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Wolgaster Stadtrat beschließt Großprojekt am Bürger vorbei

Wolgast Wolgaster Stadtrat beschließt Großprojekt am Bürger vorbei

Parlament sperrt sich weiter gegen eine Offenlegung der Schlossinsel-Pläne

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Mit einem frühestmöglichen Start für die künftige Schlossinsel-Bebauung wird in der zweiten Jahreshälfte 2019 gerechnet.

Quelle: Foto: Stefan Sauer

Wolgast. Am Montagabend hat die Wolgaster Stadtvertretung den Verkauf von auf dem nördlichen Teil der Schlossinsel befindlichen, kommunalen Grundstücken zum Preis von etwa 550000 Euro an die Projekt Ostsee GmbH & Co. KG beschlossen. Es handelt sich um das insgesamt 26600 Quadratmeter große Areal, auf dem sich einst unter anderem das Schloss der Herzöge von Pommern-Wolgast befand. Der Beschluss wurde in nicht öffentlicher Sitzung bei einer Gegenstimme und zwei Stimmenthaltungen gefasst.

Ein letzter Versuch des Abgeordneten Lars Bergemann (Die Linke), das Nutzungskonzept für den geschichtsträchtigen Flecken vor dem Verkaufsbeschluss der Bevölkerung bekanntzugeben und zur Diskussion zu stellen, schlug fehl. Eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten wandte sich gegen den Vorstoß, der zur Folge gehabt hätte, die Abstimmung über den Verkauf zu vertagen.

Bergemann hatte argumentiert, dass es „ein großes Interesse bei den Wolgastern gibt, Auskunft darüber zu bekommen, was der Vorhabenträger auf dem Areal plant“. Informationen in der Presse würden unterschiedlich interpretiert. Die Leute mutmaßten: Es entstehe ein Schwimmbad oder aber eine Schwimmhalle. „Am Ende ist es ein Wasserbecken“, so Bergemann, der anfragte: „Was ist daran falsch, den Bürgern Rede und Antwort zu stehen?“, um von Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos) als Antwort zu erhalten: „Daran ist nichts falsch, aber es ist der falsche Zeitpunkt.“

Weigler redete den Stadtvertretern ins Gewissen, den Beschluss über die Veräußerung der Fläche nicht länger aufzuschieben. Er erinnerte die Volksvertreter daran, wie groß Bürgernähe in Wolgast früher geschrieben wurde, indem er die 2006 initiierten Workshops für eine Schlossinsel-Bebauung anführte, an denen auch die Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern und Studenten beteiligt waren. Zudem führte er die öffentliche Präsentation der Funde und Erkenntnisse im Zusammenhang mit den 2008 auf dem Eiland vorgenommenen archäologischen Untersuchungen ins Feld. Die Stadtvertreter, so Weigler, hätten sich in ähnlicher Weise für Öffentlichkeitsarbeit engagieren können, was nicht geschehen sei. Auch die Möglichkeit der Fraktionen, den Investor und Einwohner der Stadt zu einer öffentlichen Fraktionssitzung einzuladen, sei nicht genutzt worden.

Nach Informationen der OSTSEE-ZEITUNG plant die erwähnte Gesellschaft mit Sitz in Hannover auf der Schlossinsel für 40 bis 50 Millionen Euro den Bau eines Hotels, eines Schwimmbades, einer kleinen Marina, zweier Gebäude mit Ferienwohnungen, Gastronomie und Einzelhandel und einiger Wohnhäuser. Das Gelände des einstigen Schloss-Innenhofs soll frei bleiben. An zwei Stellen sollen Überreste der alten Schlossanlage freigelegt werden. Der Investor, so war zu erfahren, sei auch für die Erschließung des Areals in Eigenregie zuständig.

Tom Schröter

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