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Greifswald Medizin-Firma im Erfolgsrausch

Greifswalder Start-Up Coldplasmatech wird mit Preisen überschüttet / Hilfe bei chronischen Wunden

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Beim Wettbewerb „Unternehmer des Jahres“ kam Coldplasmatech vor Kurzem ins Finale. „Geil“, sagt Chef Carsten Mahrenholz (Mitte), hier bei der Preisverleihung mit Mitgründer Stephan Krafczyk (links) und Axel Kühle. FOTO: Ernst & Young

Greifswald. Carsten Mahrenholz ist im Erfolgsrausch – einem, wie ihn wohl wenige Firmengründer in Greifswald erleben: Sein Unternehmen Coldplasmatech, das ein Hightech-Pflaster zur Behandlung chronischer Wunden entwickelt, hat schon wieder drei Auszeichnungen eingesackt. Dabei ist das Produkt noch gar nicht zu kaufen.

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Greifswalder Start-Up Coldplasmatech wird mit Preisen überschüttet / Hilfe bei chronischen Wunden

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Beim Wettbewerb „Unternehmer des Jahres“ kam Coldplasmatech vor Kurzem in die Endrunde. Den „Public Value Award“ nahmen die Greifswalder entgegen. Und dann auch noch eine internationale Auszeichnung.„Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Mahrenholz, der Fotos von sich bei den Preisverleihungen online gestellt hat: mit rausgestreckter Zunge, in Siegerpose. Was ihn berauscht: „Unsere Arbeit wird gesehen.“

Kein Wunder. Denn was der Biologe, Chemiker und Wirtschaftsexperte Mahrenholz und sein Team nächstes Jahr auf den Markt bringen wollen, könnte über vier Millionen Patienten allein in Deutschland Erleichterung bringen (die OZ berichtete). Ein Silikonstück haben sie entwickelt, das an eine Box angekabelt wird und ein kaltes Plasma produziert. Auf großflächige, schlecht heilende Wunden soll man es auflegen. Knopf drücken, zwei Minuten warten. Ein Plasma leuchtet lila auf, „dann sind alle Bakterien in der Wunde nachweislich abgetötet, sogar multiresistente Keime“, sagt Mahrenholz. Und die körpereigene Wundheilung kriege einen „Kick“.

Für Diabetiker mit chronischen Wunden, für Menschen mit Brandverletzungen oder wundgelegenen Stellen könne das nach wiederholter Anwendung die entscheidende Hilfe sein, sagt der Firmenchef. Nicht nur er ist davon überzeugt. Seit sich Coldplasmatech 2015 aus dem Greifswalder Leibniz-Institut für Plasmaforschung und -technologie (INP) herausgegründet hat, hört der Zuspruch nicht auf. Das Bundes- und das Landeswirtschaftsministerium gaben Fördergelder, ein Investor ist mit einer sechsstelligen Summe eingestiegen (die OZ berichtete), mehrere Auszeichnungen gab es. Nun die drei neuen.

Die erste: „Ernst & Young“, ein Netzwerk von Wirtschaftsprüfern und Unternehmensberatern sowie die HHL Leipzig Graduate School of Management wollten einen Preis an Start-up-Firmen vergeben, die sich ums Gemeinwohl besonders verdient machen. Fast 90 Bewerbungen gingen ein, Coldplasmatech schaffte es auf Platz eins. Begründung: Das Plasma- Pflaster könnte Millionen Menschen Linderung verschaffen.

Ernst & Young hatte zudem zum 20. Wettbewerb „Unternehmer des Jahres“ aufgerufen, Firmen aus ganz Deutschland wurden nominiert, von Jurys bewertet. Coldplasmatech schaffte es unter die ersten 35.

„Nun werden wir in der Hall of Fame von Ernst & Young genannt – geil“, sagt Mahrenholz.

Die dritte Auszeichnung kommt vom „European Institute of Technology“, das mit Fördergeldern der EU arbeitet. 21 ausgewählte Jung-Unternehmen aus Medizintechnologie, Biotechnologie und Digitale Gesundheit stellten in Barcelona europäischen Investoren ihre Idee vor. Coldplasmatech wurde von der Experten-Jury und von diesem Publikum auf die ersten Plätze gewählt – 32000 Euro Preisgelder.

„Der Publikumspreis freut mich besonders“, sagt Mahrenholz. „Denn für die ganz normalen Leute entwickeln wir unser Produkt.“

Bis das Hightech-Pflaster tatsächlich auf dem Markt ist, wird es aber noch ein paar Monate dauern. Der medizinische Nutzen von kaltem Plasma für die Wundheilung sei in Studien längst nachgewiesen worden, sagt Mahrenholz; mit dieser Methode arbeite ja auch der Plasma-Stift, der längst auf dem Markt ist. „Wir müssen aber mit einer klinischen Studie noch speziell die Wirksamkeit unseres Pflasters nachweisen.“ Parallel verhandeln die Coldplasmatech-Mitarbeiter mit den gesetzlichen Krankenkassen, planen die Details der Serienproduktion und durchlaufen das Zulassungsverfahren zum Medizinprodukte-Hersteller.

Klappt alles wie geplant, kommt die Wundauflage im Sommer auf den Markt und wird von den Krankenkassen als Regelleistung finanziert. Für Mahrenholz und sein Team wäre das der größte Erfolg, größer als jeder Preis.

Kaltes Plasma soll die Wundheilung revolutionieren

Über vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an großen, chronischen oder schwer zu heilenden Wunden.

Wie kaltes Plasma die Wundheilung revolutionieren könnte, ist auch Thema in der Diabetes-Klinik Karlsburg. Unter anderem bei Patienten mit offenen Füßen kommt hier der „Plasma-Pen“ zum Einsatz, den das Greifswalder Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) entwickelt hat. Das Verfahren: Kaltes Plasma dringt als Gasschicht bis zum Grund der Wunde vor, regt die Bildung von neuem Gewebe an und tötet Keime ab. Dieser Stift wurde als erstes medizinisches Produkt auf Kaltplasma-Basis in Deutschland zugelassen.

Die Hightech-Wundauflage, die die Greifswalder Firma Coldplasmatech entwickelt und ins Zulassungsverfahren gebracht hat, nutzt die gleichen heilenden Effekte von kaltem Plasma wie der Plasma-Pen. Die Anwendung soll aber viel schneller und großflächiger gehen als mit dem Stift.

Sybille Marx

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