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Wirtschaft in Vorpommern nimmt weiter Fahrt auf

Stralsund/Greifswald Wirtschaft in Vorpommern nimmt weiter Fahrt auf

Sparkasse und Volksbank vergeben wieder deutlich mehr Kredite an Firmen

Stralsund/Greifswald. Die Wirtschaft in Vorpommern ist im Vergleich zum Vorjahr weiter gewachsen. Dies belegen Zahlen der Sparkasse Vorpommern, die zum jetzigen Zeitpunkt deutlich mehr rein gewerbliche Kredite neu ausgereicht hat als im gesamten Jahr 2016. „Das Neugeschäft des Vorjahres wurde im Juli überschritten“, sagt Thomas Metzke, Vorstandsmitglied der Sparkasse Vorpommern. Bei der Vergabe von gewerblichen Krediten seien in den ersten sieben Monaten dieses Jahres bereits 130 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden.

Metzke: „Das Investitionsklima in Vorpommern ist gut. Positiv ist, dass nicht nur in Ferienwohnungen investiert wird, sondern unsere gewerblichen Kunden in ihre Unternehmen investieren.“ Während die Sparkasse 2016 noch 360 Millionen Euro für gewerbliche und konventionelle Kredite ausgereicht hatte, seien 80 Prozent dieser Summe in diesem Jahr allein bis Ende Juli vergeben worden.

Ein ähnliches Bild zeichnet auch Martin Wangemann, Vorstand der Pommerschen Volksbank in Stralsund. „Die Nachfrage nach Krediten ist bei unseren Firmenkunden unverändert hoch. Wir verzeichnen hier in diesem Jahr bis zum September ein Kreditwachstum von vier Prozent“, so Wangemann. Er geht bis Jahresende von einer Steigerung auf fünfeinhalb Prozent aus. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Steigerungsrate der letzten Jahre lag bei etwa drei Prozent.

Also gute Stimmung in der Wirtschaft Vorpommerns? Gerold Jürgens bejaht das. Die Lage auf dem Bau ist für ihn ein guter Indikator dafür. „Geht es der Baubranche gut, brummt auch die Wirtschaft.“

Jürgens sagt das nicht nur, weil er als Gesellschafter der Iso-Rüst-Bau GmbH in Lubmin selbst Bauunternehmer und Chef von 80 Mitarbeitern ist. Als Präsident des Unternehmerverbandes Vorpommern hat er den Überblick über alle wichtigen Branchen. „Egal, ob Metallbereich, Dienstleistungsgewerbe oder Tourismusbranche – überall sind Fortschritte sichtbar“, hat er beobachtet. Eine Entwicklung, die nicht frei von Problemen ist. „Inzwischen werden gute Fachleute gesucht und kaum noch gefunden.“

Rolf Kammann, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern, sieht ebenfalls eine stabile wirtschaftliche Entwicklung im Landstrich zwischen Ahlbeck, Greifswald, Stralsund und Zingst.

„Die Stimmung in bestehenden Unternehmen ist gut. Hier wird viel investiert“, sagt er und verweist auf die Schiffswerft Horn in Wolgast. Das Unternehmen hat sich auf die Reparatur und Wartung von Behördenschiffen spezialisiert. „Anfang des Jahres wurde eine neue Schiffbauhalle eingeweiht. Ein Invest- Vorhaben, das wir begleitet haben“, berichtet der Wirtschaftsförderer.

Optimismus auch bei Metallbau Schimps & Söhne, die in ihren Produktionsstandort in Greifswald investiert haben. „Wir brauchten eine neue Lagerhalle, um die Qualitäts-Standards zu verbessern“, sagt Firmenchef Wolfgang Schimps. Das Unternehmen ist seit 1964 am Markt. Heute produzieren 21 Mitarbeiter Treppengeländer für jeden Gebrauch. Damit sie das künftig besser erledigen, wurden zusammen mit der Lagerhalle gleich noch CNC-gesteuerte Maschinen zur Metallbearbeitung angeschafft.

Für Wolfgang Schimps nicht nur ein Zeichen von wirtschaftlichem Optimismus. „Wenn Fachkräfte Mangelware sind, muss die Technik helfen“, sagt er. 200000 Euro hat er so in die Zukunft investiert.

Für Vorpommern als Wirtschaftsstandort hat sich die Deutsche Bogenn, Tochter der türkischen Mir- Holding, bewusst entschieden und eine Fertigungshalle im Fährhafen Mukran gebaut. „Wir können hier unsere Rohre direkt durchs Tor produzieren und aufs Schiff verladen“, sagt Carsten Weiß, Account- Manager. Die neue Fertigungshalle – ein 32-Millionen-Euro-Objekt – ist gerade fertig geworden. „Im Oktober werden sechs Spritzgussmaschinen für Rohrbögen und Fittings montiert, ab Oktober läuft der Probebetrieb“, so Weiß. In der letzten Ausbaustufe werden hier einmal 69 Mitarbeiter einen Job haben.

Auf neun festangestellte Mitarbeiter brachte es das IT- Unternehmen Digitack in Stralsund innerhalb eines Jahres. „Wir bieten seit 2016 Technologie- und Softwarelösungen an, die speziell auf Kundenwünsche zugeschnitten sind“, sagt Firmen-Chef Oscar Schröder, der an der Hochschule Stralsund Wirtschaftsingenieurwesen studiert hat und sich nach einigen Jahren Berufserfahrung in Stralsund selbstständig machen wollte.

„In diesem Jahr haben wir die bei uns entwickelte Online-Marketing-Plattform für Lebensmittel ,My Food Hero’ ausgegründet“, berichtet Schröder. Sein Ziel ist es, dass Kunden darüber künftig Lebensmittel aus der Region von Händlern der Region übers Internet einkaufen und liefern lassen.

Jörg Mattern und Benjamin Fischer

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