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Ohne Moos nix los: Sportler zahlen Tausende Euro für Meisterschaften

Greifswald Ohne Moos nix los: Sportler zahlen Tausende Euro für Meisterschaften

Wer an nationalen und internationalen Wettbewerben teilnehmen will, muss vorher die umfangreiche Finanzierung der Reise stemmen / Kann die Stadt helfen?

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V.l.: Maria Stubbe, Aline Krause, Maileen Diedrichsen, Anne Knuth, Kristin Lemke, Ariane Stahn und Lisa Joswig von „Pimienta Azul“.

Quelle: privat

Greifswald. Jolanda und Arvid Müller haben Großes vor. Die beiden Nachwuchssegler aus der Hansestadt treten in der kommenden Woche bei der Weltmeisterschaft in San Remo in Italien an. „Das ist eine große Sache“, sagt Christian Radicke, Vorsitzender des Greifswalder Yachtclubs, und blickt zurück: „Die Qualifikation war hart.“ Die Rechnung des Verbandes auch: Gebühren, Anfahrt, Unterkunft und so weiter kosten 6000 Euro.

So wie den Seglern geht es fast jedem Amateursportler, der an Deutschen, Europa- oder gar Weltmeisterschaften teilnehmen will: Der sportliche Enthusiasmus erfährt erst mal einen Dämpfer, weil eine umfangreiche Finanzierung gestemmt werden muss. Wäre es nicht eine Option, von der Stadt unterstützt zu werden? Immerhin tragen die Sportler den Namen Greifswalds in die Welt hinaus. „Die Idee der ,Markenbotschafter’ finde ich sehr interessant“, sagt Anja Mirasch, Geschäftsführerin des Stadtmarketingvereins. „Gemeinsam mit dem ehemaligen Bürgermeister hatten wir die Idee schon einmal diskutiert.“ Allerdings ohne zählbares Ergebnis. Ein Konzept oder ein Budget gibt es nicht. Mirasch schwebt auch eher eine Kooperation auf „ehrenamtlicher“ Ebene vor. Sollte diese finanziell ausgebaut werden, könne man im Einzelfall darüber reden.

Mignon Schwenke (Linke), Vorsitzende des städtischen Sportausschusses, winkt hingegen gleich ab. „Wer bei internationalen Meisterschaften Deutschland vertritt, sollte sich an den Bund wenden.“ Die Stadt habe schon genug damit zu tun, die Sportstätten in Schuss zu halten. Beim Landkreis, dessen finanzielle Situation bekannt ist, hat die Sportförderung generell keinen sonderlich hohen Stellenwert. Der für Sport zuständige Ausschuss berät kaum spezifische Themen, der Kreistag fasst dementsprechend so gut wie keine Beschlüsse. „Das liegt alles in den Händen des Kreissportbundes“, so Schwenke, die nicht nur in der Bürgerschaft, sondern auch im Kreistag sitzt.

Direkte Unterstützung durch die Stadt können Sportvereine oder Einzelathleten nicht erwarten, teilt Bärbel Lenuck von der Pressestelle im Rathaus mit. „Es gibt keine Beteiligung für Auswärtsfahrten oder Meisterschaftsteilnahmen.“

Eine Ausnahme ist der Greifswalder Boxclub. Für das vergangene und das laufende Jahr gibt es jeweils 10 000 Euro. Beim Club selbst ist man zwar dankbar, aber auch nicht ganz glücklich damit (siehe Infokasten). Wie es im nächsten Jahr weitergehen soll? Ob es überhaupt weitergeht? Keiner weiß es. „Und dann haben wir noch eine Boxerin, die zur Europameisterschaft könnte. Das kostet uns 2000 Euro“, berichtet Renate Femfert, die fast täglich auf der Suche nach neuen Unterstützern ist. Jeder Euro hilft.

Sponsoren können helfen, sind aber kein Allheilmittel. Die Suche erweist sich als umso schwieriger, je weniger die Sportart im Fokus des öffentlichen Interesses steht. Nachwuchs- und Seniorenmannschaften sowie -athleten und auch Behindertensportler haben es zusätzlich schwer, Geldgeber für sich zu begeistern. Punkten kann, wer Titel vorweisen kann. Doch um Auszeichnungen zu bekommen, müssen eben Auswärtsfahrten zu den Wettkämpfen organisiert werden. Dafür werden aber Sponsoren benötigt. Ein Dilemma.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen und den Unterstützern mehr anzubieten, als das Firmenlogo auf dem T-Shirt zu tragen, hat die Greifswalder Showtanz-Gruppe Pimienta Azul auch Auftritte im Portfolio. Das werde gerne angenommen, so Trainerin und Mittänzerin Anne Knuth. Gerade musste die Gruppe allerdings einen Rückschlag hinnehmen. Eigentlich sollte es zur EM nach Slowenien gehen. „Das hätte 2000 bis 3000 Euro gekostet“, überschlägt Knuth. Das Geld warb sie bei Sponsoren ein, ihr Verein gab etwas dazu, letztlich sollten auch die Eltern der Tänzerinnen dafür aufkommen. Doch dann verletzte sich ein Teammitglied, die Reise wurde abgesagt. „Wir bleiben auf den Stornokosten sitzen. Das Jahr ist gelaufen.“

Hoffnungsfroher sind hingegen die eingangs genannten Segler. Sie haben einen Mäzen im Verein, der 2500 Euro beisteuert. Der Verein und Unterstützer geben auch etwas dazu. Der große Rest muss aber privat gezahlt werden.

So sieht die Sportförderung der Stadt aus

116 300 Euro hat Greifswald im Jahr 2015 für den Sport ausgegeben. Die größten Posten sind die Betriebskosten und Pacht-Rückerstattungen mit 53 000 Euro sowie Aufwendungen für Sportwettkämpfe in der Hansestadt mit überregionalem oder gar internationalem Charakter in Höhe von 40000 Euro. Der Boxclub bekam 2015 und 2016 jeweils 10 000 Euro, um den Betrieb absichern zu können. „Wir benötigen 23000 Euro im Jahr“, sagt Renate Femfert. 13 000 Euro würden über Sponsoren eingeworben. „Was darüber hinausgeht, müssen wir an die Stadt zahlen.“ Dem Ziel, einen neuen Boxring (ab 15000 Euro) anzuschaffen, sei man keinen Schritt näher gekommen.

Kai Lachmann

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