Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald „Wir sind ganz weit vorne“
Vorpommern Greifswald „Wir sind ganz weit vorne“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 27.07.2017
Greifswald/Wolgast

5,5 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds der Krankenkassen, eine Goldmedaille für das bundesweit beste digitale Kooperationsprojekt:

Vorpommern-Greifswald sahnt ab. Mit verschiedenen Modellprojekten und Entwicklungen macht der Kreis bundesweit von sich reden.

Allein im Sozialdezernat sind derzeit neun Projekte angesiedelt, die von Land oder Bund finanziell gefördert werden. „Wir sind ganz weit vorne“, sagt Sozialdezernent Dirk Scheer (parteilos), der erst vor wenigen Wochen die Auszeichnung in einem bundesweiten IT-Wettbewerb entgegennahm.

Gold für Fachsoftware

Seine Mitarbeiter im Dezernat hatten gemeinsam mit einer Internetfirma eine Online-Plattform für die Vermittlung von Jugendhilfen entwickelt.„Es ist mir ein Rätsel, dass noch niemand vor uns auf die Idee gekommen ist“, sagt Scheer. Er vergleicht seine Fachsoftware Soziales und Jugend, kurz SoJus, mit einem Internetportal für Urlaubsreisen. Während man dort für die Auswahl verschiedene Filter anklicken kann, wie Strandnähe, kinderfreundlich und Waschmaschine, macht man das beim Programm SoJus für Kriterien wie Suizidgefährdung oder Verhaltensauffälligkeiten. Das Sozialministerium des Landes hatte das Projekt 2015 bereits mit 50000 Euro unterstützt, das Interesse in anderen Landkreisen ist groß, es zu übernehmen.

Schwierige Lage macht kreativ

Der Legende nach kommen Innovationen in Vorpommern erst zehn Jahre später an. Wie kann es sein, dass Vorpommern-Greifswald längst Vorreiter ist? „Wir sind der drittgrößte Landkreis Deutschlands und sind 2011 mit einer schwierigen Lage gestartet“, sagt Dirk Scheer. „Wären die Rahmenbedingungen nicht so schwierig, müssten wir nicht so innovativ sein“, ist er überzeugt. Und schiebt nach:

„Kreativität ist keine Ein-Mann-Show.“ Es sei ein großer Glücksfall für die Verwaltung, eine Universität im Landkreis zu haben. Die Uni und die Unimedizin seien wichtige Projektpartner.

Einer von denen, ohne die gar nichts geht, ist beispielsweise Professor Klaus Hahnenkamp, Chef der Uniklinik für Anästhesiologie, der in den vergangenen Jahren tausende Menschen im Landkreis in Wiederbelebungsmaßnahmen geschult hat. Hahnenkamp kam damals mit den ersten Ideen zu Scheer, die heute im 5,5-Millionen-Euro-Projekt Landrettung stecken. „Sowas geht nur zusammen“, sagt Scheer und zählt weitere Partner auf wie Professor Steffen Fleßa, Lehrstuhlinhaber Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement, Wolfgang Bank und Jenny Kempka vom Technologiezentrum Witeno. „Die Förderaussichten sind wesentlich größer, wenn man als Netzwerk antritt“, sagt Scheer.

Rettungsapp und Telenotarzt

Teil des Programms Landrettung ist die sogenannte Rettungsapp. Menschen, die medizinisch ausgebildet sind, können sich registrieren lassen. Sie werden informiert, wenn es im Dorf oder ganz in der Nähe einen Herzstillstand gibt. „Die Person geht nur einige Häuser weiter, kann sofort mit der Wiederbelebung beginnen, während der Rettungswagen zehn Minuten braucht“, schildert Scheer. Jede Minute ohne Sauerstoffzufuhr sei fatal. „In unserem dünn besiedelten Landstrich ist das extrem wichtig.“ An der gleichen Stelle setzt der Telenotarzt an. „Die Vitaldaten werden überspielt. Ein Arzt guckt aus der Ferne auf die Werte und sagt, was zu tun ist“, so Scheer.

Ilse bringt den Bus aufs Dorf

Der dünn besiedelte Landkreis steht auch im Fokus des Projektes Integrierte Leitstelle für Notfallversorgung, Medizinverkehr und ÖPNV, kurz Ilse. Mit 300000 Euro Fördersumme vom Bund ist das Vorhaben jedoch deutlich kleiner als die Neustrukturierung des Rettungssystems. Hinter Ilse verbirgt sich ein zentrales Dispositionssystem mit einer einheitlichen Telefonnummer. Die Patienten und Fahrgäste im Kreis können künftig über die Leitstelle, das Internet oder eine App ihre Fahrtwünsche anmelden, die dann automatisch zu Touren kombiniert werden. Im Juni 2018 sollen Ergebnisse vorliegen.

Technik für Senioren

Eines der ältesten Projekte ist die kommunale Beratungsstelle Wohnen im Alter. Bereits 2014 wurde in Greifswald eine Modellwohnung eingerichtet, die mit hochmoderner Technik ausgestattet ist. Diese soll älteren Menschen im Alltag helfen. „Ziel ist, dass ältere Menschen länger in ihren Wohnungen bleiben können.“ Als das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Förderprogramm auswählte, gingen bundesweit 19 Vorhaben an den Start. „Heute gibt es noch zwei“, sagt Scheer. Das hiesige sei besonders erfolgreich. „Mittlerweile hat sich ein Startup entwickelt, das Wohnungsfirmen bei Technikanschaffungen berät.“

Katharina Degrassi

Mit der Genehmigung des Haushalts kann die Stadt endlich ein Modernisierungsgutachten in Auftrag geben

27.07.2017
Greifswald GUTEN TAG LIEBE LESER - Der Junge und der Spaten

Wirtschaftsminister Harry Glawe hatte am Freitag beim ersten Spatenstich für die neue Erwin-Fischer-Schule eine klasse Idee. Warum müssen immer nur die Prominenten schippen?

27.07.2017

Eine Festwoche für Familien steigt in Schönwalde / Robin Hood erobert die Klosterruine / Konzerte erklingen in Kirchen

27.07.2017