Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Wenn die Erinnerungen verschwinden
Vorpommern Greifswald Wenn die Erinnerungen verschwinden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:46 20.04.2018
Der 94-jährige Siegfried Reiter bittet im Stralsunder Tanzcafé Alzheimerpatienten und Verwandte zum Tanz. Die Einrichtung könnte ein Vorbild für Greifswald sein. Quelle: Fotos: Wenke–büssow Krämer, Renate Peter, Sws, Pb, Dzne

Termine werden vergessen, die Orientierung lässt nach, die Stimmung schwankt: Das können erste Anzeichen für eine Demenz sein. Wie sollte man damit umgehen – als Betroffener, als Angehöriger? Antworten wird es bei einem Erfahrungsaustausch im Rathaus geben. Die Stadt lädt dazu alle Interessierten am 25. April ein (siehe Infokasten). Die Teilnahme ist kostenlos. Ziele: sich kennenlernen, Infos und Erfahrungen austauschen, Kontakte knüpfen, Lösungen entwickeln.

Demenz kann Familien und Betroffene überwältigen. Friederike Güldemann Koordinatorin Bürgerhafen

Unter dem Motto „Leben mit Demenz in Greifswald – Vernetzen schafft Lebensqualität“ werden Experten aus Therapie, Diagnostik, Pflege, Beratung und Betreuung Vorträge halten. „Die Vorträge sind sehr lebenspraktisch“, teilt die Pressesprecherin der Stadt, Andrea Reimann, mit. So wird unter anderem über Diagnose, Therapie und konkrete Angebote in Greifswald informiert. Aber auch über eine „Lern-Werkstadt“ wird berichtet. Wissenschaftler erklären, wie in Rostock Hilfe abseits etablierter Angebote geleistet und in Schleswig-Holstein ein Demenzplan aufgestellt wird.

Greifswald habe sich auf die Fahnen geschrieben, Angebote für Demenzerkrankte innerhalb der Kommune zu unterstützen, sagt Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne). Deswegen sollten Betroffene, Pfleger, Ärzte und Wissenschaftler Räume und Möglichkeiten finden, ins Gespräch zu kommen, so der OB. „Angestrebt wird ein kontinuierlicher Austausch aller Beteiligten, beispielsweise in Form eines Runden Tisches.“ Zur Unterstützung und Verbesserung altersgerechten Lebens hat sich die Stadt im Seniorenförderkonzept verpflichtet.

An Demenz erkranken hauptsächlich ältere Menschen. Sie können orientierungslos und vergesslich werden, unter Stimmungsschwankungen leiden und sich schlechter erinnern. Sprache und Motorik können leiden. Alzheimer verursacht laut der Deutschen Alzheimergesellschaft 60 Prozent aller Demenzerkrankungen. Eine andere Ursache ist beispielsweise Parkinson. 1,6 Millionen Deutsche sind dement, jedes Jahr erkranken weitere 300000 Bundesbürger.

Das ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, befindet Dr. René Thyrian vom Verein „Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen“ aus Greifswald. „Laut Deutscher Alzheimergesellschaft leben etwa drei Viertel der pflegebedürftigen Demenzerkrankten zu Hause und werden von Angehörigen betreut“, sagt der Psychologe.

Die Kommune müsse sich um Freizeitangebote, Beratung und Fortbildungen kümmern. „Die kognitive Beeinträchtigung führt zu einem Rückzug Betroffener aus der Gesellschaft. Sie gehen zum Beispiel nicht mehr zum Verein oder in den Nachbarschaftstreff“, macht Thyrian deutlich. Ohne Hilfe verschwänden die Erkrankten aus dem öffentlichen Leben. Verhindern ließe sich das durch eine koordinierte Zusammenarbeit verschiedener Sozialberatungsstellen, so der Psychologe. Hilfreich wären auch Schulungen von Polizisten oder des Verkaufspersonals in Supermärkten. Sie könnten sich dann besser jener Patienten annehmen, die sich in der Öffentlichkeit verirrt haben oder aggressiv verhalten. Sonst käme es zu oft zu einer Einweisung in eine Anstalt. Wenn auch nur kurz, bedeute das Stress für Betroffene und Angehörige.

Jeder, der sich für diese Themen interessiert, kann also am 25. April ins Rathaus kommen. Wichtige Partner des Projektes sind unter anderem der Verein Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Greifswald und Rostock, das Mehrgenerationenhaus Bürgerhafen, der Seniorenbeirat sowie der Pflegestützpunkt Greifswald.

Auch der zum Pommerschen Diakonieverein gehörende „Bürgerhafen“ aus Greifswald macht mit. „Das Seniorenförderkonzept ist verabschiedet, jetzt müssen konkrete Aufgaben angegangen werden“, sagt Friederike Güldemann, Bürgerhafen-Koordinatorin. So sei der Demenzwegweiser, der Rat und Hilfe im Alltag bietet, von 2012 und mittlerweile etwas veraltet. Ob es einen neuen braucht, soll unter anderem beim Erfahrungsaustausch bestimmt werden.

Termin im Rathaus

Nach der Begrüßung um 9 Uhr geht es um 9.30 Uhr um regionale Versorgung in Vorpommern.

Um 10.15 Uhr sind Diagnose und Therapie das Thema, anschließend werden Erfahrungen aus Rostock vorgestellt.

Ab 13 Uhr berichten Experten aus Schleswig-Holstein. Um 13.45 Uhr stellt sich die „Lern-Werkstadt“ Demenz aus Nordrhein-Westfalen vor, um 14.30 Uhr steht das Kompetenzzentrum Vorpommern im Mittelpunkt.

Ab 15.15 Uhr geht es um die Frage: Und wie weiter in Greifswald? Angebote, Infos, Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Christopher Gottschalk

Mehr zum Thema

Am Wochenende gibt es in der Region um Bad Doberan (Landkreis Rostock) Musik, Führungen, Vorträge und eine Kneipennacht.

18.04.2018

Eingemottet in der Garage haben viele Fahrräder die letzten Monate verbracht. Doch jetzt geht es wieder auf Tour. Bevor sich Radler nach einer Winterpause in den Sattel schwingen, sollten sie einige Dinge checken.

18.04.2018

Von Freitag bis Sonntag gibt es zahlreiche Veranstaltungen in Wismar und der Umgebung - zum Beispiel einen Tag der offenen Tür in der Kita „Löwenzahn“, eine Lesung im Sportlerheim Hornstorf oder ein Konzert in der Georgenkirche in Wismar.

18.04.2018

Hochschule will kein Land verkaufen / Jetzt droht ein Enteignungsverfahren

18.04.2018

Große Festwoche zum Jubiläum der früheren Siedlung des Flugplatzes

22.04.2018

Die Greifswalder Bürgerschaft hat noch nicht über den Verkauf von Flächen an den Eldenaer Campingplatzinvestor Carsten Becker entschieden. Der Tagesordnungspunkt wurde gar nicht behandelt.

17.04.2018
Anzeige