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Greifswald Wetten, dass... der Ryck sauberer wird?
Vorpommern Greifswald Wetten, dass... der Ryck sauberer wird?
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00:05 10.10.2017
Der Big Jump 2012: Damals machten rund 30 Studenten auf die dürftige Wasserqualität des Ryck aufmerksam. Quelle: Foto: Kai Lachmann

Ein bisschen was zu verlieren hat Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) so oder so: „Wetten, dass am 14. Oktober in Greifswald mindestens 50 Leute in den Ryck springen?“ fragt er. Gewinnt er diese Wette, muss er auf dem Weihnachtsmarkt kostenlos Punsch und Glühwein ausschenken. Verliert er sie, gibt’s wohl ein paar enttäuschte Gesichter.

Denn der „Ryck Jump“, der kollektive Sprung in den Ryck, ist kein Selbstzweck, sondern Teil einer Kampagne: Die Stadt, die Uni und viele Mitstreiter laden zum „Aktionstag Sauberer Ryck“ ein – mit Angeboten rund um Wassersport, -schutz und -qualität, die die Greifswalder für die Frage sensibilisieren sollen: Wie geht es dem Fluss, welche Probleme hat er? Welche Tiere, Pflanzen, Menschen nutzen ihn, wer verfolgt da welches Interesse?

Schon im Wahlkampf hatte Fassbinder die Devise ausgegeben: Die Wasserqualität des Ryck, die bisher nur als „mäßig“ gilt, müsse besser werden – so gut, dass man gern darin bade. „Ob wir schon in meiner Legislaturperiode den Stempel Badegewässer drauf setzen können, weiß ich nicht“, sagt er. „Aber wir sind auf einem guten Weg.“

Im vergangenen Jahr hatte der OB mit Stefan Seiberling, Leiter des Zentrums für Forschungsförderung und Transfer an der Uni Greifswald, die Initiative „Sauberer Ryck“ gegründet. „Wir haben sehr schnell viele Mitstreiter gefunden“, erzählt Fassbinder. Fachleute der Uni, von Ämtern des Landes, Vereinen, Verbänden und Stiftungen wie der Ostsee- und der Michael Succow-Stiftung, außerdem Landwirte seien nun erstmals im direkten Austausch über die Frage: „Wie können wir die Wasserqualität des Ryck verbessern, was ist da sinnvoll und finanzierbar?“ Zwar habe der Bau einer modernen Kläranlage die Qualität schon gehoben. Das allein reiche aber nicht.

Einer der Hauptgründe für die mäßige Qualität: Im Bereich des Oberlauf, jenseits der Steinbecker Brücke, ist der Fluss zu einer Rinne künstlich verengt, direkt daneben liegen landwirtschaftlich genutzte Flächen. Nährstoffe wie Dünger gelangen leicht hinein.

Zweites Problem: „Viele der Nutzflächen liegen auf trockengelegtem Moor“, weiß Seiberling. Der dadurch freigesetzte Stickstoff belaste den Fluss ebenfalls stark. „Auch weggeworfener Müll ist ein Problem“, sagt Stefan Fassbinder, ebenso wie die Tatsache, dass der Ryck kaum Tiefen und kaum Strömung hat, „und es gibt vermutliche weitere Ursachen, die wir aber erst noch finden müssen.“

Ein kleiner erster Erfolg: In der „Greifswalder Agrarinitiative“ diskutieren Bauern, Landeigner und Wissenschaftler Konzepte für eine schonendere Landwirtschaft am Ufer. Vor allem das Moor Centrum der Uni kann da Konzepte beisteuern: als Experte dafür, wie man Landwirtschaft auf wiedervernässten Flächen betreiben kann.

Am Aktionstag „Sauberer Ryck“ sollen die Besucher an einer Exkursion entlang des Ryck teilnehmen können, sich über den Fluss als Lebensraum, über Probleme und Lösungsideen informieren. Am Oberlauf, etwa 2,5 Kilometer von der Steinbecker Brücke in Richtung Tierpark, ist eine Baumpflanzaktion geplant: 25 Schwarzerlen sollen in den Boden gebracht werden, als Auftakt für weitere Pflanzungen am Ufer. „Untersuchungen haben gezeigt, dass es günstig ist, wenn der Ryck stärker beschattet ist“, erklärt Fassbinder, „weil das die Algenbildung reduziert.“

Vor dem Ryck Jump sollen Taucher Müll vom Boden des Flusses holen. Außerdem können Besucher von Booten aus Abfall aus dem Schilfgürtel sammeln. Infostände an der Museumswerft, Live-Musik und Imbiss gibt es auch, Bastelaktionen für Kinder, außerdem das Angebot, zu segeln, zu rudern oder Kanu zu fahren. Alles in allem ein Tag, der zeigen soll: Schön, dass wir einen Fluss haben. Pflegen wir ihn.

Aktionstag Sauberer Ryck am 14. Oktober

9 bis 12 Uhr Taucher holen Müll aus dem Ryck

11.15 Uhr Eröffnung an der Museumswerft

11.30 Uhr Ryck-Exkursion mit Experten

11 bis 16.30 Uhr Bauen, basteln, forschen

11.30 bis 16.30 Uhr Segeln, rudern, Kanu

11.30 bis 15.30 Uhr Traditionsschiffe offen

12 Uhr Aufbruch zum Bäumepflanzen (mit Rädern)

12.30 bis 14.30 Uhr Müll sammeln für alle

15 Uhr Ryck Jump

Sybille Marx

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