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Greifswald IHK-Präsident: Mindestlohn wäre Ruin
Vorpommern Greifswald IHK-Präsident: Mindestlohn wäre Ruin
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03:40 29.08.2013
IHK-Chef Walter Kienast.

Greifswald — Was tun gegen den Fachkräftemangel in der Region? Die OZ sprach darüber mit Walter Kienast, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Neubrandenburg.

OZ: Herr Kienast, viele Unternehmen in Vorpommern finden nicht genügend geeignete Mitarbeiter. Selbst schuld, könnte man sagen — so lange die Löhne in MV deutschlandweit am geringsten sind.

Kienast: Nein, Geld ist ja nur das eine. Vor allem jungen Leuten können wir hier durchaus etwas bieten, weil bei vielen Unternehmen in Vorpommern bald ein großer Teil der Arbeitnehmer in Rente geht. Man hat als neuer Mitarbeiter bei uns also Aufstiegschancen.

OZ: Was nützt das, wenn man kaum etwas verdient?

Kienast: So wenig verdienen die Arbeitnehmer hier ja gar nicht. Unlängst habe ich wieder gehört, dass es inzwischen viele Rückkehrer gibt — Leute, die etwa aus der Schweiz zurück nach Vorpommern gehen, weil sie im Süden zwar ein hohes Gehalt bekamen, aber auch sehr hohe Lebenshaltungskosten hatten. Das wird oft übersehen.

OZ: Wollen Sie sagen, wir brauchen hier keine höheren Löhne?

Kienast: Doch, in vielen Branchen müssten wir nachbessern, das stimmt. Aber man kann das nicht verordnen. Diese 8,50 Euro Mindestlohn für alle Branchen, die derzeit im Gespräch sind, wären für viele Unternehmen ein Problem.

OZ: Existenzbedrohend?

Kienast: Ja, wir haben das mal für einzelne Betriebe durchgerechnet. Wenn der am geringsten qualifizierte Mitarbeiter, etwa ein ungelernter Hausmeister, 8,50 Euro pro Stunde bekommt, muss ich als Chef auch bei allen anderen die Löhne erhöhen, damit das Verhältnis wieder stimmt. Aber da gibt es sogar gut laufende Firmen, die nach drei Monaten pleite wären, wenn sie das täten.

Lohnerhöhungen gehen nur Schritt für Schritt. Dafür müssen wir die Effektivität der Betriebe voranbringen. Das geht allerdings in vielen Fällen langsamer als gedacht.

OZ: Woran liegt das? Worüber klagen hiesige Unternehmen noch, wenn nicht über fehlende Fachkräfte?

Kienast: Die meisten klagen im Moment gar nicht, das zeigt unsere aktuelle Konjunkturumfrage. Sorgen machen den Firmenchefs aber die steigenden Energiepreise. Sie fragen sich, wo das noch hingeht. Die Endpreise der Produkte werden steigen müssen, man weiß nicht, ob die Verbraucher da mitspielen.

OZ: Was fordert die IHK Neubrandenburg ?

Kienast: Den Ausstieg aus der Atomenergie haben wir alle gewollt und dass die Energiepreise damit steigen würden, war klar. Aber die Relationen müssen gewahrt bleiben. Wir sammeln Fakten, um zu überprüfen, welche Preiserhöhung tatsächlich gerechtfertigt wäre. Der einzelne Unternehmer ist der Erhöhung ja hilflos ausgeliefert. Klar ist auch: Nur mit alternativen Energien wird es nicht gehen. Für eine verlässliche, bezahlbare Versorgung brauchen wir einen Energiemix.

Der Präsident der IHK
Walter Kienast, 62, führt in Greifswald die Firma Greifenfleisch. Im Juni wurde er zum Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg gewählt, die in Vorpommern rund 23 800 Unternehmen vertritt. Sein Vorgänger war verstorben. Nächsten Frühling wird das Ehrenamt neu besetzt.

Sybille Marx

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