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Viele (Um-)Wege führen in die Stadt

Greifswald Viele (Um-)Wege führen in die Stadt

Die wichtigsten beiden Hauptstraßen sind gleichzeitig teilgesperrt. Kraftfahrer brauchen vor allem Nerven, Gelassenheit – und mehr Zeit.

Greifswald. „Das passt“, sagt Jörg Hasl und schaut auf die Uhr. Es ist kurz nach 16 Uhr am Montagnachmittag. Auf einem Tieflader rollt die Straßenfräse heran. „Gleich ist es mit der gespenstischen Ruhe hier vorbei“, meint der Meister von der Vorpommerschen Tief- und Kulturbau GmbH, der auf der Rohrbruch-Baustelle in der Anklamer Straße den Hut auf hat. Vom Wasser ist nichts mehr zu sehen, auch das Loch ist weitestgehend geschlossen. „Wir haben hier geknüppelt“, sagt Hasl und zollt seinen sechs Kollegen, die von Freitag um 21 bis Sonnabendnachmittag 17 Uhr zusammen mit der Berufsfeuerwehr und Mitarbeitern der Stadtwerke die defekte Leitung gesucht, freigelegt und ausgetauscht haben, größten Respekt.

Ein drei Meter langes Rohrstück einer 1883 verlegten Leitung hatte einen Riss bekommen, daraufhin waren 1200 Kubikmeter Wasser ausgelaufen (die OZ berichtete). Die Fahrbahn war auf dem Teilstück zwischen Brink- und Hans-Beimler-Straße 15 Zentimeter tief abgesackt, auch Teile des Gehweges sind in Mitleidenschaft gezogen. „Wenn ihr so schnell seid, kann der Verkehr ja bald wieder rollen“, meint Heinz Jarmer. Der 79-Jährige ist Anwohner und beobachtet das Geschehen auf der Baustelle. Hasl winkt ab. „Hier geht es nicht um Schnelligkeit, sondern um Qualitätsarbeit. Schließlich muss die Fahrbahn, wenn sie wieder freigegeben ist, Tausende Fahrzeuge aushalten und darf nicht absacken“, erläutert er.

Die Stadt hat unterdessen am Montagvormittag eine weiträumige Umleitung ausgeschildert, denn zur selben Zeit wird auch die zweite Hauptverkehrsader Greifswalds, die Wolgaster Straße, auf zwei Abschnitten mit einer neuen Deckschicht versehen. Stadteinwärts geht es aus Richtung Eldena über die Koitenhäger Landstraße, Schönwalder Landstraße, Gützkower Straße, Osnabrücker und Bahnhofstraße in die Innenstadt. Stadtauswärts müssen Kraftfahrer die Strecke über die Brinkstraße, Lange Reihe, Franz-Mehring- und Hans-Beimler-Straße nehmen. Das wurde gestern in einer Sondersitzung der Sperrkommission entschieden, der Mitarbeiter der Greifswalder Stadtverwaltung, der Stadtwerke und der Polizei angehören. Die Instandsetzung der Bereiche in der Wolgaster Straße könnte nach Aussage von Bärbel Lenuck aus der Pressestelle der Stadt wie geplant bis morgen Abend erledigt sein. „Für diese Zeit müssen Kraftfahrer einfach Gelassenheit an den Tag legen“, rät sie, „die Schlaglöcher müssen ja repariert werden.“ Gestern schien das schon problemlos zu klappen, der Verkehr rollte langsamer als sonst – aber er rollte.

Mathias Knade, der in seinem gelben Postauto DHL-Pakete ausfährt, würde es freuen. „Jetzt suche ich mir Schleichwege über Hinterhöfe, ich kann die schweren Kartons nicht hunderte Meter weit selbst tragen“, sagt er. Auch Wolfgang Schwandt aus Wolgast hofft, dass wenigstens eine Hauptachse schnell wieder befahrbar ist. „Ich habe hier Arzttermine. Aber ich bin nur angekommen, weil ich Autos mit Greifswalder Kennzeichen hinterhergefahren bin“, sagt er.

Jörg Hasl wiederholt, was bereits Stadtwerkechef Thomas Prauße am Wochenende erläuterte: „Die Anklamer Straße muss etwa zwei Wochen gesperrt bleiben.“ Grund dafür ist der anstehende großflächige Wiederaufbau der Straße einschließlich Bodenaushub. Auf einer Fläche von 650 Quadratmetern wurde gestern noch die Fahrbahn abgefräst. 200 Tonnen Boden müssen ausgetauscht werden. „Wir müssen angesichts des entstandenen Schadens ein Bodengutachten machen lassen, die Anklamer ist eine der Hauptverkehrsadern Greifswalds“, betont er. Dann komme Großkopfpflaster drauf, zum Schluss die neue Fahrbahndecke. Dabei werde sich entscheiden, ob gleich asphaltiert werden kann oder zuerst provisorisches Pflaster eingebaut wird.

Hasl jedenfalls ist froh, dass die Abstimmung zwischen beiden Baustellen so gut klappt. „Nur so war es möglich, dass die Fräse nach Beendigung der Arbeiten in der Wolgaster Straße sofort in die Anklamer umgesetzt wurde“, betont er. Er kann verstehen, dass sich Kraftfahrer, Besucher der Stadt und Anwohner ein schnelleres Fertigwerden wünschen. „Aber solche Arbeiten müssen ganz präzise ausgeführt werden. Sicherheit hat der oberste Priorität“, sagt er.

Cornelia Meerkatz

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