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Hausbesetzer grüßen aus der Brinkstraße

Greifswald Hausbesetzer grüßen aus der Brinkstraße

Sie sind entschlossen, den Abriss eines 158 Jahre alten Hauses zu verhindern. „Wir überwintern hier!“

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„Wir haben noch Zimmer frei“, schreiben die Besetzer auf ihrem Twitter-Kanal. „20 helle Räume in Innenstadtlage zum gemeinsamen Wohnen — schöner Garten, Café und Bioladen im Haus. 0 Euro + Nebenkosten.“

Quelle: Kai Lachmann

Greifswald. Wer mit den Hausbesetzern in der Brinkstraße reden will, muss zuerst eine Handynummer wählen. Eine weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung sagt, sie wären gleich soweit. Wenig später öffnet sich ein Fenster im verwinkelten Innenhof der Brinkstraße 16/17. Drei bunt verkleidete und vermummte Frauen winken herab. Nein, sich die besetzten Wohnungen einmal anzuschauen, ließe sich derzeit nicht einrichten. Es sei denn, man hege ernsthaftes Interesse, an der Besetzung teilzunehmen. Platz sei ausreichend vorhanden. Strom und Wasser gebe es zwar nicht.

„Aber uns geht es gut“, versichert eine der bunten Figuren.

Im Anschluss an eine Demonstration am Dienstagabend hat sich die „Brinke WG“ in den seit Monaten leer stehenden Wohnungen in dem Gebäude eingenistet. Wie viele Mitglieder sie insgesamt zählt, bleibt geheim. Die Hausbesetzer sind eigenen Angaben nach „trotz politischer Sympathien von der Bürgerinitivative ,Brinke 16/17 erhalten‘ unabhängig“.

„Ich kenne die gar nicht“, sagt Heiko Pult. „Die sind immer verkleidet und kommen nicht heraus.“ Pult ist Sprecher der Bürgerinitivative (BI), dieseit mehr als eineinhalb Jahren versucht , das Haus vor dem Abriss zu retten. Die Ziele der „Brinke WG“ und der BI würden weitestgehend übereinstimmen. Dennoch sei er von der Besetzung „überrascht“, sagt Pult. „Mit uns war nichts abgesprochen.“

Dabei wären die Kommunikationswege nicht allzu weit. Denn während die WG die Wohnungen besetzt, hält die BI draußen vor der Tür einen Mahnwache ab — rund um die Uhr. Wenn es zu kalt wird, zieht sich die bunte Truppe in das kleine Café im Inneren des Hauses zurück, dass laut Hausbesitzer Roman Schmidt ohne Genehmigung eingerichtet wurde. Zudem läuft in der Brinkstraße 16/17 auch der Betrieb des Bioladens „Sonnenmichel“ unbeirrt weiter — trotz gekündigtem Mietvertrag und Räumungsklage (siehe Infotext).

Schmidt, Bauunternehmer aus Demmin, will das 158 Jahre alte Haus abreißen und einen mehrstöckigen Neubau errichten. „Ich habe eine Baugenehmigung und werde keinesfalls von diesem Plan abrücken“, sagte er kürzlich der OSTSEE-ZEITUNG. Im Frühjahr hieß es noch, dass er in diesem Jahr damit anfangen will. Ob dieser Zeitplan jetzt noch zu halten ist, bleibt unklar. Schmidt war für die OZ gestern nicht zu erreichen.

Die Initiative will das verhindern. Sie hält das Gebäude für „historisch wertvoll“, will darin Platz für Kultur schaffen und erschwingliche Wohn- und Gewerberäume erhalten. Sie hat einen Antrag gestellt, das Haus auf die Denkmalliste zu setzen. In der Vergangenheit organisierte die BI mehrere Demonstrationen, sammelte 1500 Unterschriften und suchte Unterstützer in der Bürgerschaft. Schmidt hatte sich zu einem früheren Zeitpunkt bereit erklärt, Haus und Grundstück gegen ein vergleichbares Objekt zu tauschen. Mehrere Vorschläge, darunter ein Tauschgrundstück in der Loitzer Straße, schlug er aber aus. Im Frühjahr brach er den Kontakt zur BI ab. „Wir sind weiterhin gesprächsbereit“, so Pult.

Ob in Anbetracht der neuen Entwicklungen die Tauschofferten für Schmidt wieder interessant werden? Sicher ist derzeit nur, dass sich nun das Verfahren in die Länge ziehen wird. Die Polizei greift vorerst nicht ein.

Sprecher Axel Falkenberg: „Zuerst muss eine Räumungsklage ergehen, dann die Zwangsvollstreckung angeordnet werden. Erst wenn der Gerichtsvollzieher für die Umsetzung unsere Unterstützung benötigt, werden wir aktiv.“ Dies könne aber dauern. „Vor 2015 wird das sicher nichts“, mutmaßt Falkenberg. Zudem sind die Hausbesetzer entschlossen: „Wir überwintern hier“, sagt eine der Frauen am Fenster und rückt sich ihren Schal zurecht.

Heute Gerichtstermin
Das Amtsgericht Greifswald verhandelt heute ab 10.40 Uhr über die
Räumungsklage gegen den Bioladen „Sonnenmichel“, der seit fünf Jahren in der Brinkstaße seine Waren anbietet. Der Mietvertrag wurde im Frühjahr gekündigt. Dennoch hielt Geschäftsinhaber Hubert Ende den Betrieb aufrecht — bis heute. Er hat gegen die Klage Beschwerde eingelegt.

Die Bürgerinitiative „Brinke 16 bis 17 erhalten“ ruft zu einer Mahnwache ab 10 Uhr vor dem Gerichtsgebäude (Lange Straße 2) auf.

 



Kai Lachmann

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