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Exklusives Wohnquartier am Hansering auf der Kippe

Greifswald Exklusives Wohnquartier am Hansering auf der Kippe

Seit Jahren plant die städtische Wohnungsbaugesellschaft das Projekt am Ryck / Stadt bezeichnet finanzielle Risiken jetzt als sehr hoch / Bürgerschaft soll entscheiden

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Ursprünglich wollte die WVG ihren Neubau auf diesem Areal am Hansering zwischen Kuh- und Brüggstraße bereits 2017 an die Mieter übergeben.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Seit mehr als drei Jahren beschäftigt sich die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG) mit ihrem exklusiven Neubauprojekt am Hansering zwischen Brügg- und Kuhstraße. Knapp vier Millionen Euro flossen bereits in die Vorbereitung des Quartiers „Hansehof“, das nach letztem Stand 25 Millionen Euro kosten soll. Doch jetzt droht das Vorhaben zu scheitern. Das städtische Tochterunternehmen hat einen Planungsstopp verfügt. „Das geschah in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat und Greifswalds Oberbürgermeister als Gesellschafter“, sagt WVG-Geschäftsführer Klaus- Peter Adomeit.

Der Grund: Das Projekt entwickelt sich wegen drastischer Kostensteigerungen aus einem Prestigevorhaben zu einem finanziellen Risiko. Um den Neubau der 96 Wohnungen inklusive Außenanlagen wirtschaftlich zu bauen, müsste die WVG eine durchschnittliche Kaltmiete von 12 Euro pro Quadratmeter erheben, die innerhalb von 20 Jahren auf 17,48 Euro/m2 steigt. Diese Kaltmiete könne am Markt nicht erzielt werden, so Katrin Teetz vom Beteiligungsmanagement der Stadt. Die Folge: Die WVG schreibt mit diesem Bauvorhaben schon jetzt einen Verlust von 4,6 Millionen Euro.

Die Stadtverwaltung fordert die Bürgerschaft deshalb zu einer Entscheidung auf: Weiterbau oder das Vorhaben beerdigen. Denn eine Fortsetzung des Projekts „hat Auswirkungen auf das Eigenkapital der WVG und den städtischen Haushalt“, begründet Katrin Teetz. Im Klartext: Sollte die WVG am Bau festhalten, „ist nicht sicher, dass sie am Jahresende die Gewinnausschüttung an die Stadt realisieren kann“, sagt Teetz. Das wäre ein herber Verlust für den Haushalt. Immerhin erhielt die Stadt in der Vergangenheit jährlich um die vier Millionen Euro von ihrer Tochter. Geld, das fest eingeplant ist.

Aufgrund dieser möglichen Folgen hat der Aufsichtsrat Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) gebeten, eine Entscheidung zu treffen. Laut Thomas Mundt, Vorsitzender des Finanzausschusses der Bürgerschaft und WVG-Aufsichtsratsmitglied, sei Fassbinder der Meinung, „die WVG sollte kein Geld mehr in das Projekt investieren“. Fassbinder selbst will sich dazu nicht äußern. Nur so viel: Da die Entscheidung von großer Tragweite sei, „ist es ihm wichtig, zuvor die Meinung der Bürgerschaft einzuholen“, heißt es aus dem Rathaus.

Der Finanzausschuss votierte am Montagabend nach kontroverser Diskussion mehrheitlich für einen Weiterbau. Die Alternative – die Stadt kauft das Grundstück von der WVG zurück – fand keine Befürworter. Theoretisch wäre das möglich, da das Unternehmen seiner Verpflichtung, mit dem Bau spätestens im September 2015 zu beginnen, nicht nachkam.

Doch es gibt noch eine Variante: Der Verkauf des Grundstücks an einen anderen Investor. Im günstigsten Falle würde der die gezahlten Kosten von vier Millionen Euro übernehmen. Wenn es schlecht liefe, zahle er nur die Grundstückskosten. Die WVG würde einen Verlust von 3,3 Millionen Euro hinnehmen müssen. „Da weiß ich wenigstens, was ich in den Wind schreibe. Bei einer Fortführung des Projekts weiß

ich das nicht“, plädierte SPD-Fraktionschef Andreas Kerath für diese Variante. Schließlich sei völlig unklar, wie sich die Baukosten entwickelten und welche Miete tatsächlich zu erzielen sei.

Walter Noack von der CDU sieht das anders, plädiert für einen Weiterbau: „Die WVG ist in Vorleistung gegangen, trauen wir ihr das doch jetzt mal zu. Das hat auch etwas mit unternehmerischem Mut zu tun.“ Markus Kolbe von der Bürgerliste pflichtet dem bei: „Welcher Investor findet das attraktiv? Bei einem Verkauf würden wir noch sehr lange darauf warten, dass am Hansering etwas passiert.“ Auch Daniel Seiffert von den Linken votiert für eine Projektfortführung: „Die Probleme mit dem Wohnquartier beruhen doch auch darauf, dass die Stadt ständig neue Wünsche an die WVG herangetragen hat“, sagt er und nennt die Parkplätze als Beispiel. Deshalb sollte die WVG jetzt auch den Neubau zu Ende bringen dürfen. Die Entscheidung fällt die Bürgerschaft am 10. November.

Hansehof: Mehr Kosten und längere Projektphase

Im Januar 2014 präsentierte WVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Adomeit erstmals öffentlich Pläne, am Hansering ein Wohnquartier zu errichten. Genannte Kosten:

Zwölf Millionen Euro. Damals hatte die WVG das etwa 5500 Quadratmeter große Areal bereits von der Stadt erworben. Laut Adomeit sollten „bis 2016/17 über 60 exklusive Wohnungen mit Kaltmieten von zehn Euro pro Quadratmeter“ entstehen. Der Baubeginn war für das dritte oder vierte Quartal 2015 geplant.

Daraus wurde nichts. Die Archäologen, deren Grabungen mit sechs bis zehn Monaten eingeplant waren, arbeiteten vom Juni 2014 bis Anfang 2016. Diese Kosten, so Adomeit, belaufen sich jetzt auf 800 000 Euro. Zudem gab es mehrfach Plankorrekturen. Nicht mehr nur 60, sondern 105 Wohnungen sollten entstehen, im Frühjahr 2016 wurde die Geschosshöhe noch einmal verändert, die Zahl der Wohnungen sank damit auf 96. „Mit weniger Wohnungen gibt es auch weniger Mieteinnahmen, also Erträge“, so Adomeit. Der politische Raum forderte zudem Änderungen, um die Parkplatzprobleme zu lösen: Der Bau einer Tiefgarage wurde zusätzlich aufgenommen. Hinzu kam das Umverlegen einer Regenwasserleitung. „All das trug zu den Kosten von 25 Millionen Euro bei“, erklärt Adomeit. Unklar ist, inwiefern die Baukosten noch zu einer weiteren Erhöhung des Volumens führen. Noch hat die WVG keine Baugenehmigung. Die Fertigstellung ist jetzt für 2020 avisiert, sofern es zum Bau kommt. ph

Petra Hase

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