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Greifswald Wichtiger als Noten – selber denken!
Vorpommern Greifswald Wichtiger als Noten – selber denken!
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11:48 02.02.2018
Der Unterricht ist interessant. Die Lehrer setzen sich für uns ein. Die Schule muss jedoch moderner werden.Vanessa Schuhmacher, 10. Klasse
Gützkow

„Schüler sollten für ihre Lebensziele lernen“, sagt Ulf Hadrath, Leiter der Peenetal-Schule Gützkow. In der Regionalen Schule mit Grundschule erwerben die 425 Mädchen und Jungen entweder die Berufliche oder die Mittlere Reife. „Ich bedaure, dass Noten so bedeutend sind“, sagt er.

Die Berufsberatung ist offen und flexibel. Ich werde Sanitäter bei der Bundeswehr, das ist mein Traumberuf. Joseph Riemer, 10. Klasse
Die Schüler sollen verstehen, wofür sie im Unterricht lernen, und erkennen, was ihr langfristiges Ziel ist. Marie-Christin Richardt (28), Lehrerin, Deutsch / Philosophie
Die Schüler sollen ihren eigenen Weg finden – zu welchem Abschluss sie dann gelangen wollen, ist sekundär.Ulf Hadrath (56), Schulleiter

Schulnavigator

Die OZ präsentiert im Schulnavigator alle weiterführenden freien und staatlichen Schulen in Greifswald und Umgebung.

Bisher sind erschienen: Schlossgymnasium Gützkow, Ostseegymnasium, Waldorf-, Arndt-, Fischer-, Montessori- und Caspar-David-Friedrich-Schule, Jahn- und Humboldtgymnasium, Martinschule, Schule am Bodden Neuenkirchen, Lubminer Schule, Musikgymnasium Demmin und die Förderschule Behrenhoff.

Dem stimmt Marie-Christin Richardt zu. Den Schülern solle deutlich werden, warum ihnen das Schulwissen nützt, sagt die 28-jährige Philosophie- und Deutschlehrerin, die seit zwei Jahren in Gützkow arbeitet. „Philosophieren vermittelt kritisches, selbstständiges Denken und befähigt, Zusammenhänge besser zu verstehen“, sagt sie. Das sei wichtiger, als den Stoff auswendig zu lernen.

„Fächerübergreifender Unterricht, kreative Projekte und alltagsnahe Themen interessieren die Schüler“, sagt Richardt. Dazu gehöre etwa, Deutsch und Informatik miteinander zu verknüpfen, wenn Schüler am Computer Bewerbungen schreiben. Oder auch die Themen Wasser und Energieverbrauch, die gleichzeitig in Biologie, Chemie und Physik behandelt werden können. Im Wahlpflichtunterricht sind Hasskommentare und Mobbing im Internet Themen, weil sie fast jedem Schüler schon einmal begegnet seien.

Besonderen Anklang fand das Videoprojekt „Die Stuhlkrise in Gützkow“, für das die Schüler „Feuer und Flamme“ waren, sagt Projektleiterin Richardt. Heraus kam ein satirischer Film, in dem Schüler Eimer in ihr Klassenzimmer tragen, damit sie nicht auf dem Boden sitzen müssen. Im Herbst 2017 wird nämlich neben dem Hauptgebäude ein Erweiterungsbau mit vier Klassenzimmern fertig gestellt, für den neue Stühle gebraucht werden. „Das Video war Teil eines Wettbewerbs“, sagt Ulf Hadrath. „Wir haben 500 Euro gewonnen, die in die Ausstattung des Erweiterungsbaus fließen.“ Wichtiger als das Geld sei jedoch, wie die Schüler auf das Projekt reagiert haben, sagt Marie-Christin Richardt: „Die Schüler in der 9a verstehen sich seitdem besser.“ Das bestätigt Pascal Bialek (15): „Der Zusammenhalt ist besser geworden“, findet er. „Das Projekt hat Spaß gemacht, weil es abwechslungsreich war und wir selbst entscheiden konnten. Davon wünsche ich mir mehr.“

Wegen solcher Projekte und der Berufsberatung schätzt auch Vanessa Schuhmacher (16) ihre Schule. „Ich weiß bereits, dass ich nach meinem Abschluss Kauffrau werden möchte“, sagt die Zehntklässlerin.

Die regelmäßige Beratung durch die Arbeitsagentur sei praktisch gewesen. Zur Berufsvorbereitung zählen auch Praktika in der 8., 9. und 10. Klasse. Das Berufswahlsiegel MV, unter anderem von Unternehmerverbänden und der Arbeitsagentur verliehen, bescheinigte der Schule 2013 eine vorbildliche Berufsvorbereitung, zu der Jobmessen, eine Potenzialanalyse in der 7. Klasse und der Berufswahlpass gehören. Die Berufseinstiegsbegleitung der Arbeitsagentur hilft momentan zwölf Kindern mit emotional-sozialen oder Lernschwierigkeiten. In Zukunft werden mehr Schüler mit solchen Handicaps in den regulären Klassen sitzen, blickt Ulf Hadrath voraus. „Spätestens dann brauchen wir andere Bewertungen als Noten, zum Beispiel Berichte über die konkreten Lernfortschritte, so wie es bereits heute in den Grundschulen möglich ist“, sagt er.

Ausstattung: Erweiterungsbau

Der Erweiterungsbau mit vier neuen Klassenzimmern, einem Lehrerzimmer und einer Aula soll eine moderne Ausstattung bekommen. Dazu gehören Beamer und PCs in jedem Klassenraum und kabelloses Internet im gesamten Gebäude. Im Hauptgebäude sind insgesamt sechs Beamer. Smartboards gibt es nicht in allen Klassenzimmern. Zudem stehen eine Turnhalle und ein Sportplatz bereit. Fahrradstellplätze sind vorhanden.

Förderangebote: Auf jeden eingehen

Eine Pädagogin mit sonderpädagogischer Aufgabenstellung ist einmal wöchentlich in der Schule, um im Unterricht zu helfen. Bei Bedarf kümmern sich auch zwei Lehrer um eine Klasse, um Schüler individuell zu fördern. Das bedeutet, dass Schüler in Deutsch, Englisch und Mathematik in Kleinstgruppen von ungefähr fünf Schülern außerhalb des Unterrichts gefördert werden oder spezielle Aufgaben im Unterricht bekommen.

Freizeitangebote: Yoga und Tanzen

Die Schulsozialarbeiterin unterrichtet einmal wöchentlich Kinderyoga an der offenen Ganztagsschule. Die Nachmittagsangebote von Montag bis Donnerstag sind nicht verpflichtend. Wer sie wahrnehmen will, kann in der „kreativen Auszeit“ basteln. Zudem kann er Schach spielen, Töpfern und Tanzen, Gitarre spielen oder sich in Selbstverteidigung unterrichten lassen. Am Freitag gibt es wegen der Busfahrzeiten keine Angebote.

Lehrer: Junge Kräfte gesucht

Momentan sind 36 Lehrer fest angestellt, dazu kommen sieben Gastlehrer und eine Schulsozialarbeiterin. Doch es wird Nachwuchs in Religion, Biologie, Chemie und Mathematik gesucht, weil im Schuljahr 2017/18 sechs Lehrer in den Ruhestand gehen werden. Das Lehrerkollegium absolviert jährlich mehrere Fortbildungen des Instituts für Qualitätssicherung MV und zum Thema Inklusion. Einmal pro Monat ist der Elternsprechtag.

Essen: Neue Mensa ab Herbst 2017

Die Schüler müssen momentan außerhalb der Schule essen. Die Fleischerei Risch in Schulnähe serviert ihnen das Mittagessen, das zwei Euro pro Kind kostet. 15 Schüler nutzen diese Möglichkeit. Im Erweiterungsbau soll dann ab dem Schuljahr 2017/18 die Aula als Mensa genutzt werden. Dort stehen Plätze für 80 Schüler bereit. Die Schulsozialarbeiterin verkauft belegte Brötchen für dreißig Cent, dabei helfen ihr Sechstklässler.

Christopher Gottschalk

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