeaktionen geplant. Gerade aber stehe das Festkonzert im Vordergrund. Wie steht’s denn mit dem Lampenfieber? „Noch viel zu sehr mit Vorbereitungen beschäftigt“, sagt Gaschler. „Die Aufregung kommt dann bei der Generalprobe“, ergänzt Lüth.

Info: Das Festkonzert findet am 20. Mai um 17 Uhr im Saal des Kulturbahnhofs statt. Tickets können für 11,50 Euro in der Greifswald-Information, im Kulturbahnhof, unter www.mvticket.de sowie an der Abendkasse erworben werden.

Philipp Baranyai

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