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Lubminer wollen Weltmarkt erobern

Lubmin Lubminer wollen Weltmarkt erobern

Technologie-Initiative will Vorreiter beim Abriss von Kernkraftwerken sein. Es soll ein neues Verfahren zur Reinigung von radioaktiv verseuchten Baustoffen entwickelt werden.

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Das Kernkraftwerk Lubmin wird derzeit zurückgebaut. Ein Firmenverbund aus Vorpommern arbeitet jetzt mit Schweizer Technologie-Experten an einer Lösung für den möglichst rückstandsarmen Abriss von Kernkraftwerken. (Archivfoto)

Quelle: Stefan Sauer

Lubmin. Know-how aus MV: Ein Firmenverbund aus Vorpommern arbeitet jetzt mit Schweizer Technologie-Experten an einer Lösung für den möglichst rückstandsarmen Abriss von Kernkraftwerken. Ziel sei es, eine mobile Anlage zu entwickeln, die weltweit radioaktiv verseuchte Baustoffe von Atomkraftwerken reinigt, einsetzbar zum Beispiel auch beim Filtern von mit Schwermetallen aus kontaminiertem Wasser. Am Ende sollen gereinigte Stoffe und sauberes Wasser stehen, die wieder nutzbar sind. Eine Lösung für ein Hauptproblem der Menschheit?

Technologie-Initiative

13 Mitglieder hat die gerade gegründete Technologie-Initiative Vorpommern laut Vorstandschef Gerhard Seewald, darunter Firmen aus der Lubminer Region, aber auch aus dem Bundesgebiet mit insgesamt rund 1000 Mitarbeitern. Beispiele: Maschinen- und Armaturenwerkstatt Lubmin, Euro Engineering AG (Düsseldorf), Hoffmann Messtechnik (Halle), Standardkessel Baumgarte Service (Duisburg), GD Planungs-und Erschließungsgesellschaft (Greifswald) und Applicsign (Schweiz).

„Wir gehen in das Kernkraftwerk und reinigen“, erklärt Thomas Berger von der Applicsign AG in Pfäffikon, einer Stadt nahe Zürich, Schweiz. Er und seine Mitarbeiter haben rund eineinhalb Jahre an der Technologie geforscht. Die Idee: Verseuchte Baustoffe und Wasser sollen in einer Anlage über verschiedene Baugruppen gereinigt, kontaminierte Reststoffe – über mechanische, chemische und physikalische Verfahren – separiert werden. „Das Verfahren ist in der Patentanmeldung“, so Berger. Er sei sicher: „Es gibt in diesem Bereich einen starken Wachstumsmarkt.“ Einsetzbar wäre die Anlage zum Beispiel bei der Reinigung von mit Schwermetallen verseuchtem Grundwasser, wie es in Asien stark verbreitet ist. Eine Art Wasseraufbereitungseinheit für Krisenregionen.

Weg von den „0815-Aufträgen“

In Lubmin hat sich die Technologie-Initiative Vorpommern gebildet, in der auf den Rückbau von Kernkraftwerken spezialisierte Firmen Mitglied sind. „Wir wollen jetzt an hochtechnisierte Produkte in den Kraftwerken ran“, sagt Vorstandschef Gerhard Seewald. Weg von den „0815-Aufträgen“. Es solle ein Netzwerk für Kraftwerksservice entstehen. Ziel sei es, technische Lösungen zu finden, die auch Aufträge mit hoher Wertschöpfung ins Land bringen. Die Schweizer Firma Applicsign liefere dafür die Basis-Technologe, die in Lubmin praxisreif werden soll. Allein könne seine Firma das Thema nicht mehr stemmen, so Berger. Das praktische Know-how „sitzt in Deutschland“. Auch Experten der Universität Rostock seien an der Entwicklung beteiligt.

In Lubmin solle ein Prototyp einer mobilen Anlage entstehen, die weltweit einsetzbar ist, erklärt Gerold Jürgens, Präsident des Unternehmerverbandes Vorpommern. Beim Zerschneiden von Betonhüllen fallen etwa Kühlmittelrückstände oder Bruchstücke an, die derzeit sehr aufwändig behandelt werden müssen. Das solle sich ändern – aus einer Hand. „Wir sind in der Entwicklungsphase“, so Jürgens. Er wittert eine Chance, von Vorpommern aus den Rückbau von Kernkraftwerken weltweit betreiben zu können. Sollten zum Beispiel Schweden anfragen, „dann wollen wir das von hier aus leisten“, so Jürgens. „Wir bauen das Ding und gehen damit auf den Markt.“ Er erwarte hohe Wertschöpfung und zusätzliche Jobs für die Region.

Staatssekretär: Heimische Firmen sind wettbewerbsfähig

Besiegelt wurde der Pakt zwischen Firmen aus MV und der Schweiz vor wenigen Tagen bei einem Treffen in Bern, begleitet von der Landesregierung. Die Kooperation zeige, „dass unsere heimischen Firmen das Wissen und die Kompetenz haben, international wettbewerbsfähige technische Lösungen umzusetzen“, sagt Stefan Rudolph (CDU), Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Das Ministerium fördere die Technologie-Initiative mit 200 000 Euro. „So kann die Wettbewerbsfähigkeit vor allem der kleinen und mittleren Unternehmen systematisch gesteigert werden“, so Rudolph.

Frank Pubantz

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