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Greifswald Zeit schenken im hektischen Klinikalltag
Vorpommern Greifswald Zeit schenken im hektischen Klinikalltag
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00:00 18.03.2017
Greifswald

Christel Michaelis aus Völschow liegt nicht das erste Mal im Greifswalder Klinikum. Für die 86-Jährige ist so ein Krankenhausaufenthalt nicht gerade leicht und mit vielen Fragen verbunden. Ärzte und Pflegepersonal gäben sich Mühe, keine Frage. Doch für Gespräche bleibe oft nicht viel Zeit. „Da ist es ganz toll, dass es hier Patientenhelferinnen gibt, die ein offenes Ohr haben“, sagt die betagte Frau. Und Bettnachbarin Hildegard Fiedler (82) aus Karlshagen fügt hinzu: „Ihre Arbeit kann man gar nicht genug loben!“

16 engagierte Damen kümmern sich ehrenamtlich jeweils ein- bis zweimal die Woche um Patienten, die selten oder gar keinen Besuch bekommen, sich in besonderen Notsituationen befinden oder einfach mal Beistand brauchen. Die Gruppe wurde 2013 vom Verein der Freunde und Förderer des Universitätsklinikums initiiert. „Derartige Leistungen sind im medizinischen Pflegekanon nicht enthalten und können in der angespannten finanziellen Situation der Krankenhäuser durch das Pflegepersonal nicht erbracht werden“, erklärt Vereinsvorsitzender Gunter Jess. Das Projekt wurde jetzt mit dem „Preis für Mitmenschlichkeit“ geehrt – ausgelobt vom Ballett Vorpommern und der Hansestadt Greifswald. „Denn diese Patientenhilfe ist eine wirklich tolle Sache“, begründet Christine Dembski, Koordinatorin des Präventionsrates der Hansestadt.

Für Regina Stober, eine der 16 guten Feen, ist der Preis eine schöne Anerkennung ihrer Tätigkeit, die sie mit ganzem Herzen ausübt. „Bis 2013 war ich berufstätig, arbeitete im Pharmazeutischen Institut. Danach einfach nur zu Hause zu sitzen, kam für mich nicht in Frage“, sagt die 64-Jährige. Sie brauche soziale Kontakte und suchte zugleich nach einer „Betätigung zum Wohle anderer“. Da kam ihr das Projekt der Patientenhilfe gerade recht.

Ähnlich die Motivation bei Edith Weise aus Behrenhoff. Bis 2014 war die heute 62-Jährige leitende Stationsschwester in der Unifrauenklinik. Doch ihr Vorruhestand verlief danach alles andere als ruhig, warf familiär mit dem Tod ihres Mannes vieles über den Haufen. Schließlich suchte Edith Weise nach einer Aufgabe, „die sinnvoll ist und mir auch Freude bereitet“, sagt sie. Die Tätigkeit als Patientenhelferin, der sie seit einem Jahr nachgeht, sei wie geschaffen für sie. „Es ist ein gutes Nehmen und Geben. Außerdem kommt mir mein berufliches Wissen dabei zugute. Ich kenne die Abläufe in der Klinik, kann bei Bedarf manches in die Wege leiten“, erzählt sie.

In erster Linie sei es wichtig, so Regina Stober, für die Patienten ein offenes Ohr zu haben. Wer etwa mit der Diagnose Krebs konfrontiert werde, brauche oft jemanden zum Reden. „Wir hören einfach zu, fragen, ob wir etwas erledigen oder besorgen können, klären über Patientenrechte auf“, sagt die Frau aus Hinrichshagen. Notwendiges Wissen eignen sich die Ehrenamtler in Fortbildungen an, die der Förderverein organisiert. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Gruppen und das monatliche Treffen der Frauen sei sehr wichtig, betonen Weise und Stober unisono. Immerhin gehe es auch um den Selbstschutz, erklärt Krankenhausseelsorger Rainer Laudan, der die Arbeit der Gruppe koordiniert. Auch in menschlichen Notsituationen „dürfen sich die Frauen in der Kommunikation nicht völlig verausgaben. Die Arbeit stellt oft eine starke emotionale Herausforderung dar. Dennoch müssen sie auch an sich denken“, erklärt Laudan.

Edith Weise hat für sich einen guten Weg gefunden, versucht Mut zu spenden, ohne falsche Hoffnungen zu wecken: „Das Mammakarzinom etwa ist natürlich für jede Frau erst einmal eine Hammerdiagnose.

Doch es gibt Aussicht auf Heilung. Viele neue Behandlungsmethoden sorgen für gute Überlebenschancen. Und nur so kann man da rangehen“, ist sie überzeugt.

Regina Stober sieht das ähnlich und freut sich zugleich, mit ihrem Engagement etwas bewirken zu können. Dabei seien nicht nur die Patienten dankbar: „Neulich haben sich bei mir auch Ärzte bedankt.

Das war echt toll.“

Petra Hase

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