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Greifswald „Wir suchen immer neue Leute“

Volle Auftragsbücher, stetiges Wachstum: Hanseyachts ist kurz vor der Gewinnzone

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Das Flaggschiff des Greifswalder Unternehmens: Die 21 Meter lange Hanse 675 kommt gut am Markt an.

Quelle: Foto: Hanseyachts

Greifswald. Die Bootsbauer von Hanseyachts sind im Aufwind: Pro Jahr zehn Millionen Euro mehr Umsatz und 100 neue Mitarbeiter – das Greifswalder Unternehmen fährt einen klaren Wachstumskurs. Auch die Übernahme der Motorbootmarke Sealine macht sich langsam bezahlt. Nach Jahren des Verlustes ist die Gewinnzone in Sichtweite. Jens Gerhardt, einer der beiden Geschäftsführer, spricht im OZ-Interview über das Flaggschiff des Unternehmens – die Hanse 675, die Märkte in den USA und China, den Standort Greifswald und wo er persönlich in diesem Jahr segeln wird.

 

OZ-Bild

„Die Leute haben wegen allgemeiner Unsicherheit für luxuriöse Dinge lange kein Geld ausgegeben. Sie sind nun älter geworden und können ja nicht ewig warten. Wenn man diese Welt verlässt, kann man kein Geld mitnehmen, also muss man es irgendwann ausgeben. Dabei helfen wir natürlich gerne.Jens Gerhardt Geschäftsführer Hanseyachts

Quelle:

Hanseyachts war auf der Messe „boot Düsseldorf“ im Januar mit vielen Modellen präsent. Wie war die Resonanz? Sind Sie nun dabei, die Aufträge abzuarbeiten?

Jens Gerhardt: Wir sind im Jahr auf über 100 Messen weltweit vertreten, das sind 600 bis 800 Messetage. Die „boot“ ist die international wichtigste Messe und war für uns sehr erfolgreich. Wir sind schon mit ziemlich vollen Auftragsbüchern hingefahren. Man kann deshalb eigentlich nicht sagen, dass wir jetzt die Aufträge von Düsseldorf abarbeiten. Die „boot“ ist eine wichtige Messe, um schon das nächste Geschäftsjahr mit Aufträgen zu füllen.

Heißt das, wer jetzt ein Boot bestellt, bekommt es nicht mehr rechtzeitig bis zum Sommer?

Die Bauzeit beträgt zwei bis sechs Monate und hängt von der Größe ab. Kleinere Schiffe würden noch zur Saison fertig werden. Wer sicher gehen will, sein neues Schiff zum Sommeranfang zu erhalten, sollte es idealerweise schon im September bestellen.

Ende 2015 haben Sie erstmals eine Hanse 675 zu Wasser gelassen, mit 21 Metern das größte Schiff aus dem Hause Hanseyachts. Wie kommt dieses Flaggschiff am Markt an?

Gut. Wir haben jetzt gerade wieder zwei in den Ryck gelassen, um sie einzusegeln. Aufgrund der Größe kann das ein bis zwei Monate dauern.

Reichen hier die Kapazitäten in der Produktion aus?

Bisher ja. Wir haben fünf Bänder, an zwei arbeiten wir zweischichtig, alle anderen laufen mit einer Schicht. In den vergangenen Jahren sind wir stetig gewachsen, haben zehn Millionen Euro mehr Umsatz gemacht. Das bedeutet auch etwa 100 zusätzliche Mitarbeiter pro Jahr. Aktuell müssen wir den Standort nicht erweitern. Wenn wir aber weiter so wachsen, dann werden wir uns damit bald beschäftigen.

Wie sieht es mit dem Gewinn aus?

Im operativen Geschäft sind wir seit Jahren positiv. Das ist das Wichtigste fürs Unternehmen. Die sogenannte letzte Linie ist der Gewinn vor Steuern. Wir arbeiten daran, dass diese Linie bald fällt.

Ihr Geschäftsjahr geht im Juni zu Ende. Wird Hanseyachts dieses Ziel erreichen?

Das kann ich noch nicht sagen. Unser Markt ist in dieser Saison sehr gut und es gibt keinen Grund, warum es nicht im nächsten Jahr auch so laufen sollte.

Die Unternehmenszahlen sind in der Vergangenheit stets besser geworden. Das schlägt sich auch im Aktienkurs nieder. Seit der „boot“ ging es nach oben, nun allerdings folgt ein Abschwung. Woran liegt das?

Das hat nicht immer etwas mit uns nichts zu tun. Wir schwanken natürlich mit den Märkten und den allgemeinen Trends mit. Unser Aktienkurs hat sich fast verdoppelt innerhalb eines Jahres. Das liegt am günstigen Aktienumfeld aber auch an unserer tollen Entwicklung.

Das Geschäft ist stark abhängig von der globalen Konjunktur. Die Finanzkrise 2008 hat richtig reingehauen. Macht Ihnen die aktuelle Weltlage Sorgen?

Ja klar, es gibt genug politische Probleme. Global gesehen läuft es konjunkturell sehr gut. Lokal gibt es aber Krisen. Natürlich ist das Geschäft mit Russland vom Ukraine-Konflikt beeinträchtigt. Das Geschäft mit England und der Türkei leidet noch nicht aufgrund der politischen Verhältnisse, aber es könnte dazu kommen. In den USA ist es eher so, dass sich die Stimmung aufhellt. Die neue Regierung will ja Anreize geben, mehr Geld auszugeben. Allerdings wissen wir als Exporteur nicht, wie es mit deren Importstrategien weitergeht. Aber im Moment läuft das USA-Geschäft sehr gut.

Warum?

Das liegt zum einen am Euro-Wechselkurs, zum anderen an unseren Produkten. Wir haben dort in Werbung und Marketing investiert, das zahlt sich nun aus. Das deutsche Design wird wie bei den Autos in den USA gerade gut nachgefragt.

Und China?

Dort gibt es Anzeichen von Überhitzung. China selbst ist kein Riesenmarkt für uns, könnte aber in die Region stark abstrahlen und Australien, Japan und Co. beeinflussen, vielleicht sogar auch die Weltkonjunktur. Da sind schon Wolken am Horizont. Das sind alles Dinge, die wir nicht beeinflussen können. Schön ist, dass die Mittelmeerländer wieder stark im Kommen sind, Griechenland, Spanien, Italien, auch Kroatien.

85 Prozent ihrer Boote gehen ins Ausland. Haben Sie auch Käufer in unserer Region?

Klar, in den Häfen liegen viele unserer Boote. Das sieht toll aus hier in Greifswald, schon fast wie ein Hanse-Museum. Wir machen hier zudem jedes Jahr die Regatta „Hanse Cup“, an der immer viele Hanse-Eigner teilnehmen.

Der Bereich Motorboot wird bei Hanseyachts immer größer. Nach der Übernahme der Marke Sealine im Jahr 2014 liegt der Anteil am Umsatz bei mittlerweile 30 Prozent.

Die Marke hatte früher einen Umsatz von 40 Millionen Pfund, was dem Verkauf von etwa 130 Booten pro Jahr entspricht. Dann ist sie in schweres Fahrwasser geraten und bankrottgegangen. Wir haben sie gekauft, die Produktion hierher verlagert und fortgeführt. Diese 130 Boote haben wir noch nicht erreicht. Solange wir da noch nicht sind, wird der Anteil weiter wachsen, möglicherweise auf die Hälfte. Aber wir streben da keine internen Quoten an. Wir bauen tolle Produkte, das machen wir beim Motorboot so gerne wie beim Segelboot. Der Weltmarkt für Motorboote ist aber dreimal so groß wie der für Segelboote. Da ist mehr Platz.

Sind Sie zufrieden mit dem Standort Greifswald?

Der Standort ist super. Hier hat man seit Jahrhunderten Boote gebaut. Wir können sie auf dem Bodden und der Ostsee gut testen und man ist schnell dem dem Lkw auf der Autobahn, um die Produkte auch an die Kunden auszuliefern.

Viele Firmen suchen händeringend nach Fachkräften. Finden Sie hier das Personal, das Sie brauchen?

Wir beschäftigen rund 1400 Personen und suchen immer neue Leute: Lehrlinge, Elektriker, Tischler, Schlosser, . . . Wir bilden 40 Lehrlinge in acht Berufen aus. Wenn sie gut sind und wollen, werden sie auch übernommen. Unser Produkt ist sexy, die Lage ist toll, wir sind fast in der Innenstadt und gut erreichbar – wir haben es bisher hinbekommen, jedes Jahr um 100 Mitarbeiter zu wachsen. Aber das ist auch nicht ganz einfach.

Die Segelsaison beginnt. Wo segeln Sie denn so hin?

Mein Boot liegt hier noch an Land. Im April mache ich eine kleine Regatta in Kroatien mit Kunden. Im Sommer werde ich dann hier segeln. Wohin es gehen wird, das entscheidet dann der Wind.

Kai Lachmann

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