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Wissenschaftliche Schätze unterm Dach

Greifswald Wissenschaftliche Schätze unterm Dach

Der Biologe Henry Witt hat in der Zoologie Schränke voller Publikationen seit den 1830er Jahren entdeckt

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Henry Witt hat unter dem Dach des Zoologischen Institutes die Schätze entdeckt. Fotos(2): Eckhard Oberdörfer

Greifswald. Mitte des 19. Jahrhunderts war der Autodidakt Felix Dujardin (1801 bis 1860) eine Berühmtheit in der Fachwelt. Dieser französische Naturforscher, Botaniker und Zoologe ist in Greifswald auf eine besondere Weise präsent. Unter dem Dach des Zoologischen Instituts liegen handkolorierte und von Hand beschrifte Lithographien von Würmern.

 

OZ-Bild

Handkolorierte Zeichnungen von Würmern.

Quelle:

„Das ist schon etwas ganz Besonderes unter all den Schätzen, die hier in den Schränken lagern“, schätzt der Biologe Henry Witt ein. Insgesamt lagern auf dem Boden der Zoologie etwa 60 laufende Meter Schriftgut.

Henry Witt wurde im vergangenen Jahr gefragt, ob er nicht bei der Sichtung der Sammlungen im Hause helfen könnte. Konkret geht es dabei um Schriften. Denn die Tierpräparate, Skelette und so weiter sind bereits in die Loitzer Straße in die frühere Kinderklinik umgezogen. In der Fettenvorstadt werden künftig alle Zoologen mit Ausnahme der Arbeitsgruppe von Prof. Jan-Peter Hildebrandt zu finden sein. Die Labore und Praktikumssäle befinden sich inzwischen ebenfalls dort.

Henry Witt soll empfehlen, was von dem darüber hinaus im Haus Verwahrten nicht recycelt werden sool. Eine Aufgabe, die der Ruheständler schon für die Botaniker übernahm. Witt hat in Greifswald studiert und jahrzehntelang an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität gearbeitet. „Ich habe die Akten aus der Wende- und Nachwendezeit durchgesehen und stieß dabei auf den Boden mit den Schränken voller Schriften“, erzählt er. Es ist eine Sammlung von Sonderdrucken von Veröffentlichungen und wissenschaftlichen Zeitschriften aus den Fachgebieten, mit denen sich die Zoologen seit dem 19. Jahrhundert befasst haben. 1836 zogen sie hier ein und blieben hier. Da die Ära der wissenschaftlichen Zeitschriften erst Mitte des 19. Jahrhunderts begann, ist auch so manches Heft Nummer 1 in den Schubern.

„Ab der Dritten Hochschulreform 1968 bis 1990 wurden die Akten dezentral in den Sektionen aufbewahrt“, erzählt Witt. Einiges wurde bei den Umzügen nach der Wende achtlos weggeworfen. Die neuen Professoren standen nicht in der Tradition der alten Institute, schätzt Witt ein. Auch die Bestände in der Zoologie sind heute vergessen, schätzt der Biologe ein. Aber sie sind eben noch da und sollten erhalten werden.

„Die Bestände auf dem Boden reichen bis 2004“, begründet Witt. „So volllständig wie hier dürfte die Überlieferung nirgendwo anders sein.“ Auch im Zweiten Weltkrieg wurde eifrig gesammelt, und die Entnazifizierung bestand im Wesentlichen in der Entfernung von Hakenkreuzen.

In den Schubern befinden sich Veröffentlichungen über Insekten, Vögel, Amphibien ebenso wie über Tierphysiologie, um ein paar Beispiele zu nennen. In der DDR befasste man sich mit Schädlingsbekämpfung. Auch die pseudowissenschaftlichen Theorien des sowjetischen Agrarwissenschaftlers Trofim Lyssenko von der Vererbung erworbener Eigenschaften finden sich in den Papieren.

Blättern lohnt sich. So erfährt der Leser, dass der Vater des heutigen Botanischen Gartens, Julius Münter, 1853 den Fischbestand im Neckar erforschte und Otto Jaekel sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit Fischresten im Mansfelder Schiefer befasste.

Zoologie in Greifswald

1836wurde das Zoologische Museum aus dem Hauptgebäude der Universität herausgelöst. Dessen erster Leiter war Christian Friedrich Hornschuch. Der Professor der Naturgeschichte, Zoologie und Botanik war bereits 1819 zum Direktor des zuvor bestehenden Naturhistorischen Museums berufen worden.Der Umzug erfolgte 1836 in das heutige Gebäude in der Johann-Sebastian-Bachstraße 12, die damals Büchstraße hieß.

Botanik und Zoologie wurden mit dem Umzug in die Büchstraße 1836 getrennt – Damit begann die Geschichte des Zoologischen Museums, heute Zoologisches Institut und Museum.. Die Bachstraße 11 (damals Bismarckstraße wurde 1897/98 erworben, die Anpasssung beider Gebäude erfolgte in der Weimarer Republik.

Eckhard Oberdörfer

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