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Eisspeicher sind zehn Mal wirtschaftlicher als Batterien

Eisspeicher sind zehn Mal wirtschaftlicher als Batterien

Diplomingenieur will in Greifswald eine Projektgesellschaft gründen / Robert Brockmann hofft auf Unterstützung durch die IHK Neubrandenburg

Greifswald. Deutschland erzeugt immer mehr Ökostrom. So viel, dass er über die Landesgrenzen verschenkt werden muss, wenn sich die Windräder kräftig drehen und nicht genügend Verbraucher am Netz sind. So werden mögliche Überlastungen des nationalen Netzes vermieden. Denn eines der größten Probleme der Energiewende, die Speicherung überschüssigen Ökostroms, ist bisher nicht zufriedenstellend gelöst. Eine Folge: Damit auch in Zeiten der Flaute und in der Nacht, wenn die Sonne nicht scheint, genug Energie im Netz vorhanden ist, müssen als Reserve konventionelle Kraftwerke vorgehalten werden.

 

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Robert Brockmann

Quelle: eob

Robert Brockmann ist überzeugt, dass die H2O-Latentspeichertechnologie (Eisspeichertechnologie), einen großen Schritt zur Besserung der Situation bringt. Diese sei zehn Mal wirtschaftlicher als Batterien und verursache nicht so hohe Investitionskosten wie beispielsweise ein Druckluftspeicher.

„Ich möchte in Greifswald eine Projektgesellschaft zur Umsetzung dieser Idee gründen“, sagt der Diplomingenieur, der früher am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik Greifswald arbeitete. Ein Partner könnte die Viessmann Group oder Vaillant sein, meint Brockmann. Diese beiden Unternehmen sind führende Hersteller von Heiz-, Industrie- und Kühlsystemen.

Brockmann hat schon mit verschiedenen Akteuren sowie mit dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg und Geschäftsführer des Technologiezentrums Vorpommern, Wolfgang Blank, gesprochen. „Die Idee ist plausibel“, meint dieser auf Nachfrage der OZ. Allerdings sei der Markt „verkämpft und heterogen“. Es komme sehr auf das Geschäftsmodell an.

Das ist die Idee: Mittels überschüssigen Ökostrom wird Wasser in Eis umgewandelt. Mit Hilfe von Sole-Wärmepumpen lässt sich so sehr wirtschaftlich überschüssiger Strom für Kälteanwendungen, z. B.

Industriebetriebe oder kommunale Einrichtungen, speichern. „Es ist die erste Technologie, die die thermische und die Stromwelt vereinigt“ so Brockmann.

Besonders interessant sei die H2O-Latentspeichertechnologie übrigens für südliche Inseln, wie Mallorca. Dort werde der Strom derzeit durch Dieselgeneratoren erzeugt. „Frankreich subventioniert den Strombedarf seiner Inseln mit zwei Milliarden Euro im Jahr.“ Sehr gut einsetzbar sei die Technologie für Gebäude, ob nun Wohngebäude oder beispielsweise Kaufhäuser.

Seine Zahlen für so ein „kaltes Wärmenetz“ sind beeindruckend: „Bei gleichzeitiger Nutzung der Kälte vor Ort sowie der Heizwärme einer Wärmepumpe können die Kosten für den Bezug von Energie um bis zu 70 Prozent gesenkt werden“, hat Brockmann ausgerechnet. Sogar die Investitionen könnten gegenüber dem aktuellen Stand der Technik um mindestens 15 Prozent und Kohlendioxid-Emissionen um 90 Prozent reduziert werden. Ein weiterer großer Vorteil ist: Der Anteil der regenerativen Energien könnte problemlos in Deutschland von 30 auf 50 Prozent erhöht werden, ohne das regionale Stromnetz beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern zu überlasten.

Noch besser wird es mit Easy Smart Grid

Ergänzend zu den Eisspeichern schlägt Robert Brockmann vor, die Frequenz des Stromnetzes in sogenannten Netzinseln, also Teilbereichen, in MV im Bereich von 49 bis 51 Hertz freizugeben.

Die Fixierung auf 50 Hertz sei historisch bedingt, weil früher so die Produktion gesteuert wurde. Dies sei heute gar nicht mehr nötig. Bei einer Freigabe könnten alle Akteure ihren Strombezug flexibel steuern. Ungleichgewichte im Stromnetz, die beispielsweise die Einspeisung aus Wind- und Solarenergie ins Netz mit sich bringt, ließen sich so ausgleichen. Solche Easy Smart Grid Systems wären die sinnvolle Ergänzung zu den H2O-Latentspeichern.

Von Eckhard Oberdörfer

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