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Greifswald „Er hat überall rumerzählt, ich sei krank“
Vorpommern Greifswald „Er hat überall rumerzählt, ich sei krank“
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18:26 05.12.2018
Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Der Spruch von Konfuzius macht vielen Frauen neuen Mut. Quelle: Foto: Anne Ziebarth
Greifswald

„Die Familienhilfe des Jugendamtes war meine Rettung“, sagt Ines P. heute. Die zierliche Frau sitzt im Besucherraum des Frauenhauses und erzählt aus ihrem dramatischen vergangenen Jahr. „Zum Schluss habe ich die Flucht vor meinem Mann nur mit Hilfe der Mitarbeiterin der Familienhilfe geschafft. Wir haben gemeinsam einen Plan geschmiedet, sie hat mich schließlich abgeholt, mit quietschenden Reifen –und zitternden Knien –ging es vom Hof. Wir hatten beide richtige Angst.“ Was die 36-jährige Ines heute bereits mit einem tapferen Lächeln erzählen kann, war für sie der dramatische Ausbruch aus einem jahrelangen Martyrium. „Zunächst ging es ganz unauffällig los. Überallhin wollte mein Mann mit, mich keinen Moment aus den Augen lassen. Die Eifersucht war extrem“, erinnert sie sich an den Start der Beziehung vor rund fünf Jahren. „Schleichend wurde ich dann immer isolierter. Ich durfte nicht mehr telefonieren, nicht mehr alleine Einkaufen. Wenn ich unseren Sohn nicht innerhalb einer vorgegebenen Zeit vom Kindergarten abgeholt habe, gab es Ärger“. Der Gipfel sei gewesen, dass sie nicht mehr alleine auf die Toilette hätte gehen dürfen. „Ich dachte, ich werde wahnsinnig“, so Ines P. „Ich musste wirklich sagen, ich muss kacken, sonst ist der nicht gegangen“.

Geschlagen habe sie ihr Mann nie, sagt Ines P, der Psychoterror habe sie aber an den Rand der Kräfte und darüber hinaus gebracht. „Er hat überall rum erzählt, ich sei psychisch krank und unzurechnungsfähig“, erinnert sie sich. „Sogar meine ältere Tochter hat er angerufen und gesagt, ich brauche keinen Kontakt mehr. Das habe ich alles erst viel später erfahren. Ich war damals so traurig, dass sie sich nicht mehr gemeldet hat. Jetzt verstehen wir uns wieder gut.“

Immer wieder hätte ihr Mann ihr gedroht, ihr den dreijährigen Sohn wegzunehmen, sie als minderwertig und dumm beschimpft. „Irgendwann glaubt man das“, gibt Ines P. zu. „Ich dachte, dann geht es eben so weiter, ich werde alt und irgendwann ist es vorbei.“ Nach depressiven Phasen „durfte“ die Frau in psychologische Behandlung, ständige Rückenschmerzen und Ess-Störungen gesellten sich dazu. Weil das Kind im Kindergarten nicht recht mitkam, wurde schließlich die Familienhilfe eingeschaltet. In dieser Zeit und mit dem Zuspruch der Ärzte und Familienhilfe wuchs in Ines P. ein kleiner Keim der Hoffnung. „Ich habe das erste Mal gehört, dass nicht ich Schuld bin. Das war neu“, erzählt sie. „Ich begann zu überlegen, wie ich ihn verlassen könnte.“ Eine schwere Aufgabe. „Er hatte ja keine Arbeit, war deshalb ständig um mich herum. Das Auto konnte ich wegen irgendwelcher Ausreden nie benutzen – mal waren es die fehlenden Winterreifen, mal war es angeblich kaputt.“ Als sie dann allerdings auch noch feststellen musste, dass ihr Mann Diebesgut bunkerte, fasste sie sich ein Herz und rief heimlich die Familienhilfe an. „Hilfe. Ich muss hier raus. Bitte holen sie mich ab“

Im Frauenhaus eröffnete sich eine neue Welt. „Jeder Ausflug am Strand. Jeder Gang mit meinem Sohn auf den Kinderspielplatz ist wie ein Geburtstag für mich und sehr aufregend“, sagt sie und strahlt. „Das habe ich ja alles seit Jahren nicht mehr machen dürfen.“ Doch das ganz perfekte Happy-End schreibt das Leben selten. Über das Sorgerecht wird gestritten, noch muss der Sohn nach einer Entscheidung des Gerichts pendeln. Einen Teil der Woche bei Mama, den anderen Teil der Woche bei Papa. „Ich habe mithilfe des Frauenhauses eine eigene Wohnung gefunden“, sagt Ines P. „Ich hoffe, das überzeugt das Gericht. Wir sind auf einem so guten Weg.“

Hier können Sie helfen:

In diesem Jahr unterstützen wir mit der Aktion „Helfen bringt Freude“ das Greifswalder Frauenhaus. Hier finden Frauen die auf der Flucht vor Gewalt sind, Schutz und Hilfe. Wir freuen uns über jede Spende!

Spendenkonto bei der Sparkasse Vorpommern: Empfänger „Frauen helfen Frauen e.V.“ IBAN: DE 88 1505 0500 0000 0515 51 BIC: NOLADE21GRW Kennwort: „Helfen bringt Freude“

Anne Ziebarth

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