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Hochwasserschutz: Anlage geht für 40 Millionen Euro in Betrieb

Greifswald Hochwasserschutz: Anlage geht für 40 Millionen Euro in Betrieb

Nach fünf Jahren Bauzeit und vielen Pannen wird das Sperrwerk in Wieck heute eingeweiht / 12 000 Menschen droht bei nächster Sturmflut keine Gefahr

Greifswald. Das teuerste, langwierigste und wohl bedeutendste Bauwerk in Vorpommern-Greifswald wird heute offiziell übergeben: das Sperrwerk in Wieck samt Schutzdeichen auf Eldenaer und Wiecker Seite. Es soll die Menschen vor einer Sturmflut schützen. Beim bislang schlimmsten Hochwasser im Jahr 1872 starben allein in Greifswald neun Menschen.

40 Millionen Euro hat der Bau nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums insgesamt gekostet. Die Planungen aus dem Jahr 2008 sahen 27 Millionen Euro vor. Von einer „Kostenexplosion“ will Matthias Wolters, Leiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu), trotzdem nicht sprechen. Für jede Steigerung gebe es „triftige Gründe“. „Der Bau ist einzigartig. Noch nie zuvor hat jemand ein Sperrwerk in dieser Form gebaut“, sagt Wolters. Anpassungen und Umplanungen im Verlaufe des Baus seien daher angemessen.

Allein fünf Millionen Euro Mehrkosten seien durch die Klage eines unterlegenen Bauunternehmens gegen das Vergabeverfahren entstanden, ergänzt Eva Klaußner-Ziebarth, Pressesprecherin des Landwirtschaftsministeriums. Höhere Forderungen der Baufirma für bestimmte Leistungen und unvorhergesehene Baugrundverhältnisse zählt sie weiter auf und erinnert an die großen Auswirkungen eines kleinen Fehlers, die es in ähnlichen Ausprägungen mehrfach gab. „Bei einer Mengenangabe für Betonierarbeiten wurde eine Null vergessen. Anstatt der vorgegebenen fünf Kubikmeter mussten 50 verbaut werden“, sagt Klaußner-Ziebarth.

Alles zusammen hätte wiederum zu einer deutlich längeren Bauzeit geführt, die die Kosten erneut in die Höhe getrieben hat. Ursprünglichen Planungen zufolge sollte der Bau dreieinhalb Jahre dauern.

Schlussendlich sind es fünf geworden.

Weitere Pannen sorgten in der Bauzeit für Wirbel. Beispielsweise waren die Spüldüsen in den ursprünglichen Planungen nicht vorgesehen (siehe Beitrag unten). Außerdem stritten Land und Stadt darum, wer das Sperrwerk eigentlich betreiben soll.

Um so größer ist die Freude am heutigen Tag. Denn ab sofort können etwa 12000 Menschen im Falle einer gefährlichen Sturmflut geschützt werden. Greifswald gilt wegen seiner Lage als am stärksten durch Nordost-Sturmfluten gefährdete Stadt. Ohne den Schutz wären 30 Prozent des Stadtgebietes überflutungsgefährdet, erklärt Klaußner-Ziebarth. „Eine Studie der Universität Karlsruhe hat bereits vor Jahren nachgewiesen, dass der Bau des Sperrwerks ökonomisch ist“, schiebt Klaußner-Ziebarth gleich nach, um allen Kritikern an den hohen Kosten und Zweiflern an der Notwendigkeit den Wind aus den Segeln zu nehmen. Beides gab es all die Jahre immer wieder.

Die schlimmste Sturmflut, die Greifswald traf, war die aus dem Jahr 1872. Vergleichsweise klein war das Hochwasser aus dem Jahr 1995. Fest steht: Der Meeresspiegel steigt und damit auch die Gefahr für die Region. Forscher haben errechnet, dass eine Sturmflut, die das Hochwasser von 1872 in der Höhe um 23 Zentimeter nochmals übersteigt, einen Schaden von 98 Millionen Euro verursachen würde.

Deswegen findet Bernd Lieschefsky (Bürgerliste), Vorsitzender des Ortsrates Wieck/Ladebow, das Sperrwerk eine rundum „gute Sache“. „Es geht um einen Schutz für Leib und Leben im Fall der Fälle“, sagt Lieschefsky. Er freut sich außerdem, dass die neuen Deiche und das umgestaltete Strandbad Eldena ein touristischer Gewinn sind.

Von Katharina Degrassi

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