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Mit dem „Seefuchs“ nach Kaliningrad

Stralsund Mit dem „Seefuchs“ nach Kaliningrad

Traditionsschiff wird den Greifswalder Museumshafen wegen der Fahrtiefe des Rycks sobald nicht mehr anlaufen

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Kaptän Oliver G. Schmidt, einer von vier Eignern des Traditionsschiffes „Seefuchs“, das mit Herzblut und Leidenschaft bewahrt wird.

Stralsund. Einen Seemann kann so schnell nichts erschüttern. Trotzdem bedauert Oliver G. Schmidt sehr, dass er mit dem Traditionsschiff „Seefuchs“ nicht mehr in den Greifswalder Museumshafen kommt. Seit mittlerweile zwei Jahren ankert der Kutter am Dänholm in Stralsund, weil die Durchfahrtstiefe des Rycks nicht mehr ausreicht. „Das Problem ging praktisch mit dem Bau des Sperrwerks los“, sagt Schmidt ohne Groll.

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Traditionsschiff wird den Greifswalder Museumshafen wegen der Fahrtiefe des Rycks sobald nicht mehr anlaufen

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Der „Seefuchs“ habe einen Tiefgang von 3,50 bis 3,80 Meter. „Je nach Ladung“, verdeutlicht der Kapitän. Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) hatte in der Vergangenheit mehrfach den zulässigen Tiefgang von Schiffen korrigiert. Im vorigen Jahr waren noch 3,40 Meter zulässig, später drei Meter, seit Frühjahr 2016 nur noch 2,80 Meter. Auch das Flaggschiff der Hansestadt musste aufgrund dessen seinen angestammten Liegeplatz in Wieck verlassen, die „Greif“ liegt jetzt im Industriehafen Ladebow (die OZ berichtete).

Der Ryck, der immer wieder versandet, soll zwar vor dem Sperrwerk ausgebaggert werden – aber nicht tief genug für den „Seefuchs“. „Ich kann das ja auch irgendwie verstehen“, räumt Eigner Oliver G.

Schmidt ein, „wirtschaftlich ist es nicht vertretbar, so einen Aufwand für zwei Schiffe zu betreiben“. Alle anderen Traditionsschiffe des Museumshafens hätten seines Wissens nach nicht das Problem des Tiefgangs. „Höchstens die ,Lovis’ mit ihren 3,20 Meter“, so Schmidt.

Aus der Not des Heimatvertriebenen versucht er deshalb nun eine Tugend zu machen: Der „Seefuchs“ mit seinem auffallend roten Rumpf soll Stralsundern und Touristen ein guter Gastgeber sein. Als erfolgreicher Testballon wurde in jüngster Vergangenheit mit dem Deutschen Meeresmuseum ein Shuttle-Verkehr vom Stralsunder Stadthafen zum Nautineum, einem „vergessenen Ort“, wie Schmidt sagt, gestartet. Am Dienstag fuhr das Schiff allerdings vorerst zum letzten Mal. „Die Resonanz war sehr gut. Wir überlegen, im August weiterzumachen“, sagt er. Zwar sei es für ein Traditionsschiff in Stralsund schwierig, „denn es gibt hier für sie keine Lobby wie in Greifswald“, erklärt der Kapitän. Dennoch versuche er mit seinem Team, in der Nachbarstadt ein Netzwerk aufzubauen. Ein Gutes hat die neue Lage am Dänholm ja auch: Der Stralsunder ist seiner Heimatstadt wieder ein ganzes Stück nähergerückt.

Zusammen mit rund 20 Freunden und Förderern steckt der Familienvater seit 23 Jahren viel Herzblut, Schweiß und Geld in das ehrenamtliche Projekt zur Erhaltung des Schiffes. Was da an Stunden und Summen zusammengekommen ist, „haben wir nie aufgerechnet“, sagt Schmidt, der einer von vier Eignern ist. „Das ist wohl auch der Grund, warum wir uns immer noch mögen und vertragen“, meint der 50-Jährige.

Gerade mal 28 war Schmidt, als er mit „Liebe auf den ersten Blick“ der Faszination des DDR-Hochseekutters erlag und ihn mit Gleichgesinnten vor der Verschrottung rettete. Denn eigentlich hatte man den Pott schon ausgemustert. Das hielt Schmidt und seine Mannschaft aber nicht davon ab, das Schiff zu erwerben. Heute ist der „Seefuchs“ eine „Plattform für viele Unternehmungen“, vor allem aber auch „ein sozialer Treffpunkt“.

Die Basis für das Schiff sei von Anfang an Ehrenamtlichkeit gewesen. „Es geht uns um die Umsetzung von Projekten, nicht um einen kommerziellen Hintergrund“, erklärt der Stralsunder. So gebe es eine langjährige Kooperation mit dem Wissenschaftler Thomas Förster auf dem Gebiet der Unterwasserarchäologie. Im Herbst ist die nächste Forschungsreise geplant. Zuvor geht es auf Reisen über die Ostsee.

An Bord gehen können bis zu 45 Gäste. Eintragungen im Gästebuch sprechen immer wieder von Begeisterung anderer Schifffahrtsverrückter. Schmidt, der beruflich auf einem Vermessungsschiff zur Sondierung und Bergung von Munition fährt, kann sich in Zukunft für die Crew auf dem „Seefuchs“ durchaus einen Generationswechsel vorstellen. Seine Kinder im Alter von 13, 15 und 23 Jahren hat er bereits angesteckt.

Willkommen an Bord

Das Schiff wurde auf der Elbewerft in Boizenburg gebaut und lief 1958 vom Stapel. Wenig später ging der Kutter als „Heringshai“ auf Fischfang.

1993 erwarb eine Eignergemeinschaft den Kutter und taufte ihn auf „Seefuchs“, 1994 fand er seinen Liegeplatz im Museumshafen Greifswald.

Auf nächste große Fahrt begibt sich der „Seefuchs“ am 30. Juli. Von Stralsund geht es nach Kaliningrad, zurück über Danzig und Bornholm . Am 11. August führt eine Tagestour nach Rostock, wo vom 12.-14. August Tagesfahrten zur Hansesail angeboten werden.

• www.seefuchs.de.

Marlies Walther und Petra Hase

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