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„Usedoms Erdgas ist rentabel“

Heringsdorf/Bansin „Usedoms Erdgas ist rentabel“

Die geplante Erdgasförderung in den Kaiserbädern begleitet Martin Fromholz bereits sein gesamtes Berufsleben lang.

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Wo sich heute je nach Jahreszeit Eislaufstadion und Theaterzelt abwechseln wurde gleich neben der Sternwarte Anfang der 1980er Jahre nach Erdgas gebohrt. Fotos (2): Archiv Fromholz

Heringsdorf/Bansin. Die geplante Erdgasförderung in den Kaiserbädern begleitet Martin Fromholz bereits sein gesamtes Berufsleben lang. Und er hält es für durchaus möglich, dass er schon im Ruhestand sein wird, wenn das erste Gas aus dem riesigen, bis weit in die Ostsee reichenden Vorkommen fließt: „Ich rechne damit, dass es noch 15 Jahre dauern wird“, sagt der in Labömitz ansässige Brennstoffhändler. Denn trotz aller Bemühungen des Heringsdorfer Bürgermeisters Lars Petersen (CDU), mit dem Energiekonzern Engie E&P Deutschland GmbH zu einer einvernehmlichen und für die Gemeinde mit millionenschweren Steuereinnahmen verbundenen Einigung über die Förderung zu kommen, „wird es wohl Klagen geben“, ist Fromholz überzeugt.

OZ-Bild

Die geplante Erdgasförderung in den Kaiserbädern begleitet Martin Fromholz bereits sein gesamtes Berufsleben lang.

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Ich habe gegen das Gas keine Sicherheitsbedenken.“Martin Fromholz (53), Brennstoffhändler

Konflikt mit Tourismus nicht neu Der heutige Unternehmer gehörte vor 35 Jahren zu jenem Team, das 1981 am Schloonsee die erste erfolgreiche Bohrung niederbrachte. Seinerzeit war er in der Ausbildung zum „Facharbeiter für geologische Bohrungen“, als die damalige Lehr-Anlage des VEB Erdöl-Erdgas Grimmen direkt am Schloonsee in rund 2500 Metern Tiefe auf Gas stieß. Eine zweite, auf dem Areal der heutigen Eislaufanlage beziehungsweise des Theaterzelts „Chapeau Rouge“ direkt an der Heringsdorfer Promenade vorgenommene Erkundung bestätigte den Fund, und schließlich habe der XI. Parteitag der SED 1986 mit einem entsprechenden Beschluss der Ausbeutung des Vorkommens die höchsten politischen Weihen verliehen, sagt Fromholz.

Doch auch 30 Jahre später wartet ein prall gefülltes Gasvorkommen noch auf die Bohrtrupps. Für die DDR wurde das Projekt trotz des Parteitagsbeschlusses einfach zu teuer: Schon damals sahen die Verantwortlichen einen Konflikt mit dem Fremdenverkehr — doch um die Auswirkungen möglichst gering zu halten, setzten sie auf die damals beste verfügbare Technik. Jene aber war nur gegen rare Devisen im nichtsozialistischen Westen zu haben: Aus Westdeutschland und den USA seien die Lieferungen auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld eingetroffen und anschließend direkt nach Heringsdorf beziehungsweise Bansin gebracht worden, erinnert sich der heute 53-Jährige. „Wir haben Technik eingesetzt, die wir vorher nur aus Prospekten kannten“ — einschließlich der damals neuesten Sicherheitsvorrichtungen; schließlich wollten die Genossen nicht riskieren, eines der beliebtesten Urlaubsreviere ihrer Werktätigen zu verwüsten. Auf 140 bis 160 Tage seien die damaligen Bohrarbeiten angesetzt gewesen. Heute würde das zwar viel schneller gehen, ist der damalige Facharbeiter überzeugt. Aber selbst mit der Technik des 21. Jahrhunderts sei das Vorhaben der Erdgasförderung wegen der speziellen geologischen Strukturen eine „Herausforderung“.

Keine Sicherheitsbedenken

Sicherheitsbedenken hat Martin Fromholz trotzdem nicht: Nach menschlichem Ermessen könne es bei der heutigen Technik keine Lecks geben. Und auch das von den Kritikern wiederholt vorgebrachte Argument, dass das vor rund 240 Millionen Jahren entstandene Gasvorkommen eine besonders giftige Variante des Bodenschatzes enthalte, ist für Fromholz nicht stichhaltig. „Wäre es wirklich so giftig, hätten wir nicht Bakterien gehabt in den Bohrspülungen.“

Selbst den Einwand von Touristikern, eine Erdgasförderung greife zu sehr in die Natur der Ferieninsel ein, weist er zurück: Gerade Fremdenverkehrsunternehmen hätten sich wenig um den zu Wendezeiten gefassten Vorsatz gekümmert, auf Usedom einen umweltverträglichen Tourismus zu entwickeln. Einige große Hotelbauten auf der Insel seien „ein größerer Frevel“ als es eine von Engie als Projektentwurf vorgestellte Bohrstätte am alten Wasserwerk in Bansin oder an der ehemaligen Russenkaserne in Ahlbeck wäre. Dass der Konzern die aus seiner Sicht noch immer betriebsfähige Bohrstelle am Schloonsee gegen die vergleichsweise abgelegenen Alternativstandorte eintauschen und damit zusätzliche Investitionen von 40 bis 50 Millionen Euro in Kauf nehmen würde, sieht Fromholz zwar als Entgegenkommen der Engie-Verantwortlichen. Andererseits: Engie und ihre französische Muttergesellschaft Gaz de France seien durch die Wende und die von der Treuhandanstalt abgewickelte Privatisierung „fast umsonst an die Lagerstätte gekommen“. Will heißen: Selbst teure Projekt-Nachbesserungen stellten die Wirtschaftlichkeit der Förderung nicht in Frage.

Deshalb ist Martin Fromholz auch überzeugt davon, dass Engie trotz allen Widerstandes — unter anderem der Gemeindevertretung — das Projekt am Ende durchsetzen wird. Bis es so weit ist, sei Verhandlungsgeschick seitens der Kommune gefragt, glaubt der Unternehmer und unterstützt damit den politisch durchaus umstrittenen Kurs von Bürgermeister Lars Petersen (CDU): Jener hält die Förderung für juristisch letztlich nicht zu verhindern — und wirbt deshalb dafür, als Gegenleistung für einen Klageverzicht das Angebot Engies auf millionenschwere Gewerbesteuer-Zahlungen durch Ansiedlung eines rechtlich selbstständigen Betriebsteils in Heringsdorf anzunehmen.

Von Siegfried Denzel

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