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Wie der Traum vom Küstenkind wahr wurde

Greifswald Wie der Traum vom Küstenkind wahr wurde

Zwei Freundinnen wagten die Firmengründung im Studium / Im „Pitchlab“ berichten sie, wie es lief

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Debora Polzer (links) und Samil Schlick (beide 26) in ihrem Café Küstenkind in der Langen Straße. Seit Februar leiten die beiden Studentinnen ihren eigenen Laden mit mittlerweile sieben Angestellten.

Quelle: Foto: Christopher Gottschalk

Greifswald. Von der Spinnerei zur Wirklichkeit: Das ist die Geschichte von Debora Polzer und Samin Schlick, zwei 26-jährigen Studentinnen und Freundinnen. Das sind sie in erster Linie zwar immer noch. Doch seit Kurzem sind sie mit ihrem „Café Küstenkind“ in der Langen Straße auch Unternehmerinnen und Geschäftspartnerinnen. Vor einem halben Jahr waren sie noch Neulinge, nun wird alles nach und nach gewohnter, professioneller. Ihre Erfahrungen werden sie im „Pitchlab“ teilen.

Bei dieser Veranstaltungsreihe sollen Kreative, Jungunternehmer und Selbstständige ins Gespräch kommen. Erfolgreiche Firmengründer erzählen dort ihre Geschichten, halten Vorträge über bestimmte Aspekte, berichten von der Freiheit als Selbstständiger, aber auch von Zwölf-Stunden-Tagen oder unerwartete Hindernisse. Die fünfte Greifswalder Auflage ist morgen im Biotechnikum.

„Hätte ich davon gewusst, wäre ich auch mal zu einem Pitchlab gegangen“, sagt BWL-Studentin Polzer. „Stattdessen wuppten sie und Psychologiestudentin Schlick ihre Unternehmensgründung auf eigene Faust. Ein gemütliches Café zum Abschalten und Entspannen hätte ihnen in Greifswald gefehlt. Beide kannten die Gastronomie durch verschiedene Jobs. Wie man gründet, wussten sie nicht. Was zunächst als „Spinnerei“ (Samin Schlick) am WG-Küchentisch begann, wurde bald ernst. Der Grund: Leerstand.

„Im vergangenen Herbst standen einigeLäden in der Innenstadt leer und wir dachten uns: Wenn, dann jetzt oder nie!“, sagt Debora Polzer. Die Energie wanderte in den nun greifbaren Gründungstraum.

Dafür verschoben sie Prüfungen. Gute Organisation sei das Mittel zum Erfolg gewesen, so Polzer. „Spätestens als wir die Immobilie gesehen haben, haben wir uns ernsthaft mit einem Businessplan auseinandergesetzt“, sagt Samin Schlick. Eine Vorlage dafür fanden sie im Internet, ließen sich von einem Bekannten und einer Wirtschaftsfördergesellschaft beraten. 1000 Euro bekamen sie durch den zweiten Platz beim „Unique+ Businessplan“- Wettbewerb der Universität Greifswald. Einen Kredit bei einer Bank, Investitionen aus eigener Tasche und Hilfe von Familie und Freunden später eröffneten sie im Februar ihren Laden. Mittlerweile beschäftigen sie sieben Mitarbeiter.

Im Café stehen Holztische, Sofa und Sessel, eine Wand ist nicht tapeziert, an einer anderen hängt Kunst. Veganes und Regionales ist im Angebot. Rustikal, aber einladend, hip. „Kreuzberger Flair“

nennt es eine Kundin auf einer Onlineplattform. „Es ging nicht darum, einen Stil zu kopieren. All diese Möbel würde ich mit auch in meine Wohnung stellen“, sagt die in Berlin geborene Debora Polzer.

Die beiden kamen zum Studium nach Greifswald und haben sich hier nun eine Existenz aufgebaut. Auch deswegen wurden sie nun zum „Pitchlab“ eingeladen.

Verantwortlich dafür ist Katja Wolter, Mitbegründerin der Greifswalder Auflage des „Pitchlabs“. „Wir haben dieses Mal die Geschichte des Café Küstenkind, außerdem eine Rednerin, die weggezogen ist und nun wieder zurückkehren möchte und einen Redner, der in Greifswald geblieben ist und hier selbstständig wurde“, kündigt Wolter an.

Gemeint ist der 32-jährige Enrico Pense. Der Greifswalder Künstler, Grafiker und Illustrator arbeitet seit elf Jahren selbstständig. Viele Greifswalder kennen seine Bilder: Er besprüht Stromverteilerkästen, Trafohäuschen, Hausdurchgänge und hat einen Plattenbau in der Spiegelsdorfer Wende verschönert. Aus seinem Talent eine Firma zu machen, war nicht geplant. Wie es dann doch klappte, wird er im Biotechnikum erzählen. „Ich bin da quasi reingerutscht. Es hat sich mit der Zeit ergeben“, sagt er. Auftragszahlen wuchsen, der Bedarf nach Mitarbeitern auch. Ein festes Team aus drei Mann hat sich gefunden, dazu kommen andere Freiberufler: Programmierer, Grafiker, Illustratoren. Netzwerke zählen. Die dritte Rednerin ist Melanie Noormann. Die 40-jährige Floristin ist Spezialistin für Hochzeiten und andere Ereignisse.

Pitchlab im Biotechnikum

Das Pitchlab – frei übersetzt Ideenlabor – gibt es seit 2015. Es wurde in Rostock ins Leben gerufen. In Greifswald gab es die erste Auflage Ende 2016.

Das Prinzip: Die Kurzvorträge sind die „Pitches“, Ideenimpulse. Nach ihnen können Besucher untereinander und mit den Rednern ins Gespräch kommen. Diese Diskussionen sind das Labor, in dem Ideen ausprobiert werden.

Das fünfte Greifswalder „Pitchlab“ ist morgen um 18.30 Uhr im Biotechnikum,

Walther-Rathenau-Straße 49a.

Christopher Gottschalk

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