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Greifswald Wieder brennen leerstehende Häuser
Vorpommern Greifswald Wieder brennen leerstehende Häuser
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00:01 13.08.2016
In der Nacht zu Freitag brannte dieses ehemalige Wohn- und Geschäftshaus in Gützkow nieder. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Quelle: bm

In der Nacht zu Freitag brannten erneut zwei leerstehende Häuser. Um 23.40 Uhr wurden die Einsatzkräfte der Berufs- und der Freiwilligen Feuerwehr Greifswald zu einem Brand im Industriegebiet Herrenhufen gerufen. Zwei Stunden später rückten die Freiwilligen Feuerwehren Gützkow, Bandelin und Jarmen zu dem Brand eines ehemaligen Wohn- und Geschäftshauses im Zentrum Gützkows aus.

Die Brandserie geht weiter / Ein Gebäude im Industriegebiet Herrenhufen und eines in Gützkow in Flammen

Die Ursachenermittler in der Peenestadt gehen von Brandstiftung aus. „Ein technischer Defekt kann noch nicht komplett ausgeschlossen werden“, räumt Polizeisprecherin Denise Lemke aber ein. Bei dem Feuer in einer Baracke im Greifswalder Industriegebiet handelt es sich laut Lemke definitiv um vorsätzliche Brandstiftung. Das Gebäude brannte bereits zum zweiten Mal. Während die Einsatzkräfte das erste Feuer im Mai schnell löschen konnten, ging das Haus diesmal komplett in Flammen auf. In der Nacht des ersten Feuers brannten insgesamt fünf Baracken in Greifswald. Die Polizei prüft einen möglichen Zusammenhang der beiden nächtlichen Brände mit der Brandserie der vergangenen Monate in Greifswald und Umgebung (siehe Kasten).

Als die Freiwillige Feuerwehr Gützkow um 2.05 Uhr mit dem ersten Löschtrupp in die Pommersche Straße kam, „brannte der Dachstuhl des Hauses schon in voller Ausdehnung“, so Einsatzleiter Mirko Peters.

Der rechte Giebel sei bereits eingestürzt gewesen, „der linke neigte sich im Laufe der Zeit gefährlich nach links und drohte auf das benachbarte Haus zu stürzen“.

Dort befindet sich ein Betreutes Wohnen des Wohnzentrums Peenetal für Menschen mit Behinderungen in Gützkow. Kerstin Lenz, Leiterin der Einrichtung, ist der Feuerwehr für ihr „umsichtiges Handeln unendlich dankbar“. Die sechs Bewohner mit geistiger oder mehrfacher Behinderung im Alter zwischen 20 und 50 Jahren sowie ein Betreuer wurden vorsorglich evakuiert. „Wir konnten die Bewohner in unserem Haupthaus unterbringen. Gestern Mittag durften sie bereits zurück“, sagt Lenz. Verletzt wurde niemand.

Der nächtliche Einsatz zog sich über mehrere Stunden hin. Kurz vor vier Uhr wurde Gützkows Bürgermeisterin Jutta Dinse von der Einsatzleitstelle aus dem Bett geklingelt. „Ich sollte entscheiden, ob die Stadt die Kosten übernimmt, wenn der linke Giebel des Hauses abgetragen wird“, sagte sie. Angesichts der Gefahr für das Nachbarhaus habe sie umgehend den Gützkower Transportunternehmer Armin Görs beauftragt, die Feuerwehr mit seiner Technik zu unterstützen und das Mauerwerk geordnet abzutragen. Am Vormittag taten sich erneut Glutnester auf. „Die Holzbalken im Inneren fingen immer wieder an zu schwelen“, sagte Stadtwehrleiter Uwe Rieck. Deshalb wurde später auch entschieden, eine Brandwache einzuteilen.

Derweil versuchte das Amt Züsso, den Eigentümer des zuletzt unbewohnten Hauses ausfindig zu machen. „Das gestaltet sich schwierig. Wir haben zwar eine Adresse, können aber den Besitzer nicht erreichen“, sagte Jutta Dinse. Die Stadt gehe nun erst einmal mit den Kosten in Vorleistung. Gleiches treffe auf die Einzäunung zu, die aus Sicherheitsgründen veranlasst wurde. „Außerdem bekommt die Feuerwehr natürlich Stiefelgeld für den Einsatz. Für uns als Stadt ist es schwer, dies alles zu finanzieren. Wir müssen sehen, wie wir das Geld wieder zurückkriegen“, sagte die Bürgermeisterin. Damit das Haus keine Zukunft als Schandfleck bekomme, müsse jetzt eigentlich der komplette Abriss folgen. „Doch das müssen wir verhandeln. Wir werden erst einmal kein Geld in die Hand nehmen“, sagte sie.

Bei der Online-Wohnungsbörse Immonet steht die Pommersche Straße 56 übrigens zum Verkauf. Das zweigeschossige Haus mit ausbaufähigem Dachgeschoss sollte 59000 Euro kosten.

Wer etwas gesehen hat, wird gebeten, sich bei der Polizei zu melden unter der Nummer ☎ 0395/55822223 oder bei jeder anderen Dienststelle.

Brandserie in Greifswald und Umgebung

29. März: Das leerstehende frühere Geschäftshaus „Rycky Moden“ in der Straße An den Wurthen in Greifswald brannte in der Nacht nieder. Mittlerweile wurde das Gebäude abgerissen.

6. Mai: Der Anbau des Speichers in der Marienstraße brannte. Die Polizei ermittelte drei Kinder im Alter von 13 und 14 Jahren als Täter.

11. Mai: In einer Nacht wurden in Greifswald fünf Feuer in größtenteils leerstehenden Häusern gelegt, drei im Industriegebiet Herrenhufen und zwei weitere am Gorzberg.

12. Mai: In einer leeren Halle in der Straße Am Gorzberg nahe des Jobcenters gab es ein Feuer.

17. Mai: Ein zweigeschossiges leerstehendes Haus der Deutschen Bahn ging am Greifswalder Bahnhof in Flammen auf.

25. Mai: Das ehemalige Fastfood-Restaurant „Doris Diner“ in Wackerow brannte nieder.

Petra Hase und Katharina Degrassi

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