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Greifswald Wildtierhilfe kommt nach Greifswald
Vorpommern Greifswald Wildtierhilfe kommt nach Greifswald
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00:01 18.03.2016
Heike Gronow bietet eine Pflegestelle an. Feldhase „Hasi“ (im Bild) konnte inzwischen ausgewildert werden. Auch Füchsin „Lucy“ und Waschbär „Pirschel“ wurden von ihr aufgepäppelt. Quelle: privat

Schätzungsweise 500000 Tiere sterben jährlich in Deutschland bei der Wiesenmahd, den Mäharbeiten von Landwirten. Meist liegen Rehkitze, Feldhasen und bodenbrütende Vögel im hohen Gras versteckt und sind für die Bauern nicht sichtbar. Frank Domke vom Wildtierhilfeverein MV hat deshalb vor drei Jahren einen Hexacopter entwickelt, der sich in der Region Rostock bewährte. Nun möchte der Verein den Mini-Hubschrauber auch in Greifswald und Umgebung etablieren.

Das Gerät fliegt vorgegebene Areale nach GPS-Daten selbständig ab, ausgestattet mit einer Video- und einer Wärmebildkamera. Per Liveübertragung liefern diese Kameras Bilder von im hohen Gras liegenden Tieren. Wird ein Kitz ausfindig gemacht, wird es mit einem Windschutz eingezirkelt und bleibt in diesem Zirkel, bis die Mäharbeiten beendet sind.

Nach Angaben des Vereins wurden seit der Einführung des Copters vor vier Jahren auf diese Weise rund 70 Rehe gerettet. „Wir haben mit den Landwirten, mit denen wir zusammenarbeiten, nur positive Erfahrungen gesammelt“ sagt Sandra Tschirner, Leiterin des Greifswalder Teams im Verein. Leider nähmen das Angebot aktuell aber nur wenige Bauern in Anspruch: „In der Umgebung Rostock kontaktieren wir alle Landwirte, bekommen aber meist nur Absagen oder keine Rückmeldungen.“

Trotzdem will die Wildtierhilfe nun auch in Greifswald und Umgebung das Umweltbewusstsein zu fördern versuchen, Tier- und Naturschutz leisten und die Jungtierverluste bei der Wiesenmahd vermeiden.

„Wir sind sieben Personen, die alle ehrenamtlich arbeiten“, erzählt Tschirner. Und in Greifswald habe im letzten Jahr eine erste Privatperson das Angebot der Drohne in Anspruch genommen — eine Person, die Heu für ihre Pferde mäht.

Der Versuch, Wildtiere mittels der Drohne zu retten, ist kostspielig: 30000 Euro investierte die Wildtierhilfe in die Technik. Der Copter selbst kostet 5000 Euro, hinzu kommen mehrere Akkus und Ladestationen für große Wiesen, außerdem Anhänger, Bildschirme, Wärmebildkamera und Videobrillen. Für die Landwirte dagegen sei das Angebot kein Mehraufwand, betont Sandra Tschirner. Sie müssten lediglich dem Verein mitteilen, wann sie ihre Wiesen mähen wollen. Es gebe zwar einen minimalen Ertragsverlust für die Bauern, doch die Aktion habe ansonsten nur Vorteile. Übermähte Kitze seien nämlich Infektionsherde in den Silagen, erklärt Sandra Tschirner. So könnten Botulinumtoxine entstehen, die die Tiere auf dem Hof langsam und qualvoll töten könnten.

Ein weiteres Anliegen des Vereins Wildtierhilfe MV sind Pflegestellen. Feldhasen, Igel, Füchse und Rehkitze, die aufgepäppelt werden müssen, brauchen Platz. „Aktuell haben wir in Greifswald nur eine Person, die Igel wieder fit macht“, erzählt Sandra Tschirner weiter. „Wir suchen Personen, die Erfahrungen mit Tieren und genug Platz haben.“ Ein Feldhase brauche zum Beispiel ein Außengehege mit mehreren Quadratmetern Platz. Und: „Die Tiere dürfen sich nicht an die Menschen gewöhnen, wir wollen sie ja wieder auswildern.“ Finanzielle Entschädigung kann die Wildtierhilfe den Helfern nicht bieten, da sie selbst auf Spenden angewiesen ist. „Wenn es dem Feldhasen gut geht, kostet das 100 bis 150 Euro, bis man ihn auswildern kann“, schätzt Sandra Tschirner. „Igel sind da preiswerter, die kann man auch in der Wohnung in einem Käfig halten.“

Falsche Hilfe

Feldhasenjungen, die verwaist scheinen, sollten nicht mitgenommen oder angefasst werden, rät die Wildtierhilfe. Bei den Tieren sei es normal, dass sie allein in Senken säßen und auf ihre Mutter warteten, die nur zweimal am Tag zurückkehre. Ein Jungtier sollte nur mitgenommen werden, wenn mit dem bloßen Auge Verletzungen sichtbar sind. Wer Platz für eine Pflegestelle hat, kann sich bei Sandra Tschirner melden, ☎ 0176458 415 97

Von Laura Weigele

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