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Usedom-Marketing vor der Zerreißprobe

Koserow Usedom-Marketing vor der Zerreißprobe

Wegen EU-Vorgaben ist die Aufteilung der UTG geplant / Touristiker kritisieren Insel-Werbung / Heringsdorf nimmt regionale Werbung wieder in die eigene Hand

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Wie lange hält die Insel Usedom noch zusammen, um sie gemeinsam zu vermarkten? Repro: Benjamin Barz

Koserow. In Usedoms Fremdenverkehr brodelt es: Einerseits steht die Usedom Tourismus GmbH (UTG) als Vermarkterin der zweitgrößten deutschen Insel kurz vor der Aufspaltung, weil ihre überwiegend kommunalen Anteilseigner mit geltendem EU-Recht in Konflikt zu geraten drohen. Und dann wächst auch noch die Unzufriedenheit etlicher Touristiker und Kommunalpolitiker mit der Arbeit der UTG und ihrer Geschäftsführerin Dörthe Hausmann. Für viele Hoteliers und Urlaubsanbieter seien die Werbe-Dienstleistungen der UTG zu teuer geworden, lautet ein Vorwurf.

So verlange die Tourismus GmbH für Messe-Präsentationen hiesiger Unternehmen bis zu fünfstellige Summen, bestätigten Vertreter mehrerer Häuser gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. „Die Relation von Kosten und Nutzen ist aus den Fugen geraten“, kommentiert ein Hotelier. Ein anderer sieht die Entwicklung, „dass sich die UTG als gewinnoptimiertes Unternehmen profiliert und sich nicht mehr als Dienstleister für den Fremdenverkehr der Insel versteht.“ Nur wenige wie „Das Ahlbeck“-Chefin Petra Bensemann äußern sich zufrieden über die Aktivitäten: „Ihre Arbeit macht die UTG ordentlich und vernünftig. Sie ist ein wichtiger Werbefaktor für Usedom.“

UTG-Geschäftsführerin Dörthe Hausmann hat zwar durchaus vernommen, dass „einige meinen, unsere Preise seien zu hoch“. Offiziell habe sich aber noch niemand beschwert: „Es wäre doch schön, wenn jene Hoteliers mit mir sprechen würden“, sagte sie auf Nachfrage. Dann könnte sie den Kritikern entgegenhalten, dass „wir national und international in den Quellgebieten agieren — und zwar zu marktüblichen Preisen“. Die seien zwar höher, als wenn Usedom-Werbung nur regional betrieben würde. Aber auch für groß angelegte Kampagnen wie eine derzeit mit T-Online laufende Aktion auf Reiseportalen gebe es bislang immer genügend Beteiligung hiesiger Anbieter: Aktuell „machen acht Partner mit“, sagte Hausmann. Sie ist vom Erfolg ihrer Strategie überzeugt: „Wir haben die besten Zahlen.“ So stieg laut Sparkassen-Tourismusbarometer die Zahl der Gäste-Ankünfte zwischen Januar und August vergangenen Jahres um 5,6 Prozent, während sie auf Rügen und Hiddensee nur um 2,7 Prozent zunahm.

Tourismus Service GmbH will Marketing selber betreiben Doch während Dörthe Hausmann bis einschließlich Sonntag auf der Züricher Tourismusmesse Fespo um Usedom-Gäste aus der Schweiz warb, kommt Kritik am Kurs der UTG auch aus der Gemeinde Heringsdorf, die mit ihrer Kaiserbäder Tourismus Service GmbH (KTS) immerhin 50,2 Prozent der UTG-Anteile hält: Trotz vieler Aktivitäten stelle die UTG die Alleinstellungsmerkmale der Insel zu wenig in den Vordergrund, findet Kurdirektor und KTS-Geschäftsführer Thomas Heilmann. „Deshalb haben wir uns entschlossen, das regionale Destinationsmarketing wieder in eigener Regie zu betreiben.“

Und noch ein weiterer Umstand belegt, dass die gemeinsame Insel-Vermarktung bröckelt: Seit Jahresanfang sind bei der KTS drei bisherige UTG-Beschäftigte tätig, die hier wie dort für Zimmervermittlungen eingesetzt sind beziehungsweise waren. Jedoch beteuert KTS-Chef Heilmann, die drei Mitarbeiterinnen „nicht von der UTG abgeworben“ zu haben. Man habe nur vermeiden wollen, dass die Vermittlerinnen bei privaten Unternehmen ihre Tätigkeit fortsetzen und „dadurch Umsätze abfließen“ aus der öffentlichen Tourismusförderung.

Jene bundesweit bisher weit verbreitete Verquickung öffentlicher Aufgaben und unternehmerischer Betätigung ist der Europäischen Union schon länger ein Dorn im Auge. Spätestens ab April dieses Jahres, warnt der Deutsche Tourismusverband, begeben sich wegen einer Neuordnung des EU-Beihilferechts kommunal getragene Tourismusorganisationen auf juristisch dünnes Eis, wenn sie einerseits öffentliche Gelder erhalten und andererseits wirtschaftlich aktiv sind. Schlimmstenfalls, heißt es in einem Rundschreiben der Dachorganisation, „drohen Rückzahlungen in Millionenhöhe und die Insolvenz“.

Um dies zu vermeiden, laufen auf Usedom die Vorbereitungen zur Aufspaltung der UTG in eine rein kommunale Gesellschaft für die Vermarktung der Dachmarke „Usedom“ und eine privatwirtschaftliche UTG für alle anderen Aufgaben. Bis Ende März sollen nach Worten von Dörthe Hausmann alle nötigen Entscheidungen getroffen sein. Doch in der vorigen Woche erlebten die Pläne einen ersten Rückschlag: Die Koserower Gemeindevertreter nahmen wegen Diskussionsbedarfs die Entscheidung über den Austritt aus der UTG und den Beitritt in eine kommunale Tourismusgesellschaft von der Tagesordnung.

Usedom Tourismus GmbH steuert in ungewisse Zukunft Auch in den Kaiserbädern gibt es noch Unklarheiten, wie Bürgermeister Lars Petersen (CDU) bestätigt: Laut bisheriger Planungen für die kommunale UTG soll die Gemeinde Heringsdorf 40 Prozent der Anteile zeichnen. Aber wegen dieser Größenordnung sind die Kaiserbäder auf die Genehmigung durch den Landkreis als Rechtsaufsichtsbehörde angewiesen — „und ich glaube nicht, dass die Kommunalaufsicht zustimmt“, fürchtet der Rathauschef. Ein Anteil von bis zu 20 Prozent hingegen wäre zwar genehmigungsfrei, dann aber ist die Gesamtfinanzierung der Gesellschaft ungeklärt. So läuft im Hintergrund die Suche nach Alternativen: Die Gründung eines Zweckverbands scheint dabei ebenso im Gespräch wie der Verzicht auf eine UTG-Aufteilung. Wenn nämlich die Heringsdorfer KTS die Hälfte ihres 50,2-Prozent-Anteils an den Tourismusverband Insel Usedom (TVIU) übertragen würde, wäre nach Ansicht von Juristen die UTG nicht mehr durch EU-Recht angreifbar. Die UTG-Gesellschafter kommen am 17.

Februar zu ihrer nächsten Sitzung zusammen.

Die Usedom Tourismus GmbH (UTG)

6 Gesellschafter tragen die Usedom Tourismus GmbH (UTG): Mit 50,2 Prozent hält die gemeindeeigene Kaiserbäder Tourismus Service GmbH (KTS) die Mehrheit. Es folgen der als Verein eingetragene Tourismusverband Insel Usedom (TVIU) mit 25,8 Prozent, die drei sogenannten Nordbäder Zinnowitz, Karlshagen und Trassenheide mit 9 Prozent und die vier Bernsteinbäder Koserow, Ückeritz, Loddin und Zempin mit 8 Prozent. Weitere 4 Prozent entfallen auf die UTG Beteiligungs GbR und 3 Prozent auf die Usedomer Bäderbahn.



Siegfried Denzel

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