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Greifswald Weniger Grippefälle in der Hansestadt – mehr im Landkreis
Vorpommern Greifswald Weniger Grippefälle in der Hansestadt – mehr im Landkreis
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11:28 25.03.2019
Noch ist die Grippewelle in Greifswald nicht vorüber –aber ein Ende ist in Sicht Quelle: dpa
Greifswald

In den Drogerien gehen immer noch jede Menge Taschentücher über den Ladentisch, auch in den Arztpraxen sind die Wartezimmer voll. Im Landkreis, bei dem die Informationen des Gesundheitsamtes eingehen, ist man vorsichtig optimistisch. „Eine endgültige Einschätzung können wir noch nicht geben, aber es scheint, als ob das schlimmste vorüber ist“, sagt Sprecherin Anke Radlof vom Landkreis Vorpommern-Greifswald. „Die Zahl der Grippeerkrankungen ist in Greifswald und im Landkreis derzeit leicht rückläufig.“ Die Grippewelle sei in diesem Jahr nicht so stark ausgeprägt wie im vergangenen Grippejahr. In Greifswald wurden im Vergleichszeitraum des Vorjahres 529 Grippefälle registriert, 2019 sind bis zur 11. Kalenderwoche 256 Fälle gemeldet. „In der jetzigen Grippesaison treten überwiegend Influenza A -Fälle auf“, informiert Amtsärztin Dr. Marlies Kühn. „Diese Antigene sind auch in den Impfstoffen passend vorhanden. In der vergangenen Saison waren es vermehrt Influenza B Fälle, wobei ein Serostamm B nicht in allen Impfstoffen vorkam, sondern nur in tetravalenten Impfstoffen („Vierfachimpfstoff“), welche nicht für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung standen.“ Den Landkreis habe es in diesem Jahr allerdings stärker erwischt als die Hansestadt. Zum, Vergleich: im vergangenen Jahr wurden im Landkreis 1129 Fälle registriert, 1249 Fälle sind es aktuell, besonders viele Fälle gebe es im Raum Pasewalk.

Erkrankung trotz Impfung

 „Gefühlt haben wir mehr Grippefälle als sonst“, sagt der Greifswalder Allgemeinmediziner Dr. Matthias Herberg. „Von denjenigen, bei denen wir Abstriche machen, sind tatsächlich auch 70 bis 80 Prozent echte Grippefälle, also keine Erkältungen.“ Unter den Erkrankten seien auch Menschen, die sich haben Impfen lassen. „Man sieht also, dass eine Impfung offensichtlich nicht immer schützt.“ Trotzdem befürwortet er das Impfen. „Aus meiner hausärztlichen Erfahrung kann ich sagen, dass man bei geimpften Patienten häufig einen deutlich milderen Verlauf der Grippe erkennen kann. Die kann dann zuhause auskuriert werden.“

Auch bei Kinderarzt Andreas Michel ist die Praxis voll. „Ja, wir haben eine Grippewelle, auch bei den Kindern. Viele der Kinder, die zu Zeit zu uns kommen, haben die Grippe“, sagt der Mediziner, „das ist aber auch normal für diese Jahreszeit.“ Im Herbst, Winter und Frühjahr sei nun mal die Zeit für Infektionserkrankungen vor allem der Atemwege. „Das gehört auch zum natürlichen Prozess des Aufwachsens“, sagt Michel. „Manche Kleinkinder haben einmal im Monat einen Infekt, andere gar nicht.“ Seine Kinder gehören zu letzteren, erzählt er. „Sicherlich legen wir Wert auf gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse, aber ob das ausschlaggebend ist, kann man nicht sagen.“ Wegen der aktuellen Grippewelle müsse übrigens kein Kind auf das Spiel an der frischen Luft verzichten. „Eher im Gegenteil. Wenn ein Vitamin bei Kindern fehlt, so ist das Vitamin D“, sagt er. „Und das kann nur mithilfe von Sonnenlicht gebildet werden.“

Keuchhusten in Greifswalder Kitas

Für Aufregung hatten Berichte über mehrere Fälle von Keuchhusten (Pertussis) in Greifswalder Kitas gesorgt, einer hochansteckenden Kindererkrankung, die bei kleinen Kindern lebensbedrohlich verlaufen kann. Bei der festgestellten Erkrankung handele es sich nach Ergebnissen des Gesundheitsamtes nicht um Keuchhusten, betonte Radlof, sondern um die sogenannte Parapertussis. „Eine ebenfalls durch Bakterien verursachte Erkrankung mit ähnlicher Symptomatik wie Pertussis, nur verlaufen diese Erkrankungen meist in leichterer und kürzere Form als die ,echten’ Keuchhustenfälle“, so die Sprecherin. „Der Impfstoff gegen Pertussis wirkt leider nicht gegen Parapertussis.“ Parapertussis sieht der Kinderarzt Andreas Michel nicht als vergleichbare Gefahr. Der Verlauf von Keuchhusten sei deutlich schlimmer, so Michel. „Babys können ab dem zweiten Monat geimpft werden. Wenn sie vorher erkranken, kann das sehr gefährlich werden“, sagt Michel. „Die Impfung erfolgt in mehreren Schritten, auch hier gibt es keinen 100 Prozentigen Schutz, man kann aber sehen, dass die Fälle bei einer Erkrankung deutlich milder verlaufen.“

Eine Impfung gegen Grippe ist auch jetzt noch sinnvoll, allerdings dauert es rund zehn Tage, bis der Körper einen vollständigen Impfschutz aufgebaut hat. Die kostenlose Grippeschutzimpfung mit einem Vierfachwirkstoff wird von den Haus- und Kinderärzten, Fachärzten für Gynäkologie, den Betriebsärzten sowie an den Standorten des Gesundheitsamtes in Anklam, Pasewalk und Greifswald durchgeführt.

Lesen Sie weiter: Grippe: Tipps und Verhaltensmaßregeln im Überblick

Hier gibts Karten der Arbeitsgemeinschaft Influenza zur Grippeverbreitung

Anne Ziebarth

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