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Greifswald Wissenschaftler,Arzt und Retter Greifswalds

Neues Buch über den Mitbegründer der Diabetologie, Gerhardt Katsch

Greifswald. Der Internist Gerhardt Katsch (1887 bis 1961) gilt als eine der herausragenden Gestalten der jüngeren Greifswalder Universitäts- und Stadtgeschichte. Als Diabetologe war er weltweit anerkannt. Katsch wurde vielfach geehrt. Einige Beispiele: Die Deutsche Diabetesgesellschaft verleiht eine nach ihm benannte Medaille. Die DDR ehrte ihn 1951 mit dem Titel „Verdienter Arzt des Volkes“ und 1952 mit dem Nationalpreis. Zwei Gedenktafeln erinnern in Greifswald an den Ehrenbürger der Stadt, der von 1928 bis 1957 als Professor an der hiesigen Universität wirkte. Er war Rektor der 500-Jahr-Feier der Hochschule, Ehrensenator und Ehrendoktor der Uni. Katsch ist zudem Greifswalder Straßenpatron. Sein Name steht auf der Gedenktafel im Rathaus, die den Männern gewidmet ist, die Greifswald durch die kampflose Übergabe am 30. April 1945 an die Rote Armee vor der Zerstörung retteten.

 

OZ-Bild

Gerhardt Katsch

Quelle:

Das Buch

Günter Ewert, Ralf Ewert: Ein Greifswalder Internist von Weltruf. Gerhardt Katsch (15.05.1887 bis 07.03.1961), ISBN 978-3-86460-489-8 kostet als Hardcoverausgabe 79 Euro. Das Buch hat etwa 400 Seiten, darunter sind 47 Anlagen (Kopien von Dokumenten)

Angesichts dieser unvollständigen Aufzählung erscheint der Umfang des Buchs der Greifswalder Medizinprofessoren Günter und Ralf Ewert mehr als angemessen. In dem 400 Seiten starken Druckwerk „Ein Greifswalder Internist von Weltruf. Gerhardt Katsch (14.05.1887 bis 07.03.1961)“ fassen sie die Ergebnisse einer bereits viele Jahre andauernden Beschäftigung mit Katsch zusammen und bewerten dessen Wirken. Vater und Sohn Ewert publizieren in ihrem Buch eine Vielzahl von Dokumenten und Tagebuchaufzeichnungen, die eigenständige Urteile des Lesers ermöglichen. Dazu kommen viele Fotos aus dem katschschen Familienarchiv, die besondere Einblicke in das Leben und Wirken des Arztes geben.

Einer Partei trat Katsch nach 1945, anders als andere frühere NSDAP-Mitglieder unter den Hochschullehrern, die sich nun für die SED entschieden, nicht bei. Er gehörte 1937 bis 1945 der NSDAP an, überstand aber die Entnazifizierung der Hochschule. Zum einen rechnete man Katsch seine Beteiligung an der kampflosen Übergabe hoch an. Zweitens konnte er entlastende Zeugnisse beibringen. So versicherte der Usedomer Kreisarzt Eugen Bibergeil eidesstattlich, dass Katsch „nach meinen persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen kein Aktivist gewesen ist und daß er im Rahmen des Möglichen die inhumanen Bestrebungen des Faschismus in ihren Auswirkungen zu verhindern bemüht gewesen ist“. In den Jahren danach bemühte sich Katsch sehr um seine vollständige Rehabilitierung. Dass er parteilos blieb, hat ihm offenbar nicht geschadet. 1952 hieß es in der Beurteilung zur Nationalpreisverleihung: „Seine Grundeinstellung ist stark bürgerlich. Er befasste sich bis jetzt sehr wenig mit unserer antifaschistisch-demokratischen Grundordnung, steht aber durchaus loyal zu unserer Entwicklung und gibt sich Mühe, die Entwicklung der Deutschen Demokratischen Republik zu erkennen. Ruhiger, sachlicher Charakter, sehr selbstbewusst, bürgerliche Einstellung, sehr eifrig in der Arbeit, moralisch einwandfrei.“ Mit der Zeit wurde die Wertschätzung für Katsch durch die DDR immer größer, belegen die Ewerts mit Dokumenten.

Verglichen mit der Mehrheit der Bevölkerung ging es Katsch Zeit seines Lebens immer gut, auch in der DDR. 1953 wurde ihm ein Monatsgehalt von 7500 Mark gewährt, was sicher dazu beitrug, ihn im Osten Deutschlands zu halten. Katsch hatte außerdem erhebliche Einnahmen aus seiner Privatstation und seiner Privatsprechstunde. Er war als Arzt sehr gefragt.

Die Ehre, Rektor der 500-Jahr-Feier zu sein, habe er mit „Würde, Stolz, innerer Freude und wohl auch etwas Genugtuung“ wahrgenommen, schreiben die Ewerts. Aus Anlass des Jubiläums gab es wieder eine Auszeichnung. Katsch wurde „Hervorragender Wissenschaftler des Volkes“.

Eckhard Oberdörfer

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