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Werte per Computerspiel vermitteln

Greifswald Werte per Computerspiel vermitteln

Wissenschaftler appellieren an die Kirche, die Chancen des Internets zu nutzen

Greifswald. Die Theologie ist die erste Medienwissenschaft. Zumindest meint das der Würzburger Professor Klaas Huizing. „Die Bibel ist ein hochgradig medienmäßig reflektiertes Kunstwerk“, sagte er auf der Tagung „Mediatisierung und religiöse Kommunikation“ im Krupp-Kolleg. Sie sei voller ästhetischer Unikate, die bestimmte Erfahrungen ermöglichten. Namentlich die, dass ein Leben möglich ist, das statt auf Gewalt auf Wohlwollen beruht. „Man könnte auch Liebe sagen, aber das Wort ist vernutzt.“

Gott sei so eine Art Tugendcoach, verdeutlichte der Theologieprofessor. Er setze auf die Kunst, um Menschen zur Einsicht zu bringen, auf Eventkultur. „Die Bibel sagt, dass niemand zu Schuld und Sünde verdammt ist.“ Sie mache Angebote für die Bewältigung von Lebenskrisen. Dafür sei die Erfahrung der Scham für Menschen nötig. „Scham ist Prävention, über sie kann die Dramaturgie der Veränderung in Schwung gehalten werden.“ Nun sei der Protestantismus eine Lesereligion, räumt Klaas Huizing ein. In der modernen Welt benötige aber man auch andere Formen als die Schrift für die Kunst der Inszenierung der Botschaften, der Angebote zur Bewältigung von Lebenskrisen. Der Theologe plädiert dafür, die Chancen zu nutzen, die die modernen Medien, beispielsweise Videoclips und Computerspiele, bieten.

Eine Steilvorlage für den Greifswalder Professor für Religions- und Medienpädagogik Roland Rosenstock, der gemeinsam mit seiner Doktorandin Ines Sura die Tagung leitete. Er ist Vorsitzender des Vereins Medienbildung Greifswald und Leiter der hiesigen Computerspielschule. Gute Spiele mit guter Ästhetik könnten in einer neuen Form des Erzählens religiöse Erfahrungen vermitteln. Etwas, was schon in Werken Caspar David Friedrich nachvollziehbar sei.

Wenn das eigene Leben früher über Texte in Tagebüchern und Fotoalben erzählt worden sei, biete Facebook nunmehr viel mehr Möglichkeiten, sein Leben autobiographisch einer sozialen Öffentlichkeit zu erzählen, die die Inhalte kommentieren könne. Der Nutzer mache dabei Erfahrungen der Rechtfertigung, der Scham. „Es entwickeln sich neue Rituale“, beschreibt der Professor.

Ines Sura befasst sich in ihrer Dissertation unter anderem damit, wie Medien die Religion beeinflussen, welche religiösen Erfahrungen Menschen mit Computerspielen machen, auch wenn sie selbst nicht religiös sind. Im Gegensatz zu Filmen seien diese Spiele interaktiv und ermöglichten darüber andere Erlebnisformen. Religion sei Anschauung und Gefühl, zitiert sie den großen protestantischen Theologen Friedrich Schleiermacher (1768 bis 1834). Gute Spiele mit guter Ästhetik und der passenden Musik könnten bei Menschen viel erreichen, betont Rosenstock.

Er appelliert darum an die Kirche, ihre aktuell überwiegend negative Haltung zu den neuen Medien zu ändern und stattdessen deren Chancen für die Vermittlung ihrer Botschaft im Internet, dem Medium der Zukunft, zu nutzen. Sie müsse Kompetenzen vermitteln, sich für Kinderrechte, Datenschutz und Medienethik im Netz einsetzen. Medienbildung gehöre in die Theologenausbildung. „Sie muss eine der wichtigsten Aufgaben kirchlicher Bildungszentren sein“, sagt Rosenstock. Dafür müssten Ressourcen eingesetzt werden. Derzeit konzentriere sich Pressearbeit zu sehr auf das Image.

Eckhard Oberdörfer

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