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Zitterpartie für Wolgaster Makler-Duo

Zitterpartie für Wolgaster Makler-Duo

Vorwurf der Unterschlagung ließ sich nicht erhärten / Computer-Auswertung lässt den Verdacht der Urkundenfälschung wieder aufkeimen / Staatsanwalt bleibt hartnäckig

Greifswald/Wolgast. Die Staatsanwaltschaft bleibt im Prozess gegen zwei Geschäftspartner einer Wolgaster Immobilienfirma hartnäckig. Auch der gestrige vierte Verhandlungstag vor dem Amtsgericht in Greifswald endete daher noch nicht mit einem Urteil. Vielmehr hat Richter Konstantin Tränkmann über eine von Staatsanwalt Christian Müller abgegebene Beweisanregung zu befinden, wonach ein Mitglied des Instituts für Schrift- und Urkundenuntersuchung aus Mannheim mit dem Fall gutachterlich betraut werden soll.

Wie berichtet, sollen sich die Makler nach Ansicht der Staatsanwaltschaft das Vertrauen eines an Krebs erkrankten, 2011 verstorbenen Wolgasters, Jahrgang 1954, erschlichen und sich als dessen Betreuer einsetzen lassen haben, um ihn um sein Vermögen von mehreren hunderttausend Euro zu bringen. Nachdem im Prozessverlauf nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte, ob die Angeklagten die Unterschrift des todkranken Mannes auf verschiedenen Vollmachten, einem Darlehensvertrag, einer Abtretungserklärung und auf einem Autokaufvertrag fälschten, sollte es gestern abschließend um den Vorwurf der Unterschlagung gehen. Konkret ging es um den Verbleib des Besitzstandes des Verstorbenen.

Die Aussagen zweier Zeuginnen und Verwandten des Toten, die im Auftrag der Erbin agieren, konnten den Vorwurf des Vermögensdelikts nicht erhärten. Da die Familie nur selten und lediglich telefonischen Kontakt zu ihrem zurückgezogen lebenden, zwar vermögenden, aber als knausrig geltenden Verwandten pflegten, konnten die Angehörigen keine belastbaren Informationen über dessen Besitz in seiner letzten Lebensphase geben. Als sie vom Ableben ihres Verwandten erfuhren und sich nach Wolgast begaben, um sich mit den beiden Maklern zu treffen, war bereits ein knappes halbes Jahr vergangen. Als einigermaßen belastend erwies sich für die Angeklagten gestern jedoch die Aussage eines IT-Gutachters, der sichergestellte Computer und weitere diverse Datenträger nach für den Fall relevanten Dateien durchsuchte. Bei der Analyse der Dateien – es handelt sich um eine Vollmacht und Darlehensverträge – fand der Gutachter eigenen Angaben zufolge sichere Indizien dafür, dass Urkunden nach dem Tod des mutmaßlichen Betrugsopfers erstellt und zurückdatiert worden seien. Gleichwohl räumte er ein, dass sich das Erstellungsdatum einer Datei bei bestimmten Computer-Operationen ändern könne.

Staatsanwalt Müller veranlasste das Untersuchungsergebnis dennoch, dem Fälschungsvorwurf nochmals nachzugehen. Eine Sachverständige für Handschriften-Untersuchungen des Landeskriminalamtes MV hatte im Prozessverlauf erklärt, dass die insgesamt sechs strittigen Unterschriften auf den eingangs erwähnten Papieren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht von dem todkranken Wolgaster stammten. Die Leiterin der Rechtsmedizin Greifswald, Prof. Britta Bockholdt, hielt dem aber entgegen, dass der schwere Krankheitsverlauf möglicherweise doch das Schriftbild in vorliegender Weise beeinträchtigt haben könne. Richter Tränkmann hat nun zu entscheiden, ob ein weiterer Fachmann aus Mannheim hinzugezogen wird. Der Prozess wird am 23. November fortgesetzt.

Tom Schröter

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