Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald WhatsApp im Schulunterricht?
Vorpommern Greifswald WhatsApp im Schulunterricht?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 12.10.2018
Greifswald

Viele Schüler verabreden sich heute über den Messenger-Dienst WhatsApp. Klassen bilden Gruppen und tauschen sich dort über Hausaufgaben oder Partys aus.

Messenger stößt bei Eltern auf Dankbarkeit, aber auch auf strikte Ablehnung

„WhatsApp, Snapchat, Facebook gehören zum Alltag der Schüler“ stellt die Professorin für deutsche Sprache, Christa Dürscheid, fest.

Muss diese Realität im Unterricht eine Rolle spielen? Sollten Lehrer Mitglieder der WhatsApp-Gruppe der Klasse XY sein? Kommt über das schnelle Texten das Ende der normierten Rechtschreibung und Grammatik, wenn Groß- und Kleinschreibung oder vollständige Sätze dort nur noch eine untergeordnete Rolle spielen? Die Wissenschaft sucht Antworten auf diese Fragen – und in der Schweiz läuft ein großes Forschungsprojekt, an dem die Züricherin Christa Dürscheid beteiligt ist. Dafür stellten Bürger ihre Smartphone-Unterhaltungen zur Verfügung.

Ein Jahr lang hat Dürscheid über „Schrift und Bild in der mobilen Kommunikation“ am Greifswalder Krupp-Kolleg geforscht. Da ging es um den angeblichen Siegeszug der Emojis, der lachenden Gesichter und Symbole, mit denen man Sätze ohne Buchstaben auf einem iPhone schreiben kann. „Nach der letzten JIM-Studie zur Mediennutzung von 2017 tauschen sich 94 Prozent der 12- bis 17-Jährigen regelmäßig über WhatsApp aus“, sagte Dürscheid auf einer Fortbildungsveranstaltung für Lehrer der Region im Krupp-Kolleg. „Instagram folgt mit 57 Prozent.“ Internet und Smartphone liegen bei der Mediennutzung etwa gleichauf vorn, der Kinobesuch spielt nur noch eine ganz geringe Rolle. Auch Bücher „sind out“.

Ein Smartphone gibt es laut dieser Studie in 99 Prozent der deutschen Haushalte mit 12- bis 17-Jährigen, 97 Prozent der Jugendlichen besitzen eines. Im Unterricht indes ist das Smartphone noch nicht richtig angekommen und umstritten. In Frankreich hat das Parlament ein Handy-Verbot für Schulen beschlossen. Nur von einem Drittel der deutschen 18- bis 19-Jährigen wird es einmal pro Woche im Unterricht genutzt.

„Wir befassen uns mit der Auswirkung permanenter Smartphone-Nutzung auf das Kommunikationsverhalten“, so Dürscheid. Beispielsweise werde die Kommunikation zwischen Menschen durch eingehende Nachrichten gestört. „Es gibt Gründe dafür und dagegen, die Handy-Nutzung im Allgemeinen und die WhatsApp-Kommunikation im Besonderen zum Unterrichtsgegenstand zu machen.“ Das zeigte sich auch in der Diskussion mit Lehrern bei der Weiterbildungsveranstaltung. Der Umgang mit dem Smartphone ist laut dieser Stichprobe an den Schulen der Region sehr unterschiedlich und reicht von regelmäßig bis gar nicht.

Eine Pädagogin warb beispielsweise dafür, als Gast WhatsApp-Gruppen von Klassen beizutreten, wenn man schon aus Datenschutzgründen nicht Administrator sein könne. Damit könne man gut und schnell zum Beispiel mit dem Elternrat kommunizieren. Privates sei tabu. Eltern seien dankbar, dass es diese Art des Austausches gebe. Andere lehnten diese Nutzung des Nachrichtendienstes strikt ab, weil man damit den Eigner von WhatsApp, den Großkonzern Facebook, unterstütze, der wegen seines Datenmissbrauchs in die Schlagzeilen geriet. Da die Schüler heute großteils smartphoneorientiert sind, sollte man sich aber zumindest der kritischen Reflexion über den Sprachgebrauch in der digitalen Kommunikation mit WhatsApp und Co. im Unterricht nicht verschließen.

„Dieses Herangehen trägt dazu bei, die in den Lehrplänen immer wieder geforderte Medienkompetenz zu fördern“, sagt Christa Dürscheid. So biete die Analyse von WhatsApp-Dialogen eine gute Möglichkeit, zum Beispiel über die Angemessenheit des bei WhatsApp üblichen Sprachgebrauchs mit Emojis, unvollständigen Sätzen und Abkürzungen zu diskutieren. „Ein Modethema, wie viele annehmen, ist das nicht“, so die Professorin. „Es kann vielmehr eine Schnittstelle zwischen dem Alltagsleben und dem Lernen in der Schule sein.“

Eckhard Oberdörfer

Seit Anfang Oktober ist Michael Steuer (35) neuer Geschäftsführer der Usedom Tourismus GmbH (UTG). Er setzt auf die Digitalisierung, Qualität auf der Insel und neue Quellmärkte.

12.10.2018

Erwin Kohrt trainiert mehrmals wöchentlich – und steckt andere mit seiner guten Laune an.

12.10.2018

Grüne: Ohne Ausweisung von Eignungsgebieten droht Wildwuchs / Amt dementiert

12.10.2018