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Wolgaster Lutz J.: „Dann stieß ich mit dem Messer zu“

Stralsund/Wolgast Wolgaster Lutz J.: „Dann stieß ich mit dem Messer zu“

52-Jähriger gesteht vor Gericht die Tötung eines Mitbewohners im Obdachlosenheim.

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Gestern im Gerichtssaal: Ein Justizbeamter nimmt Lutz J. die Handschellen ab.

Quelle: Tom Schröter

Stralsund. Ein tiefer Blick in menschliche Abgründe bot sich gestern den Beteiligten beim Prozessauftakt gegen Lutz J. aus Wolgast vor dem Stralsunder Landgericht. Die Anklage, die Staatsanwalt Christoph Schäfer verlas, lautet auf Totschlag und gefährliche Körperverletzung. Dem 52-jährigen Lutz J. wird vorgeworfen, am 6. Oktober 2014 im Wolgaster Obdachlosenheim seinen Mitbewohner Mario P. getötet und einen weiteren Insassen verletzt zu haben.

Mit grausigen Details hat sich die 21. Kammer unter Vorsitz von Richterin Birgit Lange-Klepsch zu beschäftigen. So soll der Angeklagte dem 51-jährigen Mario P. ein 21 Zentimeter langes Küchenmesser bis zum Heft in die linke Halsseite gestoßen haben. Dabei wurden laut Staatsanwaltschaft die Kopfschlagader und die Luftröhre verletzt bzw. fast vollständig durchtrennt, so dass Mario P.

durch die massive Einatmung von Blut verstarb. Ein zweiter Mitbewohner, Jahrgang 1951, erlitt durch Schläge mit einem Knüppel unter anderem eine blutende Kopfverletzung und musste für zwei Tage ins Wolgaster Krankenhaus.

Mehrere Zeugen sind geladen, um zu klären, was sich am Abend des 6. Oktober im Heim „An den Anlagen“ abgespielt hat. Unstrittig ist, dass drei Bewohner in ihrem Zimmer alkoholisiert beieinander saßen, als Lutz J. hinzukam. Nach J.‘s Darstellung schuldete ihm Mario P. 30 Euro. Diese habe J. wiederhaben wollen. „Aber er hat mich nur ausgelacht“, schilderte der Angeklagte vor Gericht. „Da wurde ich wütend.“ Als seine Faustschläge nichts brachten, holte J. einen Knüppel aus seinem Zimmer, um P. und einen weiteren Mitbewohner damit zu traktieren. Dann verließ J. erneut den Raum, um wenig später mit dem Messer zurückzukehren. „Erst habe ich ihn ein bisschen gepiekst und wollte ihm so Angst einjagen, dass er das Geld rausrückt. Dann stieß ich mit dem Messer zu“, erklärte J.

völlig emotionslos. „Ich hab‘ nur noch gesehen, wie der Kopf abnickte.“

Mitbewohner schilderten den Fall anders. Nicht Schulden, sondern Vorwürfe im Zusammenhang mit dem juristischen Verfahren eines anderen Bewohners hätten den Streit ausgelöst. Wie dem auch sei: „Wenn jemand vorsätzlich einem Anderen in die Halsregion sticht, muss er als verständiger Mensch davon ausgehen, dass der Andere dabei in der Regel stirbt“, stellte die Richterin klar. J. hatte kurz nach der Tat 1,74 Promille Alkohol intus. Trotzdem rief er, ebenso wie ein weiterer Bewohner, gegen 21.45 Uhr per Handy den Notdienst. Dieser traf kurz darauf ein, konnte P. aber nicht mehr retten.

Alkohol konsumiere er, seit er 18 sei, so J. „Es wurde immer mehr.“ Als er Ende der 1970-er Jahre seine spätere Verlobte kennenlernte, mit der er eine Tochter habe, habe er seltener zur Flasche gegriffen. Dann aber zerbrach die Beziehung, und Teufel Alkohol zog wieder ein. Der Trunksucht folgte der Verlust des Jobs als Transportarbeiter und nach der Wende der soziale Absturz. 2003 zog J.

ins Wolgaster Obdachlosenheim, in dem zum Tatzeitpunkt 18 Männer lebten.

Heute wird der Prozess fortgesetzt. Dem Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren. Aufgrund seines langen Vorstrafenregisters werden zudem die Voraussetzungen für seine Unterbringung in der Sicherungsverwahrung geprüft. Zu seiner Zukunft befragt, sagte J.: „Ich kann das nicht mehr rückgängig machen. Nun muss ich‘s nehmen, wie‘s kommt.“

 



Tom Schröter

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