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Greifswald „Zauberei!“ – Azubis von früher in der Welt von heute
Vorpommern Greifswald „Zauberei!“ – Azubis von früher in der Welt von heute
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00:05 28.10.2016
Gleiche Koordinaten, aber trotzdem ein anderer Ort: Die ehemalige Ausbildungsklasse erkennt ihre Räumlichkeiten kaum wieder. Quelle: V. Uhl

50 Jahre ist es her, dass die Ausbildungsklasse der Elektromechaniker von 1966 – kurz: EL66 – im damaligen Volkseigenen Betrieb (VEB) Schiffselektronik Greifswald ihre Lehre begann. Die 25 Schüler gehörten mit zu den ersten, die diesen Beruf erlernen durften. Anlässlich ihres 50. Jubiläums besuchten sie kürzlich ihre ehemalige Ausbildungsstätte, die später in VEB Nachrichtenelektronik Greifswald (NEG) umbenannt wurde. Die Schüler von damals fühlten sich heute wie in einer anderen Welt. Am Standort in der Siemensallee befindet sich heute der Elektronikdienstleister ml&s.

Als der VEB 1963 gegründet wurde, habe keiner gewusst, was ihn erwartet, erzählt Angelika Schiller (65). „Industrie war hier nicht bekannt.“ Die damals 14-Jährige wurde schon in der achten Klasse angeworben und begann ihre dreieinhalbjährige Ausbildung parallel zur neunten und zehnten Klasse. Das bedeutete pro Monat drei Wochen Schule und eine Woche Ausbildung. In der erlernte sie das Herstellen von Schiffssteueranlagen und Fischfangmaterial. „Wir haben uns ganz schön gequält“, erinnert sie sich. „Das waren Fächer, von denen ich noch nie etwas gehört hatte.“ Auch die Praxis barg Überraschungen. „Wir standen in Kabinetten an Schraubstöcken, der Automatisierungsgrad ging gegen null“, berichtet Schiller.

Da der NEG gemeinsam mit dem Kernkraftwerk Lubmin eine Ausbildungsgemeinschaft bildete, wurden zeitweise über 1200 Lehrlinge pro Jahr ausgebildet. „Doch“, wie Ilka Arndt aus der EL66 erzählt, „die wenigsten aus unserer Klasse haben diesen Beruf weitergeführt. Sie sind aber dennoch oft im Betrieb geblieben.“ Arndt arbeitete in der Buchhaltung weiter, auch noch als Siemens 1991 den NEG übernahm.

„Die Gebäude gibt es heute noch, aber den Betrieb nicht mehr“, berichtet Arndt. Anlässlich des Jubiläums wurde die Klasse durch einen Teil der ehemaligen Ausbildungshallen geführt – der heutigen ml&s-Produktionsstätte. „Das ist Zauberei! Ich komme noch aus einer Welt mit Löten, Festhalten und Verbrennen“, scherzt Uwe Grawe beim Anblick der hochmodernen, automatisierten Leiterplattenbestückung. Und EL66-Ausbilder Eberhard Kieckbusch (73) meint: „Damals konnte man die Bauelemente noch anfassen.“

„Für mich sind das böhmische Dörfer“, gibt sich Dagmar Fielitz (64) geschlagen. Von ihrer Ausbildung habe sie jedoch durchaus langfristig profitiert. „Ich kann meine Leitungen selbst reparieren, und bis zur Wende habe ich keinen einzigen Fernseher gekauft. Das habe ich mir alles vom Sperrmüll zusammengebastelt.“

Veronika Uhl

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