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Zahl der Insolvenzen sinkt weiter

Greifswald Zahl der Insolvenzen sinkt weiter

Vorpommern geht es wirtschaftlich besser als vor einigen Jahren. Die Zahl der Pleiten im Landgerichtsbezirk Stralsund, zu dem Greifswald gehört, ist weiter gesunken.

Greifswald. Vorpommern geht es wirtschaftlich besser als vor einigen Jahren. Die Zahl der Pleiten im Landgerichtsbezirk Stralsund, zu dem Greifswald gehört, ist weiter gesunken. 2013 wurden hier 298 Insolvenzverfahren über das Vermögen von Verbrauchern (Privatinsolvenzen) eröffnet. 2014 waren es 279 und im letzten Jahr nur 167, informiert Dirk Simon. Er ist Sprecher des Amtsgerichts Stralsund, das für den gesamten Landgerichtsbezirk Stralsund zuständig ist.

 

OZ-Bild

Ich erkläre Betroffenen, welche Chancen das Verfahren für sie eröffnet.“Heiko Jaap, Insolvenzverwalter

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„Die allgemein als gut bis stabil beschriebene Lage zeigt sich mit Verzögerung und einigen Unschärfen auch bei den Insolvenzsachen“, fasst Simon zusammen. Auf Greifswald entfallen 2015 insgesamt 30 neu eröffnete Verbraucherinsolvenzverfahren, 2014 waren es vier mehr. Dazu kommt 2015 eines über den Nachlass eines Verstorbenen. Diese Zahlen lassen sich über die Internetseite www.insolvenzbekanntmachungen.de ermitteln. In Greifswald wurden demnach ferner sechs sogenannte Regelinsolvenzverfahren für Firmen und Gewerbetreibende eröffnet. Eine spektakuläre Pleite war nicht dabei. Es handelt sich meist um kleinere Handwerks- und Baubetriebe. Die größeren Firmen in Greifswald seien wirtschaftlich stabil, schätzt der Greifswalder Insolvenzverwalter Heiko Jaap ein.

Auch im Landgerichtsbezirk geht die Zahl der Firmenpleiten kontinuierlich zurück. 2013 wurden 149 Regelinsolvenzverfahren eröffnet, 2014 noch 119 und im vergangenen Jahr 113. Mehr als doppelt so hoch liegt die Zahl der von Gläubigern oder den Schuldnern selbst angemeldeten Verfahren. Das liegt häufig daran, dass nicht genug Vermögen da ist, um die Kosten des Verfahrens zu decken. In einigen Fällen einigen sich Gläubiger und Schuldner vor der Bestellung eines Verwalters, oder formale Kriterien sind nicht erfüllt.

Wenn der Insolvenzverwalter seine Arbeit oft erst nach mehreren Jahren beendet hat, dann ist meist nicht viel zu verteilen. Drei Beispiele von 2015: Bei der Ormakai GmbH standen 1,6 Millionen Euro anerkannter Verbindlichkeiten 48000 Euro „Masse“ (zu verteilendes Geld) gegenüber. Bei der J.M. Scanwood Nord GmbH waren es 275000 Euro Schulden und 18000 Euro Masse. Der frühere Inhaber des Restaurants „Poro“ hatte 361800 Euro Schulden angehäuft. 20700 Euro waren zu verteilen. Gar nichts zu holen war beim früheren Inhaber des „Le Croy“, der Rehfeldt und Frank GbR.

„Masseunzulänglichkeit“, nennen das die Juristen.

Tendenziell bekommen die Gläubiger immer weniger zurück, schätzt Dirk Simon ein. Die Finanzausstattung der betroffenen Unternehmen sei im Vergleich zu früher knapper, meint er. Durststrecken könnten darum nicht durchgestanden werden.

Das gelte auch für die Haushalte. Gläubiger bei Privatinsolvenzen bekommen am Verfahrensende im Normalfall gar nichts. Über eine dreiviertelmillion Euro betrug die Summe der anerkannten Verbindlichkeiten aus den 2015 beendeten Verfahren in Greifswald. Pro Person lagen die Schulden bei den Privatinsolvenzen im letzten Jahr zwischen 9000 und 352000 Euro.

Bei Wohlverhalten kann für Verbraucher nach sechs Jahren per Gerichtsbeschluss die sogenannte Restschuldbefreiung erfolgen. Dafür müssen sie sich an die Bedingungen des Verfahrens gehalten haben.

Dazu gehört es, Schulden zu verringern. Die Zahl der schwarzen Schafe, die keine Restschulbefreiung bekommen, liege bei zehn bis 15 im Jahr im Landgerichtsbezirk, schätzt Simon.

„Im verkürzten Verfahren ist die Restschuldbefreiung nach fünf Jahren möglich“, erläutert Jaap. Dafür müssten die Verfahrenskosten, in der Regel 2000 bis 3000 Euro bei einfachen Fällen, zu diesem Zeitpunkt gedeckt sein. Das sei ein echter Anreiz, eine kluge Regelung, findet Jaap. Auch der Staat spare so. Im Normalfall würden bei den Verfahren deren Kosten gedeckt, schätzt der Anwalt ein. Für die Betroffenen sei dies eine große Chance für einen Neuanfang.

2012 gab es besonders viele Konkurse

17Unternehmen Greifswalds wurden 2012 zahlungsunfähig. Das war das bisher schwärzeste Jahr in diesem Jahrzehnt. Bei der größten Pleite 2012 verloren 80 Kollegen ihre Jobs.

225Insolvenzverfahren für Privatleute wurden im letzten Jahr im Landgerichtsbezirk Stralsund beantragt, eröffnet wurden 167, davon 30 in Greifswald. 271 Anträge auf Regelverfahren gab es im Landgerichtsbezirk, 113 wurden eröffnet (2014 waren es 280 beziehungsweise 119).

Von Eckhard Oberdörfer

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