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„Wir haben keine besseren Demokraten“

Greifswald „Wir haben keine besseren Demokraten“

Als „Geschichtsexorzismus“ und als „Wegsäubern“ bezeichnet der Historiker und Journalist Götz Aly die Forderung, Ernst Moritz Arndt aus dem Namen der Greifswalder Universität zu entfernen. Es gebe genug Gründe, den Pommern zu ehren.

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Ernst Moritz Arndt auf einem Gemälde

Quelle: P.Binder

Greifswald. Der prominente Historiker und Journalist Götz Aly ist gegen die Trennung von Ernst Moritz Arndt als Patron der Uni Greifswald. Er hat dafür das Wort „Geschichtsexorzismus“ verwendet. Im Interview mit der OZ kritisiert Aly die Selbstgewissheit, mit der die Aktivisten des Wegbenennens auftreten.

ihnen fehle Demut vor der Geschichte, vor den Leistungen und Irrtümern unserer Vorfahren, meint er. Laut Aly halten die Anti-Arndt-Aktivisten sich für die besseren Menschen und glaubten, an der Spitze des moralischen Fortschritts zu stehen. „Aus solchen Einbildungen erwachsen Antiliberalismus und Totalitarismus“, sagt Aly.

Ernst Moritz Arndt stehe exemplarisch für die deutsche Demokratiebewegung des 19. Jahrhunderts, sagt der Historiker. „Er ist eine zentrale Figur jener Zeit. Wir haben keine besseren Demokraten als ihn und seine Freunde. Arndt und andere wollten aus ihrer Sicht Gutes, schufen dabei aber unbestritten auch Böses. Über diese Ambivalenz – wie das Böse auch aus dem Guten entsteht – ist nachzudenken. Arndt soll nicht als Held, sondern als Person des Anstoßes bewahrt werden, über die nachgedacht werden soll – zum Nutzen für uns Heutige.“

Aly schätzt an Arndt, dass er sich für Demokratie, Freiheit, Pressefreiheit, Volksbildung, ein humanes Kriegsrecht und öffentliche Gerichte, die Aufhebung der Leibeigenschaft, einsetzte und  dafür seine Karriere riskiert.

Antisemitismus und Franzosenhass würden zu den bösen Seiten Arndts gehören, räumt Aly ein. Aber Arndts Franzosenhass sei auch eine Reaktion auf die oft übersehene Härte der napoleonischen Besatzung nach der Eroberung der deutschen Länder. „Die Gemeinden mussten hohe Zwangsanleihen aufnehmen, die zu schweren wirtschaftlichen Schäden führten“, führt er aus. „Willkür, Vergewaltigungen und Plünderungen waren an der Tagesordnung, hunderttausende Deutsche wurden für die französischen Armeen zwangsrekrutiert und starben elend, zum Beispiel in Russland.“

Eckhard Oberdörfer

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