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Töpfern - für viele mehr Hobby als Beruf

Greifswald Töpfern - für viele mehr Hobby als Beruf

Katharina Hesse ist die einzige Berufskeramikerin in Greifswald / Handwerkskurse sind beliebt

Greifswald. „Töpfern ist für viele heute mehr ein Hobby, denn ein Beruf, von dem man leben kann“, sagt Katharina Hesse. Sie sitzt in ihrer Werkstatt in der Gützkower Straße und dreht eine Vase. Was für den Zuschauer leicht aussieht, bedarf einiger Übung. Eine Frau macht es Hesse nach. Sie ist eine ehemalige Kursteilnehmerin. Wie alle, die das Töpfern bei Katharina Hesse erlernten, darf sie am Kursende kostenlos Ton drehen. „Mir macht das Spaß. Es ist vor allem ein guter Ausgleich zu meinem Beruf. Es ist entspannend und beruhigend, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen“, so die Hobby-Töpferin. Im Gegensatz zu ihrer Ausbilderin braucht sie länger für die Produkte, doch am Ende kann sich ihre Arbeit sehen lassen.

 

OZ-Bild

Töpferin Katharina Hesse dreht eine Vase in ihrer Werkstatt.

Quelle: Laura Weigele

Töpferkurse sind beliebt und somit ein gutes Standbein.“

Katharina Hesse, Töpferin

Katharina Hesse wollte ursprünglich Gärtnerin werden, lernte dann aber Krankenschwester. „Mein Vater war Arzt und wollte das so“, erzählt die 53-Jährige. Als sie mit 18 Jahren zum ersten Mal eine Töpferei betrat, war es um sie geschehen: „Es war so faszinierend. Ich kam in den Raum und wollte sofort meinen Beruf schmeißen. Ich wusste gleich, dass es das war, was ich immer machen wollte“, erklärt Hesse. In der DDR sei es schwer gewesen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen: „Die Werkstätten, die im Osten ausbilden, kann man an einer Hand abzählen“, so Hesse.

1988 bestand sie die Gesellenprüfung in Potsdam zur Töpferin, 1990 machte sie sich in Greifswald selbstständig. Ab 2000 hatte Hesse ihre Werkstatt für zehn Jahre auf Usedom, aber wegen der Arbeit ihres Mannes kam sie zurück in die Hansestadt. Doch kann man von dem Beruf leben? „Man kann von den Verdienst keine Luftsprünge machen, aber mein Mann ist Pfarrer und wir können davon leben“, erklärt Hesse. 15 Prozent ihrer Einnahmen seien individuelle Bestellungen, die die Kunden aufgeben. Dabei kommt es oft auch zu verrückten Bestellwünschen, davon kann die Handwerkerin nicht alle umsetzen:

„Ich fertige meine Glasur selbst an, weswegen ich an gewisse Farben wie Blau, Braun und Grün gebunden bin.“ Eine kleine Vase dreht die gebürtige Greifswalderin in circa zehn Minuten, Artikel mit Henkeln sind aufwändiger, so wie sehr breite Gefäße, wie zum Beispiel Bodenvasen.

Wenn der Winter kommt, wird es meist sehr ruhig in der Werkstatt: „Ich biete seit geraumer Zeit Kurse an, das ist ein wichtiges Standbein“, erklärt die gelernte Krankenschwester. „Zum Glück habe ich den Platz dafür. Zu meiner eigenen Scheibe habe ich noch vier weitere, auf denen man drehen kann.“ So könnten pro Kurs bis zu vier Personen teilnehmen. Ein Kurs dauere am Wochenende eineinhalb Tage und in der Woche finde er zwei Stunden pro Tag, insgesamt über acht Wochen, statt. Dabei sei das Angebot sehr beliebt: „Der älteste Teilnehmer war ein 80-Jähriger. Ab 14 Jahren darf man mitmachen, aber durchschnittlich sind die Teilnehmer über 50.“ Kurse seien eine gute Alternative zu Auszubildenden. „Ich bilde nicht aus, weil ich mir einen zweiten Angestellten nicht leisten kann. Außerdem müsste ich den Lehrling betreuen und das würde mich auch von der Arbeit ablenken, da sind mir Abendkurse lieber“, erklärt Hesse.

Um ihre Produkte zu verkaufen, nutzt Hesse auch die Greifswalder Märkte. So hatte sie am Wochenende ihren Stand auf dem Greifswalder Ostermarkt und Ende Mai wird sie ihre Waren auf dem Töpfermarkt in der Hansestadt präsentieren. Auf größere Märkte möchte die 53-Jährige nicht gehen: „Das ist zu viel Arbeit. Allein schon die Bewerbungen für den Stand. Außerdem ist dann ein ganzes Wochenende futsch.

Ich müsste dafür auch mehr produzieren.“

Das Töpferhandwerk - eine jahrtausendalte Tradition

24000 Jahre alt sind die ersten Keramikfiguren. Die ersten Gefäße sind circa 19000 Jahre alt und wurden zum Kochen von Meerestieren verwendet. Die Verarbeitung und das Brennen von Ton und Lehm sind womöglich die ersten Handwerkskünste, die mit der Entstehung der menschlichen Kultur in engem Zusammenhang stehen. Aus der Töpferei entstanden Entdeckungen: Die Erfindung der Töpferdrehscheibe führte vermutlich vor mindestens 6000 Jahren zur Erfindung des Rades.

Von Laura Weigele

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