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„Wir brennen für unseren Job“

Zemmin „Wir brennen für unseren Job“

Michael und Andreas Kühling aus der Nähe von Jarmen sind „Landwirte des Jahres“ – im Bereich Management

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Die beiden Brüder Andreas (l.) und Michael Kühling auf einem ihrer Felder in der Nähe von Jarmen.

Quelle: Philipp Ledény

Zemmin. Den zeitgenössischen Klischees eines Landwirtes entspricht Michael Kühling (41) nicht im Geringsten. Er ist weder der Rinderstreichler aus dem Fachwerkhaus in der Werbe-Idylle, noch ist er der rücksichtslose Umweltverpester, der seine Tieren hauptsächlich mit Antibiotika füttert. Im neuen Bürogebäude des Hofes bei Jarmen mit großzügigem Besprechungsraum nimmt er sich mehr als zwei Stunden Zeit fürs Gespräch über den Agrarbetrieb, den er und sein Bruder gleichberechtigt leiten. Mehrfach klingelt sein Handy, er spricht von neuen Medien, ärgert sich mit dem PC-Betriebssystem herum und argumentiert gründlich und meinungsfreudig, wenn es um politische Aspekte geht – und darum, die Klischees zu entkräften.

„80 Prozent meiner Zeit bin ich nicht mehr mit der Schaufel unterwegs“, beschreibt Kühling, wie sich seine Arbeit immer mehr ins Büro verlagert. Sein Bruder hingegen lasse sich das Treckerfahren nicht nehmen. „Er ist mehr für die technische Seite zuständig.“ Gerade hört er sich Angebote eines Vertreters an. Ein neuer Schlepper soll gekauft werden. Eine Investition im sechsstelligen Bereich.

Welches Modell es wird, entscheiden die beiden gemeinsam. „Wir holen auch noch die Meinung unserer Mitarbeiter ein. Uns ist wichtig, was sie denken“, unterstreicht Michael Kühling ihren Stellenwert.

Auch wenn er zum Thema Büroarbeit sagt: „Dafür bin ich nicht Landwirt geworden“, und den Begriff „Manager“ nicht so mag, so arbeitet er doch die meiste Zeit als einer – und ist dabei sehr erfolgreich. Das bestätigt nun auch der „Ceres Award“ – so etwas wie der „Oscar“ der Agrarbranche. Die beiden gebürtigen Niedersachsen wurden damit in dieser Woche geehrt und können sich nun „Landwirt des Jahres“ in der Kategorie „Manager“ nennen. „Wir hatten uns um den Preis beworben und wollten ihn unbedingt gewinnen“, sagt Michael Kühling. „Eine sehr gute Betriebsorganisation, ein klarer Fokus auf Risikomanagement, eine vorbildliche Mitarbeiterführung sowie hervorragende Erfolgszahlen“ waren für die Fachjury ausschlaggebend.

Ausgelobt wird der Preis vom „dlz Agrarmagazin“. Den Betrieb in der Gemeinde Bentzin beschreibt das Blatt als „eine nahezu perfekte Kreislaufwirtschaft“. Michael Kühling erklärt: „Fast die gesamte Wertschöpfung bleibt bei uns auf dem Hof.“ Herzstück ist die Schweinemast mit 650 Sauen und 6000 Mastplätzen. Das Futter – Roggen, Gerste, Weizen – wird auf 1000 Hektar selbst angepflanzt. Die Gülle der Tiere wird gemeinsam mit Silomais in den Biogasanlagen vergoren. Dabei entsteht grüne Energie, die in das Stromnetz eingespeist wird. Mit der anfallenden Abwärme werden sämtliche Betriebsgebäude und Stallungen beheizt und so fossile Energieträger ersetzt. Die Gärreste kommen wieder als hochwertiger Dünger auf den Acker. „Damit schließen sich Kreisläufe“, heißt es im Magazin. Zusätzlich sind die Kühlings auch als Jäger aktiv und bewirtschaften rund 180 Hektar Wald. Und wie ist es, den Hof mit dem eigenen Bruder zu leiten? „Wir ergänzen uns prima, doch es knallt auch mal“, sagt Andreas Kühling (40). „Aber wir haben eine wichtige Eigenschaft von unserem Vater übernommen: Wir sind nicht nachtragend.“ „Und wir sind grundehrlich“, fügt der Bruder an. Der Vater hatte den Betrieb nach der Wende übernommen und umgebaut. Die Söhne und ihre Frauen sind seit Mitte der 1990er Jahre dabei. Ein Schritt, den sie bis heute nie bereut haben.

Ein Hof, zwölf Unternehmen, über 3500 Paragraphen

18 Personen, inklusive der Brüder und ihrer Frauen, sind in Zemmin in dem Unternehmen tätig. Für den Hof und alle Betriebszweige haben die Kühlings zwölf Unternehmen gegründet. Michael Kühling beklagt die Bürokratisierung der Landwirtschaft. Während einer 30-minütigen Internetrecherche ist er allein auf 3500 Paragraphen gestoßen, nach denen sich der Agrarbetrieb richten muss. „Viel zu viel“, meint er.

Kai Lachmann

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